Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 1 (1939)
- Issue
- 12 (2.6.1939)
- Date
- 1939-06-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seit« 4 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU Nr, 12, 2. VI. 193» itu* DvntiwMand Ein neues deutsches Forschungsinstitut Da* I-• N.H. her ich! H: In Eisentich wurde auf der Wartburg das van 'lfr Klrchcüführerkonferenz der l">outhon Evangelischen Kirch« am 4. April beschlossene- Imdilut zur Krfnrv hnnff und I,h•nritUinn'i dt h judUrhen Einfluntr* auf dn* deutsche kirchliche Leben eröffnet Nnrh Begrüssungsworten des thüringischen Lnndcsbiaehofs Sasse und des j Präsidenten der Deutnehen Evangelischen Kirchenkanzlct, T)r. Werner, und nach einer Eröffnungsansprache des Leiter« de $ Instituts, .Siegfried L o s s 1 r r, hielt der wissenschaftliche Leiter des neuen Instituts. Professor Dr. Walter Grmulmnnn (Jenru einen Vortrag über da.s Thema: „Die Entjudung des kirchlichen Lebens als Aufgnbo deutscher Theologie und Kirche". Die Ei-öffnungs- : tagung, zu der auch Vertreter der deutschen Wissenschaft erschienen wnren, wurde von Einzelsitzungen des Finanz- und wissenschaftlichen Beim tu ergänzt. Man dfirf wohl die Ergebnisse dieser Forschung mit Spannung abwarten, besonders was vom Christentum übrig bleibt, wenn man erst mit der „Entjudung" Ern.'it macht. Von der Rechtssprechung . Ein Krimmcri-cii, -htsbeschluss \om 10. 3. 1030 hat ausgoß «proehen, das« mit Rücksicht auf die den Juden auferlegten Beschränkungen im Rechts- und Wirtschaftsverkehr die Entlassung eines jüdischen Testamentsvollstrecker« nu;( dem Amt auf Antrag der Erben auch dann gerechtfertigt cr- ,„ icheint, wenn die Erben Vier t e 1 j u d e n sind. In den Gründon wird darauf hingewiesen, dass mit dem Aufgehen der Vierteljudeu in die deutsehe Rasse — im Gegensatz zu den Hnlbjuden - gerechnet wird und deswegen einem Vierj teljudcn die Verwaltung ihres Erbe« durch einen Vonjuden! nicht mehr zugemutet werden könne, zumal im Hinblick I such auf die erhebliehen Beschränkungen, die /uden Im Rechts- und Wirtschaftsverkehr auferlegt sind, eine Gefährdung des Nachlasses zu befürchten »ei. Eine andere wichtige Entscheidung des Kammergcricht« vom betrifft die Verordnung '»her den Einsät;; des jüdischen Vermögens vom 3. Dez. 1938. nach welcher ein Erwerb von Grundstücken und von Rechton Grundstücken durch .luden verboten Ist. Die Entscheidung besagt, dass für einen Juden, wenn er ein ihm gehöriges Grundstück veräussert, eine RestkaufgcldHypothek nicht eingetragen werden kann. Die Auffassung, da: es sich Hierbei um eine wirtschaftlich« Einheit handelt und die Restkaufgeldhypothek wirtschaftlich nur als ein Überbleibsel des bisherigen Eigentums des Juden bei diesem zurückbleibe, drang nicht durch. „Unerwünschte Ghetto-Bildung" Zu dem Gesetz über Mietverhältnisse mit Juden, über das wir bereits mehrfach berichtet haben, sind Durchführungsbestimmungen des Reichsinnenministeriums erschienen, worin u.a. gesagt wird, dass Juden In bestimmten Häusern zusammen* gefasst werden »ollen und zwar vorzugsweise in solchen Häusern, die bereits heute überwiegend von Juden bewohnt werden. „Die Bestimmung dieser Häuser" — so heisst es weiter —• „darf jedoch nicht zu einer unerwünschte« G h e 11 o b i I d u n g führen." Der Erhiss sagt weiter grundsätzlich, dass Eingriffe nicht erforderlich sind, wenn die Juden freiwillig als Mieter oder Untermieter in selbstgewählte jüdische Wohnungen ziehen wollen. Soweit es die örtlichen Verhältnisse erforderlich erseheinen lassen, kann der den Juden zur Verfügung zu stellende Raum entsprechend eingeengt werden, vor allem durch Unterbringung mehrerer jüdischer Familien in bisher von Juden bewohnten