Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 1 (1939)
- Issue
- 10 (19.5.1939)
- Date
- 1939-05-19
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2424658-2424659-2424668--125-2424848- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Äcitc n JÜDISCHE WELT-Rt'NDSCHAÜ Der „Goldene Fleck« A PrruHnr Treasme. By lvlnh Ferner. New York. Doubledny, Doran & Company, Inr. 1033. pp. .19?». Einer der grössten Vorzüge, die ein Buch haben kann, Is' sein Erscheinen im richtigen Augenblick. Von »1! Jon hervorragenden Eigenschaften, die Edna Ferber'* Autobiographie auszeichnen, ist vielleicht dir trefflichste, das« sie in einer Zeit nuf dem Plan eines gel-ligen Kampfe» erscheint, in der ihre Wirkun^mdgllchkcit größer und erwünschter Int, Als zu jeder andere;;. Nachdem 1 (underttausende von Juden In langen Jahn n den Elend« und der Erniedrig'wni? -mit Htolz den gelben Fleck getragen h«ben", und die nichtjüdische Welt da» an gewöhnt worden ist, In uns nicht.i zu Heben als mehr oder minder „edle Dulder*, war es höchste. Zeit, das« ein erfolggekröntes Glück.«kind unter uns nufstanJ und rief: „Aber es ist gar kein gelber Fleck: es tot ein goldener Fleck!" Oder, wie Edna Ferb« r e?; irn kämpferischen Titel Ihres tapferen und noblen Buche.« Im Anschluss an den Bibelvera Es. : r;if 1 t: J"*.i--t jiid:>che Volk ist Gottes „Sondcr- »chatz". „A peculinr TreuMure..." Einciii jüdischen Leserpublikum, selbst wenn es <)«s Englischen nicht miuhtiK ist, braucht m-ui Edna Ferber nicht trat bt«ondi ra vorzustellen, obwohl es interessant war« su erfuhren, wie viele von uns die „Showbont", „Cimmaron", „Amerikanische Schönheit" tfelessn und ..Dinner um Acht" auf der Bühne oder im Film genehm haben, wursten, dass die Verfasserin Jüdin ist - - hin ihnen In „Fanny" ihre eigene Jugcndr*'u hkhtc In die Hand« fiel. Er, genügt zusammenfassend zu «.uzen, dns.s Edna Ferher eine der crfoly.rcichsten und populärsten amerikanischen .S.-iuL'tstf Herinnen ist, deren Bücher nicht nur „bcst.-?;c!!er" sind, sondern tu den besten Schilderungen amerikanischen Lebens, amerikanischer Landschaft und amerikanischer Geschichte gehör?!!. Ihre Lebensgcachichtc, im Wesentlichen die Geschichte einer künstlerischen Le!den.s;;hnft, ist an sich schon faa/.inicrend. wie jeder Bericht, über ein volles und vielseitiges lieben, der mit ebensoviel Temperament wio Ehrlichkeit erstattet wird. Aber diese literarische Delikates*« hat ihren besonderen Geschmack. Edna Ferber, die wie alle wahren Juden, gutes iifkI würziges Eascn liebt, wird es nicht despektierlich finden, wenn man sagt, das« dieses Gericht nicht nur mit dem sanften koscheren Gänseschmalz Breslau'» gekocht ist, woher ihre Mutier stammt, sondern auch mit dem Paprika und jener Spur von Knoblauch, die die Küche Ungarns berühmt gc tnncht habcnt von wo die Familie Ihres Vaters kam. Es wird und. soll manchen auf der Zunge brennen: Jch möchte In diesem Buche darüber schreiben, wie e* ist, Jude zu sein. All mein Leben lang bin ich auasergewöhniieh stolz darauf gewesen, Jüdin tu sein. Das h?t unerklärlich, denn meine früheste Jugend verbrachte ich zum grossten Teil in einer antisemitischen Kleinstadt des Mittelwestens und unsere Familie war nicht religiös. Aber ich empfand, das« Jude tu sein mindestens in mancher Hinsicht eine Bevorzugung bedeutet. Es macht das Leben interessanter. Es macht auch harter; aber ich bin pervers genug, «sin hartes Leben zu Heben. Jude sein heisst, es im Vorwärtskommen schwieriger zu haben, und gerade das liebe ich. Der höchste Apfel am Bau in Ist der süsseste. Natürlich, möchte ich mich beeilen hinzuzufügen, kann man auch darin des Guten zu viel tun. Die Nazis c. B, haben die Sache übertrieben. Spass muss Spass bleiben!"