Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 1 (1939)
- Issue
- 12 (2.6.1939)
- Date
- 1939-06-02
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU -Chronik Demonstrat?on*verbr>t in Jerusalem Der DistrietskommiMsar von Jerusalem, Keilh Roach empfing am 21 5. zwei Mitglieder der Jcrusalemer Gemeinde und teilte ihnen den Beschluss der Regierung mit, da»« In der Stadt keine weiteren D emoimtrntloticn mehr gestattet, würden. Jeder Friedensbruch werde mit fJewn.lt verhindert werden Sollten die Befehle der Behörde nicht eingehalten oder weiter der Verkehr durch Steinwürfe belästigt werden, so würde eine Einschränkung de» jüdischen Verkehrs erfolgen. Die Vertreter der Juden betonten die Erbitterung, die tinter den Juden wegen der neuen englischen Politik herrscht, fügten jedoch hinzu, das* die verantwortlichen jüdischen Stellen Ausschreitungen verurteilen. Mahnung zur Ohxiplln Die jüdische Gemeinde in Jerusalem forderte mit Plakaten die Bewohner der Stadt auf, sich unbedingt an die Direktiven de» Ge m e i n d e r a t e s zu halten. Alle Einzelaktionen haben zu unterbleiben. Ein weiterer Aufruf fordert die Bevölkerung auf, »ich den freiwilligen Ordnern des Gemeinderates zu fügen. Für Einsetzung ein*--* Notkamltee« Eine Delegation Jcrusalemer Juden unter Führung von David Yellin forderte von der Exekutive die Bildung eines Ausschusses mit weiten Vollmachten, um die jüdische Sache in der heutigen Notlage zu vertreten. Der Vorsitzende der Exekutive Ben Gurion erwiderte, da&s die ordnungsmässig gewählten und ihren Wählern verantwortlichen Körperschaften auch weiterhin die Politik führen müssen. Die Haltung der Araber Die arabische P reu sc macht Andeutungen, das« von arabischer Seite weitere englische Konzessionen : zu Gunsten der Araber erwartet werden. Es wird betont, dass die in Kairo geführten Besprechungen zwischen England und den arabischen Staaten noch keineswegs abgeschlossen sind. Die arabische Welt, .so führen die Zeitungen aus. hoffe, duss England die ArHbcr zufriedenstellen und dadurch die moslemische Freundschaft für sich gewinnen würde. EL s offizielle Antwort des Obersten Arabischen Kommittecs auf das Weissbuch Ist busher nicht erfolgt. Es wird aus Beirut gemeidet, das« beim Mufti täglich Sitzungen abgehalten werden, und die Hauptforderungen die Amnestie für den Mufti betreffen. Bekanntlich hat MacDonald in seiner Rede im Unterhaus erklärt, dass eine Rückkehr des Mufti nicht erfolgen wird. Die arabische Vertcidigungspartel (Naschaschibi) beschloss, das Wcissbuch als Grundlage englisch-arabischer Zusammenarbeit anzunehmen, In der Hoffnung, das» die Übergangszeit verkürzt w-erden wird. Der Terror In der letzten Woche hat sich der Terror in Palästina von neuem verstärkt. In Jerusalem wurde Marcus Ansbacher, ein Einwanderer aus Deutschland, der vor kaum 2 Monaten nach Palästina gekommen war erschossen. In Haifa fiel ein jüdischer Lokomotivführer den Kugeln von Terroristen «um Opfer. Auch der innere arabische Terror ist in den letzten Tagen erneut spürbar. Über das Städtchen Zcraach, am Südende des Tlberias- Sees wurde ein Ausgehverbot von 24 Stunden verhängt als Strafe für einen Sehu der von einem Araber auf jüdische Polizisten abgegeben wurde, wobei niemand verletzt wurde. In Jaffa haben die Behörden die Muchtare verständigt, dass im Falle von Schüssen man anstelle eine» Ansgehverbots die Einwohner des betreffenden Viertel» zu Zwangsarbeit verurteilen wird. In Bethlehem wurde der Muktar