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Jüdische Weltrundschau · 1939-06-09 · 13 (9.6.1939) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
1 (1939)
Issue
13 (9.6.1939)
Date
1939-06-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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PAtttSBH AUSGABE t* ** l^if;^ J«krgang 1 Nr. IS — Elnxelnummer f£ | > \ Tl hfl IY29 JÜDISCHE Ä RUNDSCHAU SU4»fction, TtrtM tin« a.na«lf«ii-V«r«ftltnn|: Un$*l*n V O B. ««0; ,', H.n J. h wUHtr, TM«rh»o jM)75>. — Uttct»»ftMt»Ile für Eurap* «nur Ktp*dltl*M und Abonn<om*nt«<Anft«hrn* für K u r o p n*4 Amrrll») 1- *t-: Ooin.int. Part» H* ...... Cnr'; ,f:,«t<-H<« f:ir T«l-A»i»: 5. Wikv.>i, turn"! *tr 'IVIrphnn - R«<UkttoriMctiltiM: |»<i<-n M«n|»( :» t'hr n*ct.i.<. Kur <.nv «rUnrt« M»n..*lirlpio wird krin» Otrantir. jibr.rnosii.nfB. J^trr Kir;«-r>.I.ino.i.r Anfmc« l«t Hr> Intornatto- ■•irr Ant»orUrhein bMü.für-n Zt.ichrSfJen f. d Hi»«Uktlon ««•rd-n nl^ht •ti »;ir,«rt(,. riorxn. tor,d*rn an ,Ji« |{r<Uktlon, Jrr..ttl. m IVO», «i*!* erb*!«-»». j k ii r ä a i, •; m Rrvur <!u Mnrn!f* juif f llrfnlnmadnirc Paris, 9. j( \r vm tri.-h« Int aln«»l «Ikfeentürk ...... Ani«(|*n*nn*hM« flr f,An4«r: »>!MfM!-Ml|<-h jinultm P.OB «»» rar f'«l*.«U» ••••••Mm« Tti-Avfv, »V MU*»ft!«r»*J «ir - Ani-ig-nt»»!- j^r f.tftt>*4t j>rb<-i n ~*?»!• \n •« •, rf «IM!•» r- >|,.-.l».-f ).< » ,-,„* t>r~lt .S|,alUriH..h« i o i„m, (.-,• •«.....-i, i „„ *), i ' J. Mt>Alt» Mif.lmsUr tu- I| |r.-h ( 1 7 \ fmK ftl" ^Uwlt ■•,> U tr,«."i«t--« T.rtf unl ,1'iri.h rt it if für I-araÜUnanMfgftn und Ai1r**Mn Mlit.«iUifi«»a _ Ana«|g«a- •Sefclui*: .Mof t -.ff nfh'it.!*. I 't.r .M»*"ti!•» r*iiilil«r(«ni!«l««B l>!>ntM| Ü M,f t:lr.,. .... |N*U|i«J,l«l*- «Tgl l.Ut* *,» M.'t.i'.»« <!•• tlltUM. Was sagt die Welt? Die Juden im Kampffeld der Machte Zwei oder drei Wochen nach dem Erscheinen des PalSstina-W'cissbuches hat man eine ungefähre Übersicht darüber, wie die öffentliche Meinung auf die neue Wendung der englischen Politik reagiert hat. Auf den ersten Blick wird klar, das» es flieh hier um eine «ehr komplizierte und delikate Angelegenheit handelt, bei der wir Juden wieder einmal — wie so häufig — darunter leiden, dass viele nicht imstande sind, die ganz spezifischeEigenart unseres Problems zu würdigen; sie erliegen einer Betrachtungsweise, die den Sachverhalt vereinfacht. Wenn man aber erst die jüdische Sache in das Begriffsschema hineinzwängt, das jetzt allgemein in der Welt üblich ist, dann gerät man sehr bald in unlös-J bare Widersprüche. Schon vor einiger Zeit hat eine | den Juden freundlich gegenüberstehende englische Zeitschrift die Frage aufgeworfen, in welcher Weise das Palästina-Problem in dem Kampf zwischen Faschismus und Demokratie einzureihen sei, da in Palästina die mit dem Faschismus verbündeten Mächte (die Araber) sich auf das Prinzip der Demokratie berufen, während die sonst demokratisch gesinnten Juden für ein autoritäres Regime einträten. In ähnlicher Weise wird der jetzt ausgebrochenc Gegensatz eingereiht in die grosse Schwarzwciss- Gruppicrung, unter der heute alle politischen Wcltprobleme betrachtet werden. Wo stehen die Juden? so fragt man. In dem grossen Entscheidungskampf der Welt müssen doch die Juden, wenn sie nicht in der furchtbarsten Weise vernichtet werden wollen, auf selten des England-Blockes stehen. Die Juden müssen also — so sagt man weiter — daran interessiert sein, den unter Englands Führung stehenden Block zu stärken und Ihm Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Demgemäss wlre es auch ein j ü d i s ches Interesse, die arabische Welt, die vielleicht militärisch nicht so bedeutend ist, aber strategisch und verkehrspolitisch — in gewisser Hinsicht such moralisch —- wichtige Positionen innehat, für