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Jüdische Weltrundschau · 1939-05-05 · 8 (5.5.1939) · p. Seite 9

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
1 (1939)
Issue
8 (5.5.1939)
Date
1939-05-05
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 8, 5. V. 1930 jüdische welt runoschaü PfU« i UNSERE INNERE ORGANISATION \on Erich Kramer (Tel Aviv) «vier okt Bei der Füll« «kr r*>rgcn und Gefahren, die uns von •ttaaen her bedrängen scheint es unseitgemaas. von inneren «o»u*agen kcnstitutionellen Problemen der palästinensischen Judenheit — dr<« „JiBchuW, um dns unüber«*«baro Wort zu übernehmen - zu sprechen,. Sieht nmn jedoch genauer zu, so wird n-vw bemerken, dn:;<? das „konstitutionelle" Problem de« Jisrhu*, — wir werden spater genauer sagen, wns wir darunter verstehen. — auch dann einen überraschend geringen Raum in unseren Auseinar.demctzunin b*-i:iapruchte, als noch keine dringenden Sorgen »ein« Zurückstellung hätten ratsam machen küunen. Der JLschuw galt und betrachtete •ich nelbftt ald der Vortrupp der zionistischen Weltbewegung. •In die Pionierfrruppe der Nation im Aufbruch, nicht als selbständige und autonome fJemehwhaft. Die tlnntsrtlsche Bewegung ain Ganzes hatte eich in Kongress und Exekutive •Inen politischen Statu« gegeben. Dass der Jischuw trota •einer Zusammengehörigkeit mit der lionistischen Bewegung steh zu einer in »ich geschkwsenen Gemeinschaft mit eigenen lokalen Problemen und Sorgen entwickeln ■musste, wurde wohl kaum übersehen, aber ea galt als selbstverständlich, dam die souveränen politischen Körperschaften des Welt* Zionismus nicht nur die Legitimation, sondern auch die Autorität besessen, diene Probleme mitauregein. Soweit es •ich um gpevffiach örtliche fragen handelte, hatte zudem die Mandatsverfr.stung dem Jischuw ein gewisses Maas von Selbstverwaltung gegeben, das die kommunalen Körperschaften und, soweit er. -»Ich um den kulturellen Lebensrcich handelt, der „Waad Leumi" ausüben,, Die staatliche Souveränität über das Gebiet Palästina schliesslich lug in den HU n den der von der -MLintJatsmacht gestellten Beamtenrcgicrung, die allerdings aua bürokratischer Schulung und politischen Hemmungen heraus grundsätzlich flu«* «las „gouvernementale Minimum" leistete. Daaa eine entwickelte moderne Gemeinschaft einen Zustand auf die Dauer nicht ertragen kann, in (lfm die Regelung ihrer Angelegenheiten ruf der einen Seite einer Ihr fremden EeamUnverwaitung mit ausgedehnten Kompetenzen, aber ohne Regiurungswillen und Initiative, auf der anderer. Seite einer selbstgewählten Körperschaft ohne Regierung»- j befugni&se übertragen ist. wäre wahrscheinlich früher klar; geworden, hatten sich nicht aus der Not der Situation heraus j Abwehrkrafte gebildet, die ihre Anomalität etwa« ver-' achleierten. Die konstitutionelle Anomalie brachte es zwar mit sich, das» wichtige Bereiche des öffentlichen Lebens, ohne deren Regelung durch eine zentrale Autorität keine moderne Gesellschaft gedeihen kann, von jeder administrativen Betreuung so gut wia unberührt blieben, weil die Regierung sie nicht übernehmen wollte und die jüdischen Institutionen •ie nicht übernehmen konnten. Soziale Fürsorge, Verteidigung, weite Gebiete des Wirtschaftslebens, wichtige Zweige #*r Hygiene blieben ao ohne einheitliche Regelung und Überwachung. Aber in ao gut wie allen diesen Palten bildettn sich ad hoc Körperschaften, die man pseudoaouveran Kennen könnte, und die wenigstens für ihr Gebiet und für den Kreis ihrer freiwilligen Gefolgschaft die Funktionen übernähmen, die eigentlich einer zentralen Autorität oblagen. Die