ermordet. Der High Conil**ioner In Haifa Der High Commissioner, Sir Harold MacMichacl. stattet« Haifa am 27. Mai einen Besuch ab und besuchte den Bürgetmeister der Stadt, Hassan Bey Sehukri. Die jüdischen Stadtverordneten, die zu dem Empfang beim Bürgermeister eingeladen waren, lehnten mit Rücksicht auf die politische Lage die Einladung ab. — Von Haifa begab sieh der High Commissioner auf eine Inspektionsreise, in deren Verlauf er auch Nahalal und Nazarcth besuchte. Auch in Tiber tan lehnten die jüdischen Vertreter die Einladung ab. Empire Tau 1 Attlässüeh des Britischen Empire Tages hielt der High Commissioner Sir Harold Mac Michael eine Ansprache im Radio, in der er die Grundlagen und, Ziele des Imperiums auseinandersetzte. Das britische Imperium — so erklärte Sir Harold —- beruht nicht wie die grossen früheren Reiche auf reiner Gewalt, sondern hat sich zum Ziele gesetzt, die in ihm vereinigten Völker zur Selbstregierung und zur persönlichen Freiheit zu erziehen. Seliawtioth an der Klageiii auer Der traditionelle Zug zur Klagemauer zu Sehawuoth war dieses Juhr ungewöhnlich zahlreich. Die Anzahl der Besucher wird auf luüOö geschätzt. Der Oberrabbiner Herzog' besuchte nach dem Gottesdienst in der Jcsehurun Synagoge die Klagemauer und hie!« dort den zweiten Teil des Morgengebetes ab Der Zugang zur Mauer würde von jüdischen und britischen Polizisten bewacht und trotz der ungeheueren Menschenansammlungen ging der grosse Zug ohne Zwischenfälle vorüber. Telegramm un den Lord Kanzler Im Namen des jüdischen Anwaltve-bandes in Palästina sandten die Mitglieder des Ausschusses Dr. Smoira, M E iash, Levitzky, Lutschinsky und Israeli, ein Telegramm an de ord Kanzler und den Juatizministcr in London, in dem sie < auf hinwiesen, das* die neue mit dem Weißbuch verbundene Gesetzgebung geeigne; sei das Vertrauen an britisches Recht Der jüdische P f 1 a n z e r v e r b a u ü hat an den Kolonialsekretär und den High Commissioner in Jerusalem ein Telegramm gerichtet in dem Erklärt, da>:s er die neue Politik für Palästina unter keinen UmstSmim anerkennen wird. Der Pflauzerverband stellt sich mit der jüdischen Gemeinschaft in Palästina zum Kampf gegen die neue Politik Kampf mit Terroristen In der Nähe von Tül Karem wurde am 23 o. ein Kampf mit einer grossen arabischen Terroristengruppe ausgefochten. wobei 11 von ihnen getötet und 2 gefangen genommen wurden. Eine Anzahl von Waffen wurde erbeutet. Auf englischer Seite wurden ein Major und ein arabischer Doll«cljt. h«r »*töi«t ein Offener und 3 Soldaten Verwundet» Einige Tage später wurde der liest dieser Terrorbande neuerlich in ein Gefecht mit Militär verwickelt, wobei drei Araber erschossen und einige Gewehre und Munition erbeutet wurden. Dabei wurde auch ein Dokument aus der arabischen Aufstandsbewegung gefunden. Am 2Vi, Mai kam es neuerlich zu einem Gefecht an der Nordgrenze, wobef?> Terroristen getötet, 1 verwundet und r> gefangengenommen wurden. Ebenso wurden eine Reihe Schusswaffen und Munition erbeutet. Schieberei In Haifa In Haifa wurden nm 25. Mai fünf Araber durch Schüsse aus einem vorbeifahrenden Auto verwundet, davon einer tödlich und zwei schwer. Es stellte sich heraus, das» der Waren dem Bruder Dr. Weizmanns, Jcchiel Wcizmann, der ein Fabrikant in Haifa ist, gehörte und gestohlen worden war. Eine Stunde später wurden in der Nähe des Bahnhof* jüdische Fahrzeuge von Arabern mit Steinen beworfen, wobei ein jüdischer Chauffeur leicht verletzt wurde. In beiden