grösseren Wohnungen. Hierbei ist von allen durch das Gesetz gegebenen Möglichkeiten Gebrauch zu machen, um eine mögliehst vollständige Trennung nichtjüdischer und jüdischer Hausbewohner zu erreichen. Bei Juden fremder Staatsanpchöripkeit darf die (zur Zwangsübersiedlung erforderliche) Bescheinigung über die anderweitige Unterbringung nur mit Zustimmung des Reiehsarbeitsministers ausgestellt werden, gleiches gilt für die Unterbringung von Juden in Räumen von Juden fremder Staatsangehörigkeit. Was mit der Bemerkung „unerwünschte Ghettobildung" gemeint Ist. ist freilich nicht ohne weiteres zu verstehen, MAGDERlKtt EVAKUIERT Jl DEN Der Berner „Bund'' meldet: Die Stadtverwaltung Magdeburg hat das frühere Hotel „Amsterdam" zur Aufnahme }Udischer Familien und Einzelpersonen übernommen, die aus den anderen Wohnungen der Stadt entfernt werden mussten. Zunächst sind 2t» Zimmer mit Juden, 1—-2 Personen pro Zimmer, belegt. In absehbarer Zeit müssen, so wird erklärt, weiter« jüdische Familien aus ihren bisherigen Wohnungen In der Stadt entfernt werden. Das Hotel „Amsterdam" wird daher um einige Räume erweitert, um die Juden, die in Zukunft aus der Stadt ausquartiert werden, unterzubringen. DIE ANTISEMITISCHE CAMPAGNE IN ELSASS-LOTIIRINCEN Von unterem PmrUcr K.-Berit hter statter. Die Veröffentlichung drr letzten französischen Verordnungen Regen die Aufreizung zum Rassenhaß» hüben eine gewisse Säuberung -der Atmonpürc in Frankreich zur Folge gehabt. Einige der wüstesten antisemitischen Hetzschriften geg*n die Juden, darunter die beiden schändlichen Bücher von Coline, sind auf Anordnung der Polizei n u s dem Vc r k c h r % v % n g e n worden. Die neuen Gesetze geben jetzt den jüdischen Gemeinschaften, und wenn sie nicht direkt d.h. als Organisation angegriffen find, gegen die Angreifer und Verleumder nuf legalem Wege vorzugehen. Die Schutzgesetze haben zweifellos in den Reihen der Antisemiten in Frankreich einige Verwirrung hervorgerufen und sie bemühen sich jetzt, ihre Taktik zu ändern. Die cincinheitliche Linie, die in dieser Hinsicht von den Blättern mehr und mehr verfolgt wird, deutet darauf hin, da.s-« ihre Herausgeber einem einheitlichen ,mot 'Vordre" folgen, dessen Ausgangspunkt wohl nicht lange gesucht werden muss. Es ist gerade zu überraschend, In welcher unverblümten Art sich französische antisemitische Hetzprcssc dabei deutsche Sehlagworte zu eigen gemacht hat und dasa sie dabei vor keiner Opferung der französischen machtpolitischen Interessen zurückschreckt. Am deutlichsten wird < «ose neue Linie, auf der sich die antisemitische Propaganda in Frankreich bewegt, In der Halfung der „autonornlstischen" .Presse im Elsas». Wenn die direkten Insulte auf die Juden jetzt etwas abgeschwächt sind, so werden die Attacken jetzt etwa folgendermassen eingeordnet. ,,Frankreich kann mit Deutschland friedlich zusammenleben, da Deutschland seine Expan- , tion nur nach dem europäischen Osten richtet. Ein Krieg , wischen Deutschland und Frankreich liegt nur im Interesse der Engländer und der Juden, die damit ihre Ziele verfolgen. Die schlimmsten Kriegshetzer sind die Juden." Es ist begreiflich, dass solche Hetze, so unsinnig sie Ist, bei der Bevölkerung eines Grenzgebietes, das irn Falle eines bewaffneten Konfliktes besonders gefährdet ist, Widerhall finden kann. Trotzdem die offene Verbreitung von antisemitischen Trakten jetzt durch die französische Polizei energisch unterdrückt wird, zirkulieren nach wie vor unter der Hand antisemitische Flugschriften, deren Herkunft aus der deutschen antisemitischen Propagnndnzentrale unverkennbar ist. Die Organisation der autonnmifttisch-antiscmiUschon Bewegung hat durch die Auflösung der aktivsten Bünde ...Jungmannschaft (Vorsitzender: Advokat Herrmann Birkk-r)", „Bund Erwin von Bteinbach (Vorsitzender Dr. Fritz Spiessen" und ..Elsässischer Volksbildungsverein 'Dr. Roos)" einen harten Schlag erlitten und die deutsche Propaganda, die auf diesem Wege wirksam wurde, ist erheblich gehemmt worden. Nichtsdestoweniger sind bereits Kräfte am Werke, die eine Neugruppierung der autonornlstischen Bewegung im Rahmen der „Hcimatsfront" (der bekanntlich von Henlein im Sudetenland angewandt» Name.