Verteidigung, z. B. wurde vom Kofer Hajitchuw organisiert, Krankenkassen gründet die Histadruth, öffentliche Arbeiten nahmen die Gewerkschaften In eigene Regie, soziale Fürsorge wurde von einer grossen Anzahl gesonderter Körperschaften Übernommen, Siedlung durch die nationalen Fonds betreut usw. usw. Anstelle der zentralen Direktive, wie sie die rroderne Gemeinschaft für eine immer wachsende Zahl von Lebensbereichen gebieterisch verlangt, trat aiso trotz des Fehlens einer zugleich kompetenten und regierungsbereiten Autorität kein völliges Vakuum, — was wahrscheinlich bald?u einer ernsten Krise, wenn nicht Auflösung des gesellschaftlichen Zusammenhalts geführt hatte, — sondern das Gegenteil: eine überzahl von Selbttvertealtunfjskörper- TEL-AVIV Caie, Konditorei Raphael TEL-AVIV / RAMBAM ST, 15 im Hause der HOC. DER GUTE KAFFEE — DER GUTE KUCHEN ZEITGEMASSE PREISE ••••Mitling, Ankauf, Verkauf von Brillanten, Uhren, Gold und Silber LOMBARDHAUS 5 711 M*4*l»** ••«I«««« 57» ■ "^:! »»«','\ »chaftrn mit selbstverHchenen Befugnis«« tind selbslcrgrlffener Autorität, — die genau soweit rotehte wie die freiwillige DU-ijdir. ihrer Anhänger. So entstand das Bild unseres öffentlichen Lebens wie es tatsächlich ist; Anarchie, gemildert du*ch Disziplin. Dass in dieser auf Einsieht und Einordnung beruhenden Disziplin ein hoher ethischer Werf liegt, darf nicht übersehen werden, und man Ist in der Tat manchmal versucht tu behaupten, dass er keine geringe Entschädigung für alle dte evidenten praktischen Vorteile einer staatlichen Autorität mit Zwsngsbefugniseen bilde. Es gibt kein besseret Argument für die politische Reife des jüdischen Velken ata der Hinweis darauf, was In Palästina durch freiwillige«, unerzwungener Opfer geleistet worden ist. L>ie Kolonisation des Emek mit Ihren ungeheuren Opfern an Blut, Kraft und Mitteln Ist bewundernswerter als die viel bestaunte Trockenlegung der pontinIschen Sümpfe, hinter der die riesigen technischen und finanziellen Mittel des totalen Staates standen. Aua der Einmaligkeit unseres Schickaals hat sich •in neuer Menschentypu* gebildet: der Siedler und Arbeiter, mit dem Boden und Werk verwachsen und doch nicht dumpf, sondern hell bewusst, an der Arbeit am Tag und auf der Wacht bei Nacht, friedliche Soldaten im Dienst einer Idee. Aber freiwillige Disziplin, auch die edelste, hat verhlUtnismiissig enge Grenzen. Neben der Armee der freiwilligen Soldaten gibt es das Heer derjenigen, die sich Jedem Opfer entziehen. So wird das System der Freiwilligkeit g*rad«su zu einer Prämie für die schlechtesten Elemente der Nation, und ea züchtet den Parasiten des öffentlichen Lebens, der mit Selbstverständlichkeit die Früchte miterntet, deren Aussaat er anderen überlassen hat. Aber mehr noch: die Übernahme von öffentlichen Funktionen durch behelfsmäßig« Körperschaften führt zu dem schwersten übel unseres Öffentlichen Lebens, der Parteihierunft. Da jede dieser Körperschaften nur begrenzte Autorität hat und es jeder Gruppe freisteht, von den soausaKen herrenlosen öffentlichen Aufgaben zu übernehmen, was sie I immer vermag, so gibt es Parteiwettstreit in Jeglichem und jedem Gebiet öffentlicher Betätigung. Jugendbewegung und Schul;n sind geteilt nach den ideologischen Gruppen, die sie beherrschen,» soziale Fürsorge ist gespalten in konkurrierende linke und rechte Institutionen, die Krankenkasse Ist beschrankt auf Gewerkschaftsmitglieder, was nnturgemiss den Versuch zu GegengrÄnflungen hervorrief, nicht einmal der Kofer Hajischuw, die VerteldigungaorganuMiiioi) gegen den arabischen Angriff, konnte Autorität über alle