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Jüdische Weltrundschau · 1939-04-28 · 7 (28.4.1939) · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
1 (1939)
Issue
7 (28.4.1939)
Date
1939-04-28
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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PALÄSTINA-BLATT IN DER ALTSTADT VON JERUSALEM Von niwrcm f.!.-.MIUrbclter J>ir unsichtbare Grenz« In allen Beschreibungen Jerusalems, die vor den Unruhen geschrieben wurden, dominierte der Eindruck der einzigartigen Mischung von Passanten, die «Ich auf den Strassen drängten und unter denen »He Rassen, alle Bekenntnisse, •He Nationen der Weh vertreten *u sein schienen, Während die Geschichte der ewigen Stadt immer gegenwärtig den Hintergrund für da« tägliche Treiben bildete, verlor dieses gelbst niemals seine Anziehungskraft durch die Buntheit der 'vorüberwandernden Gestalten. Die Juden des alten Jlschuw mit Kaftan und „Strcimel", der moderne Städter gekleidet nach der Mode von London, Warschau oder New York, der Beduine im wallenden weissen Mantel, die Fellachin im blauen, gestickten Kleid, der Mönch in seiner Kutte, die Geistlichen der christlichen Kirchen im Ornat - - ale alle gehörten zum taglichen Bild Jerusalems und wanderten einträchtig durch die staubigen sonnbeaehienenen Strassen. Um die Frühlingszeit wurde der bunte Strom noch verstärkt durch Tausende von Touristen und Pilgern, die die Hotels Und Hospize füllten und in langen Zügen zu den Sehens- WUrdiRkeiten Jerusalems zogen. Heute hat die Hauptstadt viel von dieser Buntheit, viel von ihrer InternntionaÜ'.ät verloren. Die Touristen und Pilger •ind selten geworden, nur hier und da sieht man einen berufsmässigen Fremdenführer einen Trupp von Besuchern durch die Stadt leiten. Und die vielen Nationalitäten und Religionen, die heute noch die Heilige Stadt bewohnen, begegnen einander seltener leben abgeschlossen in besonderen' Viertein, wagen rieht, »ich frei zu bewegen. Die Juden haben •ich mehr und mehr in besondere Viertel zurückgezogen; die wohlhabenden Araber haben zu einem guten Teile die Stadl Kund überhaupt das Land) verlassen, weil der innere Terror •le bedroht. Und die Altstadt, einst von drängendem lieben wimmelnd, der stärkste Anziehungspunkt Jerusalem«, Wird jetzt nur aufgesucht, wenn es unbedingt notwendig ist. Ihre engen Strassen haben, au oft als Versteck für Attentater gedient als das« es einladend wäre, durch ihre verwinkelten. Gassen isu streifen oder auf der Stadtmauer spallleren zu geben, wie man es früher so gern in den Mondnächten tat. Wie sta/k die Trennung der Juden und Araber auch in der Hauptstadt geworden ist, spürt man an der unsichtbaren Grenze, die heute das arabische von den jüdischen und internationalen Vierteln trennt. Unterhalb des alten Postfebäudes, also einer Stelle, die noch vor wenigen Jahren zum Zentrum der Stadt rechnete, findet man — wie nach einem Stillschweigenden Obereinkommen, fast keinen Europäer mehr jedenfalls keinen Juden. Die Strasse, die »ich von hier .steil zum Jaffator herabsenkt, gilt als „unsicher" und nur am Schabbat, wo die Wachen verstärkt werden, wandern Juden zu Fuss hinunter in die Altstadt und an die Kiagemauer. Als wir uns in der _ Jaffastra.ss.c an einem Wochentage erkundigen, ob man zu Fuss hinunterkönnte, schütteln die Polizisten die Köpfe und weisen rMr ,«,n ÄMtomu hin u-v^r fährt in die alte. Sta.i. Die Kim ah rt j Wer die Altstadt von früher kennt, vermag den Gedanken! •iner Einfahrt mit einem Autobus nieht zu fassen. Wie soll! •in solches Fahrzeug iiurch diese engen Gassen kommen, I die ein altes holpriges Stninnfiester habon, die au* iaucer; Ecken und Winkeln bestehen, die sieh die Kuegel hinauf und! hinab winden und die *o eng »ind, dass Vielfach zwei