den antifaschistischen England-Block zu gewinnen. Denn heute—so geht der Gedankengang dieser Zeitungen weiter — kann es sich gar nicht mehr darum handeln, irgendwo lokale Vorteile zu erlangen, alles ist ein unteilbares Ganzes; und was würde es den Juden nützen, wenn z. B. England ihnen in Palästina entscheidende Vorteile einräumte, dadurch aber die arabische und moslemische Welt auf Seiten der Feinde Englands getrieben würden und in einem künftigen Weltkrieg oder sonstigen grossen weltpolitischen Konflikt England durch den Verlust der arabisch-moslemischen Unterstützung ins Hintertreffen geriete und dann auf allen Fronten Konzessionen durch Preisgabe kleiner Völker und eigener Vorteile machen musste? In einem solchen Falle würden auch die Juden, auf lange ("vielleicht gar nicht gar so lange) Sieht gesellen, verlieren. Es wäre daher das Klügste für die Juden, England in seiner gegenwärtigen Politik zu helfen und das anzunehmen, was man ihnen bietet, im Bcwusstsein, dass sie noch viel mehr hätten verlieren können und bei einer weiteren Zuspitzung des Konflikts in Zukunft noch mehr verlieren können, nämlich die bisher geschaffenen Positionen in Palästina, während das jetzige englische System Ihnen sogar noch eine gewisse Vergrößerung zugesteht und im Falle einer Einigung mit den Arabern in Zukunft sogar noch, weitere Vergrößerungen möglich" sind. Palästina ist heute für England eine grosse Verlegenheit, und — wie Mr. Archer Cust, ehemaliger langjähriger Beamte der Palästinaverwaltung, in der „Times" schreibt — „für Hitler ein Geschenk der Götter". Was in Palästina vorsieh geht, stärkt nach Meinung vieler Engländer und auch anderer den Feind, Darum haben die Engländer, aber auch die Juden ein Interesse an einer Beseitigung dieses Kon- : fliktherdes. NICHT CEC EN FNGLAND Dies ungefähr ist die Linie, die von den wichtigsten: Zeitungen in den demokratischen L ä n d s r n eingenommen wird, so z. B. in U SA, aber auch in Ländern ■ wif. Holland und der Schweiz, Man merkt: deutlich, wie die j Presse der demokratischen Länder heute von einem einj zigen Gedanken beherrscht ist, nämlich der Sorgen dass j durch irgendwelche politische Ncbenereignisae die mühsam; Eusammengezimmerte und langsam im Wachsen begriffene' „demokratische Abwehrfront gegen den Faschismus" erschüttert werden konnte. Interessant ist, dass z, B. die amerikanische Presse im Falle des Weissbuches sich ganz anders verhält als bei der Opferung der Tschechoslowakei. Damals hat die amerikanische Presse Englands Politik rückhaltlos und entschieden verurteilt. Ja es entstand etwas wie eine Volksbewegung In den Vereinigten Staaten, deren Spitze eine Zeitlang weniger gegen Hitler gerichtet war (denn das ist selbstverständlich) als gegen Chambcrlain und Daladier. Nach der Veröffentlichung des Weissbuches hat zwar in Amerika eine scharfe jüdische Agitation eingesetzt, aber die öffentliche Meinung ist nicht durchaus mitgegangen, sondern hat plötzlich besonders grosses Verständnis für Englands Schwierigkeiten und für die Notwendigkeit der Verhinderung eines Anschlusses der Araber an den faschistischen Block gezeigt. \ Noch eine besondere Erscheinung ist '^hervorzuheben, die für die öffentliche Meinung in den grossen demokratischen Ländern sicherlich nicht belunglos\.ißt. Der hier geschilderte Gedankengang, der ja,;,wenn man über die besondere Eigenart des Palästina-Problems hinwegsieht und es nach der Schablone beurteilen will,' naheliegend ist, hat auch eine besondere Wirkung auf die Juden. FJbenso wie andere wissen selbstverständlich auch die Juden, wir alle, wo in dem heutigen weltpolitischen Chaos unser Platz ist. Die Zionistische Organisation hat oft genug unterstrichen, dass das jüdische Volk nicht gegen/ England und nicht gegen das