? Es Ist dieser kriegerische Trompetenton, der aus jeder Zeile Edna Ferners klingt, die sie ihrem Lieblingsthema widmet, «Wie es ist, Jude zu sein": „Wenn diese Narren ernsthaft die Absteht hätten uns auszurotten, so brauchten sie uns nur In Ruhe zu hissen .,. .Wir würden bald von der Welt um uns aufgesogen weiden. Aber sobald wir wirklich drauf und twnn zu sein scheinen, in der „Masse Mensch" unterzugr-hen, kommt mit tödlicher Sicherheit irgend so ein Despot, um uns zum Gegenstand seines Hasses gu machen und seine oder seines Volkes krankhaften Triebe uti uns abzureagieren •■- Nun wohl, aufgerieben und dennoch von furchtbarer Beharrungskraft, sammeln wir uns lieute wiederum zu Schutz und Verteidigung. Und, paradox wie es scheinen mag1, Adolf Hitler. hat mehr dazu beigetragen, die Juden in allsr Welt zu einigen zu starken, zu festigen und zu vergeistigen als irgend ein Mensch sejt Moses." Edna Ferber selbst hatte offenbar nicht erst die neuesten Erfahrungen nötig, um ihr starkes jüdisches Selbstbewus&t- •ein zu finden. Als siet noch vor d«*m Kriege, ihre ersten „bcst-scllers" schrieb, fragte ein Reporter das junge Mädchen, welchem Umstände sie ihren grossen Erfolg in erster Linie zuschreibe. „Ich glaube, es kommt daher, dass ich jüdisch bin!" sagte sie harmlos, um von dem Reporter tu hören: „Aber um Gottes Willen, das kann ich doch nicht drucken!" Und als man sie fragte, wie sie, die nie den Missi- »ippi gesehen hat, In „Showboat" so plastisch d-as Leben einee gewaltigen Stromes beschreiben konnte, antwortete sie: „Vielleicht bin ich in einem früheren Leben einmal ein kleines Jüdisches Sklavenmädchen gewesen." Waren ei Gedankenassoziationen dieser Art. die_ als sie Ägypten besuchte, sie dieses Land heftig ablehnen Hessen? „Ich kann nur auf die Gefahr hin, ausgepfiffen zu werden, sagen, dass ich ex wahrscheinlich in Ägypten vor ein paar tarnend Jahren verdammt »chiechi gehabt habe.." „Aber Palästina — ja, das ist etuas ganz anderes! Dort »*h ich ivundcrvGllä üuu rührendeutnge, menschliche und schöpferische Dinge, Dinge, die in die Sonne griffen und ein Leben schufen! Ich bin keine Zienistin, und ich weiss so gut wie nichts über den Zionismus... Aber eins weiss Ich, und es festigt sich immer mehr in nur: wenn unser Motto jahrhundertelang das Wort „LEIDEN!" gewesen ist, so ist es höchste Zeit, dass wir die;s.?n Stemel von unserer : Stirn reisten und statt dessen das heischen Je Wort ,.GE-• RECHTIGKEIT" Selsen. Ich selbst jedenfalls habe e* *att, denen, die uns auf die eine Back« schlugen, such „DIE REVOLUTION DES NIHILISMUS44 Selten hat ein Buch ein m starkes und nachhaltiges Echo gefunden wie die ,.R*e<Auti'>n «Irrt Xihili.'inus" von Umuann Rauschning ^„Kulisse und Wirklichkeil im Dritten Reich". Eur;>pa-Verlag. Zürich*, ein Buch. -Jns einem Thema gewidmet ist, das heute alle als Schicksalsfrage empfinden. Noch nie vielleicht Ist von Innen her ein so klares Bild der nationalsozialistischen Denkungsart gegeben worden wie hier von dem ehemaligen Dnnzlger Senatspriisioenten. Die grosse historische Chance des Nationalsozialismus bestand ja vor allem darin, dass weder die innerpolilischen noch die auKsenpolitiiichcn Gegner ihn ernst nahmen und das» sie dadurch ihm die Möglichkeit einer ungestörten Entwicklung Gliben. Unwillkürlich denkt man an die Definition, die Eugen Rosen stock in seinem grossartigen Buch „Die europäischen Revolutionen" (Jena H«3t> von dem Gegensat» der Mentalitäten bei Ausbruch einer Revolution gibt. Charakteristisch für die. Revolution, so sagt er, ist nicht nur Leugnung der Grundlagen des Rrchtszufttandes und dessen gewaltsame Änderung, sondern noch etwa» Drittes dazu: das Auftauchen einer anderen Logik. Der „vorrevolutionäre" Mensch begreift dies einfach nicht. „Der alte und der neue Mensch erscheinen einander wahnsinnig". Dem entspricht es, dass die Konservativen von 1!C3 das nationalsozialistische Programm in seinen „wahnsinnigen" Einzelheiten als eine Atrappe, aber nicht *!