Schichten der Bevölkerung erlangen. Eingewurzelte Missbräuche haben die Tendenz, sich in wohlerworbene Rechte zu verwandein. Es wird, wenn wir einmal ein normales staatliches Leben führen sollten, sehr schwer sein, der öffentlichen Meinung klar zu machen, dasa die Einteilung von Schulen nach ParUldoktrir.en keine Selbstverständlichkeit ist, sondern ein« Absurdität und eine schwere Gefahr für die Einheit des Ganzen. Ks gibt schliesslich Gebiete, in denen das Kigentnteresse und der Selbstandigkeitadrang so gro*a und zugleich die Ordnungsprinsipier. so schwer zu finden sind, dass der Zwangselngrirf von oben ao gut Wie nla durch freiwilligen Ziusammenschluaa zu ersetzen ist. Wirtschaft und öffentliche Flnanxm gehören In erster Linie hierhin. Die palästinensische Wirtschaft leidet schwer unter dem Fehlen jeglicher Marktregelung, unter dem ungezügelten Wettbewerb, unter der ÜbersetSttlg des Handels und einiger Produktionszweige. Freiwttilger Zusammcnschluss von unter her ist fraglos auch hier von hohem Wert, und manche Teilschäden mögen auf diese Weise ausgeglichen worden sein. Aber die Gesamtwirtschaft eines Landes ist ein unteilbares Ganzes, deren Einselbezirke in ständiger höchst komplizierter Wechselwirkung miteinander stehen. Es gehört daher zu Ihrem Wesen, dass sie nur von einer zentralen Steile aus voll wirksam überwacht und gelenkt werden kann, selbst dann, wenn man bei allen ihren Ktaselglledern das Höchstmas« an Einsicht und Einordnung voraussetzen dürfte, was von der palästinensischen Wirtschaft und den palästinensischen Wirtschaftlern keineswegs behauptet werden kann. Im Gegenteil, die Härte des Konkurrenzkampfes und die nicht selten vorherrschenden unfairen Konkurrenzmethoden, die mit der Enge des I.f bcnsraumes und dem Fehlen eine« überkommenen Standards der Wirtachaftamoral erklärt Werden mögen, machen zentrale Leitung und Beaufsichtigung doppelt erwünscht. Für die öffentlichen Finanzen schliesslich gilt, das« kein System freiwilliger Spenden Smstande Ist, die Mittel aufzubringen, die zwr Aufrechterhält ung der öffentlichen Dienste in einer modernen Gemeinschaft notwendig »ind. Die Unterbesteuerung, die für unser Wirtschaftsleben charakteristisch l«u, W nur scheinbar ein fJluck; sie nimmt dem Ria. *»r immer an seiner Steife uteht. die Möglichkeit j fOHunu Ichm htiger Auignhen, che direkt oder Indin der Wirtschaft Zugute keimen. Bs ist klar, <\ \ u z. R systematisebo Besteuerung keine soziale Versorgung mif. rechtzuerhalten!•»(, deren Fehlen Jetzt <ih* dunkelste- Seit« unsere.* Gemeinschaftsleben* bildet Schwierigkeiten der Fl« nanxlerung hindern »He öffentliche Tr.ltiatlve nuf Schritt und Tritt, auch dort, wo Zuständisjkeitshfndernl"»e nicht ru erwarten waren, man dmke?. M an di« Vermchlasfigung des Luftschutzes. Die Schwieripkeit, direkte Steuern In einem beträchtlichen Umfang auf freiwilligem Wege zu erheben, führt zu einem ungesunden Übergewicht der Indirekten H«-»tcuening. bei der ein Ausweichen oder Weigern weit leichter verhindert werden kann. Wenn der „Kofer Hajischuw" In Immer steigendem Umfang zur Indirekten 1*«- steuerung auch unentbehrlicher Gebrauchsartikel übergeht, so gibt es hierfür keine Ökonomische Rechtfertigung al» die, das* sich die Aufbringung der unumgänglich benötigten Summen für die Verteidigung des Jiaohuwn durch fretwiWtKu dt* rekte Besteuerung offenbar ab« undurchführbar erwiesen hat Alle dltM* t*b«»rlogungeti sollen den Beweis liefern, dass ein „konstitutionelle* Problem" Im Jlschuw in der Tat besteht; es wäre nicht schwer, nie um ein Vielfaches zu vermehren. Ware der Ji:;ehuw ein in Raum und Zeit isolierte« Gebilde, so wiiru dl» Losung des Problems ohne tjelnvlerigkest zu geben; er bu reif nicht nur zur «elhi».rogUirung, soti« dem mehr: der Entwicklungsgrad, den er erreicht hat. bringt f-V »ft-n und Ve.