Kamel« | die sieh begegnen, mit ihren Lasten an die Hluxcrwandc! streifen? in diesen Bazaren geht man zu Fuss oder trottet langsam auf einem Eselchen dahin, transportieren die Fei- ,.lachinnen ihre Waren wie seit Jahrtausenden Auf dem Kopfe \ wander Treiber der Tragtiere dl« Passanten mit lauten! Rufen zur Vorsicht. Aber die alten bärtigen Juden die auf) ihrem Wege nach Hau e sind, klettern mit SeSbstvewitänd-j lichkelt in den alten Autobus, der in der Jaffastrasse a-b-l fährt, und die Poüzis.en. die mitfahren, sind den Weg auchj längst gewöhnt. Es geht zum Jaffator hinunter, wo sich daai Gewimmel der Städter und Fellachen wie immer drängt | Und durch die Lücke, die sich seinerzeit Kaiser Wilhelm Ilj In die Mauer hat sprengen lassen, um tu PtzrJe mit grossem I Gefolge in Jerusalem «ln*uz!ehen. Der Bus läset den Km-' gang zur Davidatraase mit seinen Buden und Treibern link« liegen und biegt am Davids türm vorbei Ins flr»t«iuc/ie Viertel. Hier sind die holprigen Strassen mit Beton überzogen worden, und der vergitterte Autobus donnert direkt an den Häuserwänden entlang bU mitten in die Altstadt und hält in der Nähe des Deutschen Platzes. Es gibt wohl' nirgends auf der Welt einen solchen Autoweg aber Not kennt kein Gebot und solange es Terror gibt, gewährt die Fahrt mehr Schutz als der Weg zu Fu&s. Im jüdischen Viert«! Wir tauchen unter in den engen Caasen des jüdisch<n Vieru-R Di»? \vr'■•>... k:<nnt»n Buden und winkligen Str«***ö liegen da wie Immer und sehen doch ganx verändert aus Die Bogen, die sich über den Gängen wölben, sind dieselben, j wie immer öffnen die Hnustore überraschend den Blick In } versteckte Hofe und skurril überelnandergearhachteltc Won-' nungen Aber die 5>:rasscn sind weniger belebt als sie waren, viele Laden sind geschlossen und nur hier und da findet mar "inen Araber, der trotz de* inneren Terrors sich unter den Juden zu zeigon wagt. Wo die „Rechov Hajehudim" ins arabische Viertel übergeht, steht ein englischer Doppelposten. Auf die Frwge, ob es möglich sei. weiterzugehen, erhalt man ole wenig ermutigende Auskunft: es sei «war „mnglleh, aber keineswegs annuraten". Wir kehren seufzend um. Wo sind die Tage, wo man hier ohne jedes unbehagliche Gefühl und ohne Gefahr die Gegend durchstreifte, um immer wieder eine Ecke zu finden, die man noch nicht kannte, immer wieder bezaubert von der einzigartigen Atmosphäre dieser Stadt? In den Lehrhäuaern, die sich im Umkreis der grossen Synagogen befinden, ist man jedoch bald geneigt, Terror und Unruhen 7.11 vergessen. In diesen grossen Steinhäusern geht das alte Leben weiter, ab wäre nichts geschehen. In den engen Zimmern sitzen in Reihen die Jungen und lernen wie seit Jahrhunderten. Ober die langen Flure gehen alte Juden. In den Höfen findet man viele seien es Kurden, Marokkaner, Aschkcnasim oder Scphardim, die hier geboren sind, ihr Leben hier verbracht haben und es weiterführen, unverändert und unbewegt, trotz Terror und Gefahr. F.s tat ein ganz anderer Menschenschlag, als der, der draus.ien die Siedlungen baut oder die neuen Viertel von Jerusalem bewohnt. Aus anderen Zeiten stammend, mit anderen Begriffen und anderen Zielen. Auf dem Auslug Enge Stiegen führen hinauf, auf das flache Dach der Synagoge von Nissan Bcckt auf dem »ich in der Mitte die grosse runde Kuppel wölbt. Hier Ist der hör^sto Punkt dieser Gegend, und man sieht hinunter auf die Altstadt mit ihren zahllosen gekuppelten Dächern, ihren engen Strassen, weit hinaus über die Mauer auf die umliegenden Hügel und in nächster Nähe auf den riesigen Tempelplatz mit dem Fclsendom und der Aksa-Moschee. Die Fayenzen, die das Achteck verkleiden, leuchten auf in der Sonne, die uralten Zypressen, die auf dem Tempclplat* stehen, recken sich •«ehwnr« wie tmiT^p in den Himmel, ganz