- - R.d.R.) zum Ziele haben. In französischen politischen Kreisen wird vielfach die Ansicht vertreten, dass dl« Aktion der französischen Regierung gegen; den von Deutschland geförderten und teilweise finanzierten Autonomismus In den Ostprovinzen energisch weitergeführt werden muss. Der Generalsekretär dos französischen Staatsradios Jean Morel hat die Einstellung der direkten Propaganda Deutschlands iir» Ekoss-Lnthringen gefordert. Nicht weniger als 22 Tageszeitungen und 98 Wochen- und Monatszeitschriften in deutet" Sprache werden regelmässig aus Deutschland nach den französischen Ostprovinzen importiert. Die französische Regierung wird daher wahrscheinlich genötigt sein, Zufluss von Idmitteln und Propngandt vnateria! aus d.:m Reich zu verhindern. Mit einem Juden telephoniert Eine Ansstettung In der anthropologischen Abteilung des Naturhisk rischen Museums in Wi e n wurde eine Sonderschau „Das körperliche und acelmhe Enckei*uM(t«bild der Juden« zusammengestellt. Wie der Leiter der Abteilung Direktor Dr. Walze erklärte, •oll diese Sonderschau auf wissenschaftlicher Grundlage vereinigte Gegenstände zeigen, die den Beweis liefern, dass sich das Judentum von altersher sowohl in körperlicher als auch in geistig seelischer Hinsicht von der deutschen Bevölkerung •tark unterscheidet. Keine jüdischen Reisevermittler 2u»tt c;t m;U über die Auaübung 'der Reise vermiiuuii.g teilt ' "las .Rcichswirtschafismini&teriutn mit: „Im Zuge der Ausschaltung der Juden aus der deutschen Wirtschaft ivar es erforderlich, auch das Reisevermittlerßewerbe zu bereinigen. Die Ausschaltung der Juden aus diesem Gewerbe ist denknlb besonder* dringlich geworden, weil der Reiseverkehr für die Erhalt im:-; und Förderung deutschen Volkstums von hervorragender Bedeutung ist und es als unerträglich .zu bezeichnen ist, wenn Juden weiterhin als selbständige Gewerbetreibende im Reiseverkehr tätig sein können. Der Rekhswirtichaftsnüuister kann Ausnahmen zulassen, solche- Ausnahmegenehmigungen können gegebenenfalls im Interesse der Förderung der jüdischen Auswanderung in Betracht kommen." Unter der Überschrift „Denkzettel für Judenfreund" veröffentlicht die Berliner „Nachtausgabc" einen Bericht über eine Gerichtsverhandlung, den es zu zitieren lohnt. Es heisst darin: „Der Angeklagte gehört zu den Elementen, die den Kampf gegen den zersetzenden Einfluss des Judentums für ihre Person nicht mitmachen wollen. Er ist in Trebbin dafür bekannt, dass er mit Juden verkehrt und Freundschaft mit ihnen hii.it . . . Der Vorfall, der zur Anklageerhebung geführt hat, ereignete sich am Tage der Ermordung des Gesandtschaftsrats Ernst vom Rath, der in Paris den Kugeln des jüdischen Meuchelmörders Griinsp an zum Opfer gefallen ist. Die Empörung der Bevölkerung machte sich an jenem 10. November v. J. aller Orten in den bekannten spontanen Kundgebungen gegen das Judentum (!!!