■ „real" betrachteten. Darin haben sie sich getäuscht. Es war alles ernst gerneint! Zu spät kam diese Erkenntnis; die Revolution,'die - - während sie ihre Worte gegen „Juden" oder „Bolschewlsten" richtet — in Wahrheit alle alten staatstragenden Elemente wegspült, war schon im Gange. Ihr Ende ist heute, wo sie ihr Schwergewicht In die Autisenpolitik verlegt hat, nicht abzusehen. i Die Darstellung, die Rauschning aus intimster Kenntnis j der Dinge von der Außenpolitik des Nationalsozialismus \ gibt, zeigt Ziel und Mitte), mit denen diese totale Weltrevolu- ' tion verwirklicht werden soll. Der Nationalsozialismus ist \ eine „doktrinlose" Revolution, die Ideologien und Prinzipien j bedenkenlos beiseite schiebt, wenn es der Moment verlangt \ Die Taktik der Nationalsozialisten besteht eben d;;rin, ihre wahren Pläne mit aller Offenheit tu proklamieren, sodass! der Gegner sie nicht glaubt, well er nicht annimmt, dass j man seine wirklichen Pläne enthüllt. Innerhalb der neuen J Groäsfftumspoiiük ergeben sich für den Nationalsozialismus | die »icncn Konturen der WeU; sie worden gekennzeichnet j durch drei grosse Reiche, wozu als viertes t' amerikanische j Kontinent und als fünftes das pazifische Reich Japans hinzuj treten. Die drei europäischen Gebilde sind: das Britische Welt-! reich „Oceana", das Mittelmecr-Afrika-Kleinasien-Impcro Ita-! liens) in das alle Kolonialgjebiete Fi ankr,-i?hs, Puanrabtcn «nri j alle Atittcltncer-Anlicger gehören, und schliesslich das Deutsche Reich, das »ich auf der geopolitischen Hauptlinie Vliasmr/en- Wladiwostok erstreckt. Diese Idee „Vlisslngcn-Wladlwostok" ist an die Stelle der früheren Idee „Berlin-Bagdad" (oder richtiger Hamburg-Indien) getreten, um einen Ausgleich mit den italienischen und englischen Interessen zu ermöglichen. Innerhalb dieses riesigen eurasischen Raumes werden sämtliche dort wohnenden Völkerschaften unter deutscher Führung organisiert. Für Kleinstaaten; f kein Platz mehr, die übertriebene Anwendung des Selbstbcstimmungsprinzips Im Versailler Vertrag machte aus Europa ein Trümmerfeld. Die deutsche Hcrrcnnation wird den Grossraum organisieren und sich selbst ihren Siedlungsraum schaffen, wobei si« zu allen Mitteln entschlossen ist. auch t. B. zu dem Mittel der „Entvölkerung", die man bisher nur gegen die Juden angewendet hat, morgen nber auch gegen andere Völker wie Tschechen oder Polen anwenden kann. Ein zweites Mittel neben der Entvölkerung ist die Umsiedlung von Bevölkeruunsyruppvn im grossen Stil, um ein geschlossenes deutsches Siedlungsgebiet unter Ausschaltung der slawischen Enklaven zu schaffen. Es bedarf keiner Betonung, welche Perspektiven sich z. B. auch für die Juden aus dieser geplanten Grossraum-Beherrschung ergeben. Der Nationalsozialismus gibt ~- das ist eine der „Verfälschungen", die Rauschning auf allen Gebieten aufdeckt tier deutschen Politik das Gefühl einer Sendung, nämlich das Bewusstsein, „das auseneählt? Volk mit einer bleibenden und universellen Aufgabe zu sein". Deutschland ergreift die Führung in der Welt, weil andere Völker zu schwach geworden sind. Dies alles, so legt Rauschning eingehend dar, ist seit Beginn der Machtergreifung völlig konsequent verfolgt worden, ohne dass die anderen Mächte es ernst nahmen, bis eä zu dieser Erkenntnis cii spät war, Ein Festhalten am revolutionären Dynamistnus, der sich zu seiner Durchsetzung des „totalen Terrors" bedient, ist wewnsverbunden mit dem Nationalsozialismus; jede Ar» Mä«igur:g hiesse für