-wlckhni^eu den sozial«» ZuAuntncnlriwnl mit sich, die ohne Selbitn -;i-•> .ux? nicht z.i bewältigen sind. Ab«'r in der Zeit und in d-'rn Kaum, in d-Mn wir in Wirklichkeit leaen, wird uns*r ß--f.ick»al fast, v.dlig Von Iwiktoren ausser uns bestimmt. Zweifellos sind die, Titt.-iric'ten, die wir zu heweisen verst»cht*?n, eminent p«uiiU*.'<,er Art. Ihre Gültigkeit reicht über unsere K«K«n**irtiKo Noi und Unfreiheit hinaus, welche Dauer diese auch immer hiben mögen. Als praktisch-politische Erkenntnisse sind *Jo Imstande, Kriftr tu erzeugen, wenn sie sich einmal ttn lürn und Herren der Nation eingenistet hüben, und dhv o ^Krufto miigen einmal, wenn »ie im rechten Augenblick und1 in der rechten Weiso genutzt werden, unser Schicksal nliitentscheiden. PALÄSTINENSISCHE WERTPAPIERKURSE VOM 2. MAI I. In Tel-Aviv notirrt: GENERAL M0RT0A01'. BANK >.b.' l'i •'-'S. »»••>»-ntur.-.* \>nif:,<\. V)l-i/<lt ... ... n% I»pt.*nt.irc» ... ,„ ...... ..... f.'» I'r«-f'>r S',',ar.-i .....,„ •'inlin. nhaf» ... ... ...... ... P.L.DC. Onl Sluin»......... .,, ,,, r.% Vt*t. ftl.sr«» ,„ ,„ ,ti h,, BIZUk 6% rirlionturr« T. Serl» ,„ ■ 0% DfijMiturcji IT. H«ri* ... »„ ,„ KKI. 'ii'ild-ar-r f)«h.ioiiir*# ... r,# „, 4*:^ DrU-nUir** ... ... ... .....# MIR :.-„ Fnhr.ne« 8i.»rr4 ......... k..... 4'i Drhrnturt« I. Hrrf« ........, .»';, /n.».«-ntur»* rr. H«ri« , ,„ iti VAh. POTASK 64%' I»r#.f*r«fleo' täl.ftre« „t TBL AVIV «i% Lahn ... ,„...... ,„ MVA LTD. n<-|jrntnres .......... FAHA i% Urfa^tarc« . ... ,,, ... RASHCO \',„ Ii«»,*n»iir«4' ,........... II. 1Tnnat!erte) Werft) KXXi 2s'„ HejTiü'jr Th-honmrm ... ,......., »AS800 :.% IM.vnUrt* ......., t„ MZKOBOTH 4% JM,triltiro* ..... „..... WORKERH BANK •!% i.Vriin^t«. .... ... NECITOflHTAN j i'n f. r.f(».«rr« ...... NtBHER Or-ÜMirv .Si,.%n* ............. /EWiaU COL. TRÜfJT Or.JInarr M.Ariss ...... Rsnf V» ikstit ... ».'Ii m ... 04| t..* U»>4 1014 ...t'-'J ... 107-4 JÖSJ t.4 f>H OA-J üU ö-l 03i ... «83 ... 751 vn m 87| ,., 72 i 73i ... 84 er, ... m . m 14/1» \'i ... \aiK i o;« ».i W| 70| ».« C!) 7a ... «7f 681 f.». ftäfc 70| e». 8H 60 tr ft7 «0 CS. so «8 rs. 49 4« C». 8<i/« ao/* ... a*h «ih' HAIFA AUF DEM CARMEL iutatithm i. Dum« «. lUtum ftiliscii SALON „CHARtOTT" Diuirvtliia ~ Hi*rlirb«a Viiurviilti — O»4al«l!oa Efllili.KiK* <J BlUAi.VUK UN'TKRSTt/TZU\(iSMARK 10 MARK 8^ ah. (125 MII-S) Die Haavara-Gnteratidzungs-Mark wird ab 2. Mal zum herabgesetzten Kur.se von 8« j;h md«; pro 10 Mark abgegeben. <£!', 1 - ,2Z.M Mark > Dje Auszahlungen erfolgen ungestört und gebührenfrei in ganz Deutschland (ausschliessL Tschechel, aber Incl. Sudetengehiet.) Das Verfahren ist schnell, billig und völlig legal, gefährdet aiso wicht den Empfänger in Deutschland. Auftrage werden durch jade Bank ausgeführt, in Zweifels/allen wende man sich an die HAAVAflA Ltd, Tel- Aviv. AH*nby R<1 M, bzw. an die Zweigstellen der „Intri» Bestes Fleisch nivs in T«l Aviv Zum Preise von: IS M1LS AI DIE 0NZE Zu haben bei; IS BV»gr«M4djlOW . SS Pl«üa>r Bs« ***** (KAJDEL) ST SrtmhBj Str. SSI j^iB^ff jrtg^^ m^kM Dr. Schwarz Dr. Edith Schwan Nordau -Strebt 5 Fachzahnirttin für Ortnodontie H A I F A umgezogen nach Telefon 17H2 (nan« oauour btreet) LfKA - CONTAX - OCCASlONfN ANKAUF - VftKAUf - TAUSCH Isj Photo-ArbeieoA« Spsnot«ei»eilwwt KV U«c rtlHKOÄH-tarwkklung. Wir kaufen. 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