e n g'- l ist'he Volk kämpft, sondern sich sehr wohl dessen bewusst ist, was die Hilfe Englands auf verschiedensten Gebieten heute für die Juden bedeutet. Nicht darum handelt es sich. Es handelt sich um die Bekämpfung <mer bestimmten R e gierungsmass nähme, die auch von vielen arischen E ng I ä n d e r n als unklug und ungerecht gebrandmarkt wird. Das Britische Empire ist kein totalitäres Land, wo Kritik an der Regierung und Kampf gegen die Regierungsmassnahmen ein Kapitalverbrechen sind oder auch nur als Illoyalität gedeutet werden können, Auch der Jischuw in Palästina, so sehr er jetzt gegen die englische Politik erbittert ist und so töricht auch manche Äusserungen sein mögen, steht als ganzes doch auf dem Boden des Britischen Empire; was der Jischuw der Mandatarmacht vorwirft ist doch viel mehr, dass sie zu wenig regiert hat, dass sie Englands Macht im Sinne des Mandates nicht eindeutiger angewandt hat. Der Jischuw beklagt sich also über ,.zu wenig England", nicht über „zu viel England", will also nicht das englische Joch abschüttein, sondern wehrt «ich dagegen, dass England seine Stellung unter dem Mandat preisgeben will. Das ist etwas ganz anderes als Illoyalität gegen England, wie sie sich etwa der Muft! leisten kann, von dem immer wieder behauptet wird, dass er mit Berlin in Verbindung steht, was die demokratischen Länder England und Frankreich untätig mitansehen, eine der vielen Unbegreiflichkeften der demokratischen Politik. JÜDISCHE EXTRATOUREN Wie immer dem aber sei, man kann nicht leugnen, dass die fortgesetzte Propaganda— und zum grossen Teil wohl auch eigene Überlegungen — einen Teil der Juden besonders solche, die mit der Palästina-Sache nicht eng verbunden sind, irregemacht haben. Auch im zionistischen Lager gibt es manche, die der Meinung sind, da.-.i rogar akute Fragen der Palästina-Politik zurückgestellt werden müssen hinter den grossen Fragen der Weltpolitik von heute. Dazu kommt bei vielen Juden noch die besondere Angst vor dem Anwachsen den Antise-mUinmm. Bei einem Streit mit einem Juden hat es doch der Gegner viel leichter ais bei jeder anderen Auseinandersetzung; ist er im Unrecht, dann beginnt er auf den Juden zu schimpfen, und ein solches Argument findet leicht Anklang bei der Masse, aus den verschiedensten Gründen, die wir hier nicht auseinanderzusetzen brauchen. Das fühlen die Juden und darum sind sie ängstlich. Es seien in diesem Zusammenhang nur drei Beispiele aus verschiedenen Ländern genmnt, die eirmmier nicht gleichwertig sied, aber doch etwas gemeinsames haben. Am sensationellsten wirkte das Verbot der zionistischen Protest Versammlung in Paris, Ist man doch geivehnt, gerade Frankreich »Tut der Idee absoluter Redefreiheit zu identifizieren. Die französischen Behörden (und andere Demokratien) sind sogar merkwürdig grosszügig gegenüber der faschistischen Wühlar- \ beit, die sieh gegen ihr eigenes Regime und ihr ganzes [ kulturelles Fundament richtet. Die französischen Be-j hörden dulden auch die Tätigkeit des Mufti im fran-] zäaischen Mandatsgebiet und seine Verbindung mit j Deutschland und Italien einschliesslich der von diesen I Mächten kommenden Waffen- und Geldsendungen und [ der scharfen antienglisehen Propaganda. Dagegen haben ' rt4* ,7m Auswertungen polnta-hrr Jud**n KsntonUlrrunK«pUa für Psl&otins Probleme der Einordnung In IJ S \ Hie emigrierte jüdische Konfektion Verwirrung In l*alii»tlna Die gehtlurn Hintergründe der Zelt Franz, Kalk» Zum 15, Todestag Zum Tode von Jone! Koth Nochmals: Sigmund Freud und .Mime* Berichte aus Ungarn, Holland. Frankreich ptc. SCHDERBEILIGE : ANALYSE DES WEISSBUCHES Von d. Ben ciun«» sie die zioui.