ihn Selbstaufgabe. Mit der folgenschweren Besetzung des Rheinlandes im Jahre 1926, begann die bis dahin nur innenpolitische Revolution klar und eindeutig aufs außenpolitische Gebiet überzutreten (vorbereitet durch Deutschlands Austritt aus dem Völkerbund>. Es wird — so legt Rauschning dar — der Versuch gemacht, über die ganze Welt die Lehre zu tragen, die verbunden Ist mit einer rest« lo?rn Unterdrückung aller P"reihe»ten vind Auflösung aller i Müschen Werte, Das Bewusstsein der Unfreiheit aber, sd betont R., zersetzt den menschlichen Charakter auf eine tief vergiftende Wei.ie. Hier zeigt sich der ungeheure Bedeutungswandel de-* Xationntrmui, „Solange der Nationalismus sich mit dem Begriff der Befreiung und Freiheit auf natürliche Weise verbinden konnte, kam ihm ein heilsamst Wert zu. Heute bedeutet Nationalismus in seiner extreme« Form Zwang, Terror, Unterdrückung. Erniedrigung und Verknechtung. Er bedeutet die ,ßrlbst-.erxtbrnnri d^r Sationmm Kauschnlnga Darstellung enthält nebenbei ein wichtige« Stück Geistes- und Ideengeschichte im europäischen Raum, eine kritische Analyse über Wert und Unwert des Nationalismus, die weit Uber die aktuellen Probleme der deutschen oder antideutschen Politik allgemein menschliche und all.völkische Bedeutung haben. Das Buch von Rauschning ist In der Öffentlichkeit viel besprochen worden. Zu alledem, wns zum Lobe dieses Buchet schon gesagt wurde und was wir nicht wiederholen wollen, scheinen uns vom spezifisch jüdischen Standpunkt noch zwei Bemerkungen hinzuzufügen, Da§ erste ist die Tatsache, das« dieser Kritiker des Nationalsozialismus ein Mann ist, dem man weder jüdische Abstammung noch jüdische Gesinnung noch irgendeine Verbindung mit dem Judentum nachsagen kann. Der Kampf gegen den Nationalsozialismus ist naturlich keine „jüdische" Angelegenheit, sondern eine deutsche, und das stärkste Buch gegen den Nationalsozialismus stammt gerade von einem Nichtjuden. Obwohl Rauschning dl« grnusamen Judenverfolgungen (und «ueh die .Bekämpfung des Christentums) scharf verurteilt, spielt die Judenfrage al« solche in seinem Buche fast gar keine Rolle. Die Judenfrag« ist trotz des vielen Lärms, den die Nazis gerade mit diesem Punkt machen, nur ein Symptom. Es geht hier um gan» andere geschichtliche Auseinandersetzungen innerhalb de« deutschen Volkes, Ja innerhalb Europas, nämlich um die Zerstörung aller historischen und geistigen Ordnungswerte, um an ihre Stelle ein wiAi/i*f»*r/ir* Muchtregime zu setzen. Der Verfasser bangt um das deutsche Volk. „Zehn Jahre Nationalsozialismus würden genügen, um das deutsche Volk von seiner schöpferischen Hohe herabzustürzen und gerad« zu dem zu machen, was der Nationalsozialismus auf sein« Weise verhindern wollte, zu einem Fellachcnvolk". Wenn das ein Arier sagt, so handelt es sich um eine inn«rd(?i«fscAa Auseinandersetzung, bei der wir wehen Herzens zu schweifen haben. Was die Juden betrifft, so gilt es tu erkennen! Der Antisemitismus ist nur eines der Mittel zu dem macht« politischen Ziel des nihilistischen Dynamismus. wenn auch, wie sich gezeigt hat, ein besonders wirksames. Jetzt erst — wir wissen nicht, ob „zu spät", aber wir fürchten es — wird in den konservativen Kreisen erkannt, welches di« wahre historische Funktion des antisemitischen Schlagworte« ist: Die Judenhetze ist die ernte Stufe auf dem Wege, zum Nihilismus. Der Wendepunkt, an dem die abendländische Well steht, tritt in Rauschning« Buch viel deutlicher hervor, als in der mehr aktuellen Propaganda, die den Nationatsozinlismua gerade in seinem antisemitischen Teil-Aspekt bekämpft. Die zweite Bemerkung, /.u der das Buch von Rauschning einen jüdischen Leser veranlasst, ist folgendes: Dt« „Revolution des Nihilismus" ist keineswegs* eine