Fällen griff die Polizei sofort ein. Der offizielle Polizeibericht bezeichnet „drei Juden" als die Täter, die aus dem Auto auf die Araber geschossen hatten. Forderungen der Studenten Delegationen von Studenten wandten sich in Jerusalem und in Haifa an Ben Gurion, den Vorsitzenden der Exekutive, und in Tcl-Aviv an den Bürgermeister mit der Forderung, ihnen mitzuteilen, welche Wege die Jewish Agency bezw, die Stadt von Tel-Aviv im Zusammenhang mit dem Weissbuch einzuschlagen gedenke. Die Delegationen forderten sofortige scharfe Aktionen. In Haifa haben die Studenten einen 2tägigen Sitzstreik Im Technikum arrangiert, um die An nähme ihrer Forderungen auf radikale Jüdische Aktionen zu erzwingen. Störungen Im Jeruftalemer Radio Eine Musik-Aufführung im Jerusalemcr Radio wurde am 25. V. abends mehrmals durch hebräische Rufe unterbrochen: .Wir erklären dem Weissbuch den Krieg". Die Radio-Experten suchten erfolglos nach der Stelle, von der die Unterbrechungen herkamen. Sperrstunde In Safed Am 24. Mal fand ein heftiger Angriff auf das jüdische Viertel und die Regierungsgebäude in Safed statt. Eine Sperrstunde von 4g Stunden wurde verhängt und die arabischen Viertel mit einer Kollektivstrafe von LP. 620.-- belegt. WafTeiKÜbergabe Eine Militär Patrouille, die in Dörfern im Ramallah-Distrikt Durchsuchungen vornahm, erhielt von Fellachen freiwl' ig 10 Gewehre ausgehändigt. Die Besitzer der Waffen werden dafür eine Entschädigung erhalten. Illegale Einwanderer Ein Schiff mit 401 illegalen Einwanderern wurde am 29, Mai in der Nähe von Natania von einem britischen Patrouillenboot festgenommen. Die 401 Passagiere wurden später entlassen und werden von der Einwanderungsschedule in Abzug gebracht werden. Es handelt sieh um illegale Einwanderer aus Polen. 17 illegale Einwanderer, die ihre Gefängnisstrafe abgebüsst haben, wurden entlassen und im Einwandererhau* in Haifa untergebracht. Schule für LufUehutz Die Stadtverwaltung vc: Tel-Aviv hat beschlossen, der Regierung ein Stück Boden zur Verfügung zu stellen, um dort eine Schule für Luftschutz zu errichten, die von der englischen Regierung in London finanziert wird. Es sollen zwei grosse Räume, einer für Übungen und einer für Ausstellungen errichtet werden. Der neue Chef.nekretär Anfang Juni soll der gegenwärtige Chefsekretär der Paläbtina-Regierung, William Denis BattershiU nach Cypern ab- 6 NEUE SIEDUJNGSPUNKTE Am 2.1. Mai. dem Tage vor dem Schawuoth-Fest. fand die kolonisatorische Besetzung von sechs neuen Punkten statt, die in aller Stille vorbereitet und nach einem genauen Plan durchgeführt wurde. Dia neuen Punkte sind: 1. Das Dorf Kern in der Nähe von Girat Ada in Samaria. Hier siedelt .««ich eine Gruppe der „Zionistischen Jugend" an. die vorher in Herzlia gearbeitet hat. 2. Nach den Böden von S'ftra geht eine Gruppe aus der Bewegung der Mosrhawim. Der neue Platz liegt in der Nähe von Kfnr Tabor. in der Ebene Jesrecl. 3. Eine Gruppe des Hapoef Hamlsraehi okkupierte die Böden von Rirdxchjum in der Nähe von Mlzpah in Galiläa. 4. Eine Gruppe der Allgemeinen Zionistischen Jugend siedelte ich auf den Böden von Lubiah in der Nähe von Javniel in Galiläa an. 5. Eine Gruppe de* Kibuz Meuchad, die bisher in Safad ansässig war, siedelte sich auf dem Boden von Machnajnn an, einem Punkt in der Nähe von Bosch Pinah, wo bereits früher eine jüdische Siedlung war, dir später verlassen wurde. 