- Red „JVVR") geltend. An diesem Abend nun sass der "Angeklagte inleincr Gastwirtschaft in Trebbin und wurde dort von einem Juden an den Fernsprecher gerufen. Es mag sein, dass der Angeklagte an diesem Anruf unschuldig gewesen Ist, wie er behauptet, und dass es sich um ein Gespräch, handelte, das mit seiner geschäftlicjhen Tätigkeit zusammenhing, —Tatsache ist, dass er jenen stadtbekannten Juden an dem freistehenden <irr;,jQrägi:iit! der „B:N.A=" gesperrt) Fernsprecher des Lokals mit selbem Namen anredete, woraus die zahlreichen Gäste entnehmen mussten, dass er sich ausgerechnet an einem solchen Tage mit einem Juden freundschaftlich unterhielt. Dass sich die Empörung nunmehr gegen ihn richtete, kann niemanden wundern — nur der Angeklagte selbst hat es bisher nicht begriffen. Die Tatsache seines Tciephonierens mit einem Juden wurde dem Bürgermeister mitgeteilt, zugleich mit der Warnung, das« es dein Angeklagten sohlecht gehen könne, wenn die Bevölkerung noch weiter durch ihn gereizt werde. Der Bürgermeister als Chef der örtlichen Polizei tat das einzig Richtige, als er zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung den Angeklagten zur sofortigen Vernehmung vorlud und ihn durch zwei Polizeibeamte suchen Hess. W. wurde auch In einer Gastwirtschaft gefunden, Der Angeklagte weigerte sich jedoch, der Vorladung Folge zu leisten und •erlangte einen schriftlichen Vorführungsbefehl. Die Beamten rgriffen nun den Angeklagten, um ihn mit Gewalt fortzuführen. Dieser setzte sieh jedoch besonders fest In seinen Stuhl und hielt sieh am Tisch fest und leistete dadurch, da«* er sich mit Absicht schwer machte, Widerstand. Nachdem er gewaltsam hochgehoben war, setzte er seinem weiteren Abtransport keine Schwierigkeiten mehr entgegen... Das Schöffengericht verurteilte ihn wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und übler Nachrede zu 250 RM Geldstrafe, im Nichtbetreibungsfall* iu 50 Tagen Gefängnis." Man weiss nicht, worüber man mehr staunen soll, ob über den Stil dieses Berichtes oder über seinen Inhalt. Betar-Bhsen beschlagnahmt Der „Deutsche Reichsanzeiger und Preussisehe Staatsanzeiger" Nr. 105 vom 9. Mai 1939 veröffentlicht eine Bekanntmachung der Geheimen Staatspolizei. Berlin, auf Grund deren Geldbeträge und verschiedene Gegenstande, die sich bisher im Besitze Jüdischer Organisationen befanden, zugunsten des Preussischen Staates eingesogen werden Die Verfügung stützt sich hierbei auf das Gesetz über die Einziehung kommunistischen Vermögens vom 26 Mai 1933 in Verbindung mit dem Gesetz über die Einziehung volks- und staatsfeindlichen Vermögens vom 14. Juli 1933. Unter den eingezogenen Gegenständen befinden »ich u.a. die auf dem Fischkutter „Sebulon" der Sportgruppe „Betar jamith" tSee-Be.Ur> in der SUatszkmistiseheu Organisation 1 bcschlngnÄhntttr: Ausriistunssgegenstände, fer*»«»1 40 Stammel-) büehs.m. ausserdem die den Organisationen „Jüdisch-nationale Jugend Herz-ha" und „Krüh Kaehorlm* besc! ten Uniformstücke tS6 Blusen und 36 Mützen) und zwei Fah nen mit Stangen. Beschlagnahmt wurden ferner die Gut haben auf den Postscheckkonten der Vorsitzenden dei Stmitsaionistii Dr. Heinrich Kuhn und Siegfried Jacobsohn, ferner auch der Kvlbs aus den bei der Durchsicht der Akten der Loge Graz de* aufgelösten „Unabhängigen Ordens Bne Brith" vorgefundenen lf»6 öster. Schilling in Höhe von 104 RM. Es ist eine besondere Pikanter!», dass Uniformen der Revisionisten auf Grund des „Gesetzes über die Einziehung kommunistischen Vermögens" beschlagnahmt werden. des Hilfsvereins Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland teilt mit: Im Interesse der einheitlichen Zusammenfassung aller Arbeiten auf dem Gebiet der Förderung der Auswanderung Ist der Hilf «verein der Juden in Deutschland e.V. in die Wanderung»» abteilung der Peichsvertretung der Juden in Deutschland eingegliedert worden. Die Eingliederung ist erfolgt unter Über» nähme der Mitarbeiter des Hilfsvereins und seiner Beratung»» stellen, denen wie bisher die Beratung der jüdischen Auswanderer obliegt,. Die Arbeit