nahe ist m stur inneren Mauer, und doeh fühlt man «iteh unendlich entfernt von diesem innersten Kern Jerusalem*. Auf dem Dache von Nissan Beck finden wir zwei jüdische Poltfclsten. die uns mit Rifer die Genend erklären, weil sie iini für Touristen hallen. Der eine kam vor elf Jahren nun der Türkei, der* andere war noch M* vor anderthalb Jahren auf dem Gymnasium in eitler Stadt Westdeutschlands. Jetzt hüten *i« zusammen,, die Altstadt von Jerusalem und kr Einwanderer aus Deutschland lernt von dem türkischen Juden hebräisch. Es ht kein leichler Dienst hier oben, die A,t4adt ums»» scharf bewacht werden uno seit die Kriegsger lichte s.-eh häufen, gibt es wieder einmal Alarmbereitschaft. Sri stehen sie heute (iberall im Lande, Junen aus Europa - und Asien, gebürtig? Palästinenser und neue Einwanderer, und wachen Uber das Land, Zur Kliigcmaucr Aus einem der Lehrhauser führt ein Tor auf einen breiten Weg hinaus, der hinunterführt, an der Snr.vscnenmauer entlang. Früher durchschritt man in dieser Genend eines der Stadttore und wanderte um die Mauer herum durchs JCidrontal Heute ist das Tor geschlossen und ein glatter Weg mit breiten bequemen Stufen führt hinunter. Das Ist die neue Strasse, die mau zur Klagemauer gebaut hat, um den Juden auch in der Zeit der Gefahr den Zugang xu gewährleisten, Am Sehabbat ist es hier voll, heut« trifft man nur selten einen Menschen und der en^JUeha Psppelpsston, der uns den Weg weist, wandert etwa;» gelnngwellt hin und her. Es Ist sonderbar, über die.*e breite, leicht überblickbare Strasse zur Mauer zu wandern, der man »ich sonst durch dl« engen und winklig™ Gassen von1""der. anderen Seite näherte. Unverändert ist nur dM' Mauer mit Ihren verwitterten Steinen vor dem schmalen Durchgang. Erlnr.orungen drängen sich rtuf an die Kämpfe um diese Mauer, sn die Zwischenfälle von 1929. an die Zeiten, wo *« noch keinen Posten an dieser «Stell« gab. Und schwelgend wandern wir die neue breite Stra/uso zurück, schauen durch die Schiesaschürten der Mauer hinüber nach den benachbarten Dürfern und Höhen, finden unseren Weg zurück durch die Jahrtausende alten Gassen, Eine halbe Stunde später bemühen wir uns, uns wieder Im neuen Jerusalem zurechtzufinden. Es empfängt uns mit seinen neuen grossen Bauten, mit seinen modernen Laden, mit seinen weltausgebreiteten Wohnvierteln. Liegt die Welt, die wir eben verficssen. wirklich nur einen Stelnwurf - ödes viele Jahrhunderte von uns entfernt? GESTRANDETE FLÜCHTLINGE VOR HAIFA EIN JÜDISCHER PROTEST-STREIK Ein Schiff mit 270 jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland. Österreich und der Tschcehealovakei an Bord wurde von den Marine-Patrouillen In der Nähe von Nathan!?* angehalten und In den Haifaer Haren gebracht. En handelt .«ich um das griechische Schiff „Assimi", das anscheinend von Plräus aus nach Konstanz» segelte und dort gestrandete Passagiere aufnahm Es Ist ein Lastdampfer, der für Passagiere nicht eingerichtet ist und die Aufenthaltsbedingungen während der Fahrt waren ausserordentlich schwierig. Unter ähnlichen Bedingungen wurde ein kleiner griechischer Schoner „Panagiya Correstrio" abgefangen, an dessen Bord sich 180 Menschen befanden, die der beabsichtigten illegalen Kinwanderung verdächtig waren. Der Kapitän des „A;»s:mi" wurde wegen Verletzung der Hafen bestimm ungen vor Gericht gestellt und verurteilt Die Passagiere der Heiden Schiffe litten schwer unter Mangel an Nahrung und Heilmitteln. Von jüdischer Seite wurde alles versucht, um Hilfe zu leisten. Die Versorgung mit Lebensmitteln an Bord wurde organisiert. Einige Passagiere, die an Bord erkrankt waren, wurden nach Haifa ins Regierungsspital gebracht. Jedoch gelang es nicht, eine Zufluchtsstiute für die verzweifelten Flüchtlinge zu finden und das Schiff