lokal beschränkto Erscheinung. In einem gewissen Sinne erleben wir hier einen entarteten Ausiiiufer des Positivismus, die Fortsetzung der Vernichtung alter geistiger Tradition. In dieses* (und nicht nur in dieser) Hinsicht sind Bolschewismus und Nationalsozialismus verwandt. Aber in irgendeiner Form tritt die Tendenz zum ..Nihilismus" bei allen Ländern und bei allen Völkern auf. Wir sehen auch im Rahmen des jüdischen Vol» kes Erscheinungen dieser Art. Man könnte bezweifeln, ob es möglich ist, inniittrii einer solchen historischen Sturmflut in tinern einzelnen Volk einen Damm entgegenzusetzen. Es ist sehr beliebt, gewisse Erscheinungen bei anderen?.u verurteilen und sie in einer etwas abgewandelten Form bei sich selbst zu billigen. Die Frage ist, ob das jüdische Volk, da» keine politische Tradition hat und in einer grossen Neuordnung steht, imstande »ein wird, die geistigen Werte, durcl« die es existiert, gegen die Flut des Nihilismus zu verteidigen. Man könnte sogar auf den Gedanken kommen, dass geradm den Juden in ihrer Besonderheit hier eine Rolle tufallen könnte, denn von diesem Volk ist schon mehrmals in dep Geschichte ein geistiger Anrieb ausgegangen, der über de» Materialismus der Zeit und über die scheinbar siegende brutale Gewalt die Oberhand behielt. Hermann Rauschning hat aus leidenschaftlicher Lieb« z« seinem Volk und aus tief verwundetem Patriotismus der Revolution des Nihilismus die Maske weggc-.ogen. Es ist ein aufregendes und ergreifendes Buch, unabhängig von allen Einzel-Absehätzungen historischer und aktueller innerdeut- ■cher Vorgänge. Aber es ist nicht nur ein Buch über Deutschland, sondern insgeheim rührt es an die tiefen Erschütterungen der geistigen Struktur unserer Zeit überhaupt. noch die andere hinzuhalten. Und Ich weiss, dass der einzige Emdruek, der auf dieser Reise «nverlöschiich sich meinem Gedächtnis eingeprägt hat, die Gesichter ■jener jüdischen Männer und Frauen in Palästina sind, die f.us ihrem eigenen früheren Schmerz und Leiden eine neue Zivilisation schaffen" Nichts scheint Edna Ferber so empörend, als dass Politiker, dem Terror weichend, dieses grosse Werk dem Untergang! preisgeben wollen, weil es ihnen so in ihren Kram passt. I „Als ich diese palästinensischen Dinge sah, reckte sich die! Jüdin in mir hoch und stolz auf. Und ich tobte -— und werde; weiter tölten — gegen all diese hohen und niederen Beamten, > die ihr eigenes Menschentum so tief ernieirisen, dass sie.; versuchen, diesem Volke das Recht zu verweigern, zu arbeiten 5 und zu leben, und einer verarmten Weh einen neuen Schau j von Lebenskraft und! Genialitat zu seheiuven," ... Man darf nicht vergessen zu betonen, dass „A Pcculiar [ Treasure" ein überaus interessantes unl lesenswertes Buch i auch dann wäre, wenn nicht ein einzige« Wort darin stünde, ■las jüdische Di;:ge berührt. Insbesondere unsere Freund« in Amerika wollen wir darauf hinweisen, das* dieses Buch — wie «He Bücher der Ferber — wahre Fundgruben für denjerigen sind, der amerikanisches Leben und Wesen kennenlernen will. Aber für uns hat diese.» 'Buch eine viel grössere und tiefere Bedeutung. Es ist eines der stärksten un4 vielversprechendsten Anzeichen dafür oäss das Judentum gegenüber seinen Fein ien endlich die Sprache und Haltung au finden beginn;, die nicht nur allein seiner würdig, sondern auch allein wirksam ist. Die Sprache eines hohen Stolze« at)f »ich selbst — ein Stolz, der mehr al* berechtigt ist gegenüber der Erbärmlichkeit i$erer, die da glauben, die Welt mit dem Knüppel regieren zu können Edna Ferbers Buch sehHeist mit den Worten: „So komm nur, Hitler! Komm nur, Tod! Selbst wenn Ihr gewinnt, Ihr habt dennoch verloren!" Sie sollten unser FeMe gtschrei werden. & Z. SiötzeK