-Umche Proteiitversammlung in Pari« verboten, weil sie in dieser Stunde keine Kundgebung gegen den englischen Verbündeten sich leisten zu können güju- | bcn- Hinter diesem Verbot aber ateckt (wie nehon er- | wahnt) die Denunziation einer Gruppe „patriotischer Israeliten", einer Art, wie unser Korrespondent sie nennt, I „französische Naumann-Gruppe". Sicherlich handelt es sich hier nur um eine kleine Gruppe, aber der Hinweis auf das allgemeine Interesse Frankreichs wirkt besonders in dieser Zeit auf die französische Öffentlichkeit. Würdig an die Seite zu stellen dieser Aktion ist ein Brief eines gewissen Frank Morris in der „Times", der „als Jude" schreibt, der gegen die Haltung „der jüdischen Minorität in Palästina ' Stellung nimmt, kurzerhand die Balfs^ir-Deklaration als einen Fehler und flir unerfüllbar erlitt und zum Schius» — ausgerechnet vor dem Auditorium der „Times", die unseres Wissens kein jüdisches Organ ist — an seine Glaubensgenossen appelliert, sie mögen England bei seinen Schwierigkeiten mit den Arabern helfen statt es zu stören. Wir Juden, so schliesst er seinen Brief, „müssen auch erkennen, dass das antijüdische Gefühl -mit Recht oder Unrecht im Ansteigen ist und uns überschwemmen kann, wenn wir solchen Unsinn reden wie ökonomischen Boykott, Generalstreik oder finanzielle Racheakte". Schliesslich sei eine amerikanische Stimme erwähnt, die gewiss von all den genannten am höchsten einzuschätzen ist, nämlich ein auch von der Londoner „Times" sitierter Artikel von Rabbi Lazaron aus Baltimore, der seine Meinung dahin formuliert, die Juden müssten „den politischen Nationalismus aufgeben und die Extremisten innerhalb und ausserhalb Palästinas Im Zaum halten". Rabbi Lazaron, der vor mehreren Jahren auch in Palästinn war, ist ein bekannter, der Quäkerbewegüng nahestehender Hoformrabbi, der häufig für die zionistische Sache eingetreten Ist, aber jetst in seinem Artikel sich gegen einen säkularisierten Nationalismus wendet, der die Einschrnelzung in das amerikanische Leben ersehwert und bei der llichtjüdisehen Umwelt Missverständnisse hervorrufen müsse. Übrigens hat auch Prof. Einstein in einer Rundfunk-Ansprache in Amerika iHrtonf, dans trotz allem die;ErhalUtng der britischen Macht auch Im Interesse der Juden liegt und dass auf der Basis des Schutzes jfor dem Zugriff der totalitären Staaten eine Versländijjfung zwischen Juden und Arabern angestrebt werden müsse. J KLARE HALTUNG Die W\jdt (und gerade auf die wir Wert hr^-.x) versteht um nicht ganz. Es ist die höchste Zeit. Ünaa durch eine klare und e t n d e u ti g c j ü d i s c U o H-u 11. u ng sowohl der Umwelt hin auch der. jüdischen Weit gezeigt wird, w o d a s i Ü d i a c h e V o 1 k u n d seine v e r a n t w o r 11 i c h e R epräsent a n z s t e h t, Die blosse Polemik gegen du« Weissbuch genügt da nicht. Wir haben leider schon seit Jahren bei verschiedenen" Gelegenheiten beobachten müssen, dass für die jüdische Politik und für die Beurteilung der Juden in der Welt ein schwerer Sehaden dadurch entsteht, wenn nicht Von. mufiH'jebenäer jüdischer Seite klar und deutlich Ziele aufgestellt werden, die vom jüdischen und vom allgemein-menschlichen Standpunkt vertretbar sind und für uns die Sympathien der liberalen Welt sichern (während wir" die %mpauM'-n oder die Hüte der nwhthbßruim,. d. h. faschistischen Welt ohnedies nicht erlangen können;. Die Diskussionen und Presaeäussertmgen der letzten zwei bis drei Wochen haben deuMieh gemacht, in weicher G e f a h r wir schweben. Wir meinen hier nicht die aktuelle politische Gefahr in bezug auf Palästina, denn die Meinung, dass das letzte Weißbuch keine Lösung der P a i ä s t i n h -F rage ist, dringt immer mehr durch, Wir meinen vielmehr die in der heutigen Zeit besonders wichtige Frage der repräsentativen jüdischen Haltung. In dem schweren

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