rnusst« nach einem Aufenthalt von einigen Tagen im Hafun Haifa nach Beendigung des Prozesses gegen den Kapitän den Hafen am Sonntag wieder verladen. Bei der Abfahrt dei „Assimi" spielten sich unbeschreibliche Szenen im Hafen von Haifa ab. Die Luft widerhallte von verzweifelten Hilferufen. Der jüdischen Bevölkerung der Stadt Haifa bemächtigte sich grosste Erregung, als sie ohnmächtig zusehen mussten, wie das Schiff mit seiner Ladung von hilfloaen Flüchtlingen ins Unbekannte geschickt wurde. Als dann bekannt wurde, das» auch das see-untuchtige Schiff „Panagiya Corresirio" mit "jinen IfcO Juden abfahren sollte, leg'.« spontan die ganz* Judische Bevölkerung Haifas die Arbeit ut Buer. Der titrem erstreckte sich auf alle Arten öffentlicher und privater Tätigkeit. In den jüdischen Vierteln fänden Demonstrationen (und gelegentlich leichtert Zusammenflüsse mit der Polizei» statt; eine Reih« von Deputationen wandten sich an die Zivil- und Militärbehörden mit der Forderung, den gestrandeten Flüchtlingen die Landung in Palästina xu gestatten. Gleichzeitig intervenierten die obersten jüdischen Institutionen in Jerusalem bei den englischen Zentralbehörden. Sonntag nachmittag wurde dann bekannt, das« dia Regierung in Jerusalem angeordnet habe, dass die Flüchtlinge vom Bord des „Panagiya Correstrio" an Land gebracht und in dem Quarantänegtbäude im Hafen von Haifa untergebracht wurden. Diese Nachricht wurde von der Jüdischen Bevölkerung mit Genugtuung entgegengenommen Der Streik wurde als beendet erklärt und der normale Verkehr in der Stadt v»»culef aufgenommen. Die jüdische Jugend aus den englisch-sprechenden Ländern hat einen Brief an die englischen Truppen und an die englische Polizei gerichtet .worin aufgeklärt wird, dass etwaig« ZusammcriMtiisse, die während der aufgeregten Demonstrationen sich zwischen der Jüdischen Bevölkerung und Mitgliedern der britischen Sicherheitstruppen ereignet haben sollten, nur auf die ungeheure Erregung zurückzuführen sind und auf die Verzweiflung angesichts der Hinopferung schuldloser Menschen, die •— In Ermangelung jeder anderen Möglichkeit eines Aufenthalt« - - bei ihrem jüdischen Brüdern in Palästina Zuflucht gesucht haben. In dem Brief wird dankbar anerkannt, das« die britimmon Soldaten und Polizisten Verständnis für fliese Gefühle der Juden gezeigt haben Die lfiO FlürhUlnge sind zunächst für drei Tage im! Quarantttnegehiiudo untergebracht. Eine definitive Encschei-j; dung über ihr künftiges Schicket wird erat während dieser Zelt getroffen werden. Auch in den darauffolgenden Tagen fanden eine Reih« %on Protestversammlungen von Ju{)cm4k>rgani*ationcn in allen Teilen Palästinas utatt, die die Freigabe der illegalen Fänwanderer forderten. „In Jerusalem wurde von einer Studentenveraammlung, bei der auch der Rektor Dr. Frankel eine Ansprache hielt, eine Resolution angenommen, und ähnliche Resolutionen fassten die Schuier der verschiedenen höheren Schulen In Jerusalem. Die „Pahntttw Post" unteratntw ht die Tatsache, dasa die Marinepoiizel und die übrigen Sicherheitsorgane sich den Fhufetlingcn gegenüber mit ffrnuncr Hthonunu benommen haben; die Demonstrationen In Hadar Hacarmel seien frei vtn j*>dT uuHtsritiirhm Note gewesen. es UNSER RUF verpflichtet unt xu d«n höchtton L«l* >lunq«n in •legantor Dam«nb«U*i4tmg. DAVID 5 LTD. TfUAVtV >» AU«*»y feto« tr«N«er M**»Ä M*w T«**«lea ANZOGEN ABNAHME für die „JOD WELT - RUNDSCHAU' j in Palästina: Jerusalem, 8, Ben Yehudastr. / Tei-Aviv, 5 Mikve; Usaebtr. I HOLLAND PALESTINE COMP. LTD. HAIFA 17, M«r*l»tr 1*1 UOI TIL-AVIV JllUiAUM ». M««e«l«4efr. T«i US» r4t. 2»«J » OJ 401 An-und Verkauf von Goldmünzen w. Barrsjn für Anlagexv/«ck« Ankauf olUr Ar*«« oti*r Ed«lm«tal!« u AbfslU

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