6. Eine Gruppe von Revisionisten geht zur Siedlung auf den Böden von Um-Kl-Alck. Dieser Platz, Tel-Zur genannt war bereits in der Zeit der Drainage der Kabarah-Sümpfe in Samaria besiedelt und wurde später verlassen. Die Böden dieser sechs Gruppen gehören sämtlich der ..Plca" (Palestine Jewish Colonisation Association), die in Samaria und Galiläa grosse Bodenflächen besitzt, die zum Teil noch nicht besiedelt sind. Die landwirtschaftliche Arbeiterorganisation hat sich seit langem bemüht, die Pica zu weiteren Kolonisationsunternehmungen zu bewegen, jedoch standen den neuen Projekten Schwierigkeiten im Wege. Di« neuen Siedlungen, die jetzt gestartet werden, bedeuten eine Verstärkung der jüdischen Kolonisation in bereits besiedelten Gegenden. Die Besetzung begann noch in der Nacht zum Dienstag und es wurden im Laufe des Tages die Grenzen der Lagerplatze abgesteckt, Mauern und Zäune errichtet und die Wachtturme aufgestellt An jedem Platz sind ungefähr 40 Siedler stationiert, die in Zelten hausen. Der „Chacham" von Saloniki ERINNERUNGEN AN RABBI JACOB MEIR Rabbi Jacob Meir. der Oberrabbiner der «effardUehen Gemeinde in Palästina, M am 27. Mai fan Alter von 83 Jahren gestorben und In Jeru«alem auf dem «Iber* begraben worden. Im Jahre 1912 ging ich als blutjunger Lehrer an die Schule des „Hilfsvereins der deutschen Juden" nach Saloniki das damals noch zur Türkei gehörte und eine Art „Vorkriegs- Tc\ Aviv" war, in dem die jüdische Bevölkerung die Majorität bildete. Die Hilfsvereins-Schule war von Jerusalem aua gegründet worden, Dr. Jhchak Epstein, der Senior unter den Jeiusalemer Pädagogen, war damals ihr I iter, und die Lehrer und Lehrerinnen waren fast ausschliesslich Schüler de» Jerusalemer Lehrerseminars unter Leitung von David Yellin. Ich selbst bildete eine Art politische Konzession an den deutschen Ursprung der Gelder, mit denen die Schule unterhalten wurde: ich sollte deutschen Sprachunterricht erteilen. Man kann sich kaum etwas Polyglotteres denken, als diese Schule. Die Kinder sprachen zuhause Spaniolisch, die Schulsprache war Hebräisch, aber gewisse Fächer mussten auf Anordnung der Regierung in Türkisch erteilt werden _ und bei mir sollten die Kinder auch noch deutsch lernen. Als man mich in mein Amt einführte, zeigte man mir in einer der Klassen ein etwa zehnjähriges Mädchen mit hellbraunem Haar und strahlenden blauen Augen und sagte: „Das ist die Enkelin unseres Chacham Jacob Meir. Sie müssen ihm übrigens bald Ihre Aufwartung machen," . , . , „ , ,„ , , 4 . Ich hatte, durch Visiten bei einigen Vorstandsmitgliedern reisen Sem Nachfolger, John Stuart M a c p h e r s o n, ist m c?r SchuI<}( bepeitil einigo ErfanrunK hin8ichtHch des minutiösen Jerusalem eingetroffen. Macpherson kommt aus dem Dienst ...... in Nigeria. Zum Zollabkommen mit Syrien Der ökonomische Berater der Palästina-Regierung G. Waish ist von Beyruth zurückgekehrt, wo Verhandlungen über ein neues palästinensisch-syrisches Zollabkommen geführt wurden. Ein Bericht über den Verlauf der Verhandlungen liegt noch nicht vor. Der Sefardihche Oberrabbiner Der Oberrabbiner der sefardisehon Gemeinde iu Jerusalem, Rabbi Jacob Meir, i*t in Jerusalem im Alter von 83 Jahren an einem Herzschlag gestorben. Rabbi Usiel von Tel-Aviv tritt an die Stelle des Verstorbenen als einer der zwei Präsidenten des Oberrabbinats. Als neuer sefardischer Rabbiner für Tel Aviv ist Dr. David P r a t o in Aussicht genommen, der bis zu dem antisemitischen Kurs in Italien Oberrabbiner von Korn war (früher Alexandrien). Überführung de* Krankenhauses „HadaMtah" Am 