wird geleistet von Paul Israel Eppstein, Cora Sara Berliner, Hille! Chassel. Victor Israel Löiemxtcin und Julius Israel SeUijsohn. Der „Hilfsverctn", 1901 gegründet von James Simon und Paul Nathan, bis 1938 unter dem Vorsitz von Max Warburg teilend, hat sich von einem Fiirsorgevcrein für jüdische Durchwanderer zu der zentralen judischen Wanderungsorganisation für die Auswanderung in aüe Länder ausserhalb Palästina« entwickelt. ^__ AUS EINWANDERUNGSLÄNDERN •'Au.'' den verschiedenen Einwanderungsländern liegen foN gende Berichte vor: Die Untersuchungskommission in Nord- Rhodesien setzt ihre Arbeiten fort. Einheimische Experten haben, wie gemeldet wird, verschiedene Vorschlägiii gemacht bezüglich landwirtschaftlicher Entwicklung und dei^ Entwicklung gewisser Industrien (besonders Glas- und Textilindustrie) und betont, dass die Bevölkerung Flüchtlinge, die diese Industrien entwickeln würden, willkommen heissen würde. Wie aus Paramaribo (Surinam-hol!. Guayana) berichtet wird, traf die von der -Internationa! Jewish Colocusation Society in Den Haag ausgesandte Htudienkommisxion, bestehend aus Prof Dr. N. H, Sweüengrebel, Agronom 8. Dyk und G. J. Vink, dort ein und wurde von einer Delegation dca dortigen Flüchtlingskomitees begrüsst. Unmittelbar nach ihrer Ankunft wurde die Kommission vom Gouverneur empfangen. Von der mexikanischen Regierung hat der Flächt» lings^ommissar Sir Herbert Emerson ein Angebot auf Absiedlung von 2000 Flüchtlingen erhalten, denen die Regierung Boden einschl. Inventar zu billigem Preis zur Verfügung stellen will. Die Regierung von Ecuador hat dem Flüchtlingskommissar ein Projekt vorgelegt, wonach auf Regierungsboden 200 verheiratete und 300 ledige Flüchtlinge In der Landwirtschaft untergebracht werden könnten, was eine halbe Million Dollar kosten soll. Die Regierung von Chile hat für ein ganzes Jahr jed» Einwanderung verboten. In Uruguay wird ein Gesetzentwurf vorbereitet, das nur noch Ausländer ins Land hereinlassen soll, die mindestens 10 000 Pesos besitzen. In Bolivien wurde (unmittelbar vor dem jüngsten Umsturz) auf die Dauer von 6 Monaten jede Einwanderung von Juden verboten. Dagegen hat Brasilien die Einwanderungaquote für Deutschland und Österreich erhöht, worauf eine gross« Anzahl von Gesuchen um Bewilligung von Verwandteneinwanderung eingereicht wurde. Auch in Cuba ist die Einwanderung von Juden verboten worden. Es ist nicht klar, ob es sich auch um diejenigen Einwanderer handelt, die nur vorübergehend ins Land kommen, um dort auf ihr Visum nach USA zu warten. Gerad« dieser Tage wurde gemeldet, dass 700 Flüchtlinge aus Deutschland in Cuba angekommen sind und über die Frag« ihrer Landungserlaubnis verhandelt wird. Paraguay hat die Entsendung von Experten beantragt» da es die Ansiedlung von 5000 Familien zulassen will,, von denen jede löüO Dollar besitzen muss. Kl«i»« Nackricktom Prinzregent Paul von Jugoslavien empfing kürzlich den Überrabbiner Dr. Aikaiay und unterhielt sich mit ihn» „4_ i über die Probleme der jugoslavischen Juden. In Jugoslavien leben gegenwärtig 624 jüdische Familien fremder Staatsangehörigkeit mit 218'i Seelen, dazu kommen noch 450 Flüchtlinge. Baron Louis Rothschild, der seit März 1938 von der . ,, ... , Gestapo in Wien gefangen gehalten wurde, ist jetzt freig«- ™?lTe?™™n ""i*™ ,f^'nSPlie" j worden und in Paris eingetroffen. Die Zeitungen b«- merken, das* er sehr „erholungsbedürftig'* sei, was man ohne weiteres glauben kumi. Die Nachricht, es sei ein Lösegeld bezahlt worden, wird dementiert. In Paria starb kürzlieh der Begründer de* „Pariser Tageblatts. Wladimir Poljnkmc, der diese Zeitung bis 193« besasa und dann int Zusammenhang mit dem bekannten Skandal aus dem Verlag ausschied.