30. Mai fand die Oberführung; des Hudassah-Kranken hauses in das neue Gebäude auf dem Skopus statt, über das wir in Nr. 9 d.r „J.W.R." ausführlich belichtet haben. Die Depositen In den Raaken Wie das Statistische Büro mitteilt, sind die Depositen auf den palästinensischen Banken seit der September- Krise ständig gestiegen und betrugen Ende Marz LP. 19,265,000, eine Steigerung von LP. 3,353,000, während des letzten Halbjahres. Die Geldzirkulation stieg während der Monate Verschiedene« k c i t s t a g fransjordtniens m Pomp in Amman gefeiert, wobei Legion stattfand. Die i U&v unaonuiigi .. tu Je am 25.5 mit gro&j ->ine Militärparade der arabischen kürzlich erfolgte Erweiterung der Souveränität Transjordaniens wurde dabei freudig hervorgehoben. In Jerusalem begann eine wissenschaftliche Tagung der jUdischen Ärzteorganisation. In Jerusalem starb dieser Tage Frau Sara Menuchin. die Grossmutter von Yehudi Menuchin. dem berühmten Geiger. Vom 5. Juni wird ein Flugpostdienst für die Sommermonate von Palästina nach Cypern eingerichtet. Zeremoniells, das sich bei Besuchen In vornehmen spaniolischen Häusern abspielt. Es ging mit jener echten „grandezza" zu, die die Sepharden als ein unverlierbares Erbe aus ihrer spanischen Heimat mitgebracht haben, und die noch aus ihrem ärmsten Bettler einen Granden in Lumpen macht. Der „Chacham" aber war die oberste Spitze, der sozialen Pyramide de* jüdischen Saloniki. Er war nicht nur der geistige Führer, er war auch einer der höchsten Regierungsbeamten der Stadt, im gleichen Rang mit dem Mufti und dem griechischen Patriarchen, und vor allem, er war ein — „Jeruschalmr'. Die saloniker Sefardim huldigten jenem Instinkt: n Zionismus der allem, was aus Zion kommt, bedingungslose Verehrung zollt. Ich hatte ihn auch schon gesehen, wie er zu irgendeiner offiziellen Gelegenheit durch die Strassen fuhr, in einer Karosse mit schönen Pferden, den „Kawassen" in bunter türkischer Tracht und m : riesigem Krummsäbel neben dem Kutscher auf dem Bock. Er war eine überaus aristokratische Erscheinung in seinem feierlichen Ornat, das 'eingeschnittene Gi sieht umrahmt von dem langen Bart, der damals, obwohl der Chacham noch nicht ganz sechzig Jahre alt war. bereits silberweiß glänzte. Die Verehrung der »aloniker Juden für ihn war grenzenlos, wo er sich blicken liess, eilte man herbei — und das beiläufige Wort von ihm war unverbrüchliches Gesetz. Er saas in einem orientalisch eingerichteten Zimmer auf niedrigem Divan und nach meiner tiefen Verbeugung lud er mich mit einer Handbewegung ein, ihm gegenüber Platz zu nehmen. Er sprich mich Hebräisch an, auf mein verlegene» Gestammel fuhr eiin Französisch fort. Er habe von mir schon . duich seine Enkelin Malkah gehört. Er fragte mich, wie ich auf den Gedanken gekommen sei. nach Saloniki ju^ gtfhen lern gemeidet hatte, dort aber zur Zeit keine Lehrerstelle frei sei. „Oh, seien Sie sicher: Sic *r erde« eine* Tages nach Jerusalem kommen'* su^te rr lebhaft. Es war eine Prophezeiung, die nicht nur für muh gare. sondern auch für ihn selbst und für fast alle, die damals dem Kreise um die Hilfsvereins-Schule angehßrien. Wenige Tage vor seinem Tode hab« ich ihn zum letzten Mal gesehen; «1« Oberrabbiner der Sefardim In »reis Ur4*l **** et mit seinem Kollegen Raw Herzog auf der Estrade in der Jeschurun -Svnagoge. als dort die Prote*tyersaminlung g«en da» „Weissbuch' stattfand. Eine maiestätische fcracheinung. . ein „Gaon", ein wahrer ..Fürst in Israel". C. Z, Kioef.-«.