Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 1 (1939)
- Issue
- 4 (31.3.1939)
- Date
- 1939-03-31
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2424658-2424659-2424663--052-2424800- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
fetf e 4 Jüdische welt rundschau Nr. f, st. m. IMflf Die syrische Krise tllANKRCTCTf ■KFBHTTOT REINE POSITIONEN Von unserem Pariser Berichterstatter K. Paris, im Man:. Die militärische Bccl^nu; von Damaskus durch di.« frnntösifje-: eil Truppen stellt einen neuen W c ndepunkt in der irnnzösldchen ß y r 1 e n p o I H i k dar. Nachdem Frankreich unter der Iterierung Blum und vor allem auf die Initiative de* damaligen Staatssekretärs im Aussenministerium Vieiiot hin, den Beschluas gefasst hatte, dem Vorild der englischen Orisntpolltik zu folgen und Syrien in kurzer Zeit zu einem u n a b h ä n i,i g c 11 Staat r.u machen, sind die Widerstünde bzw. die materiellen Hindernisse, die sich dieser Politik entgegenstellten, von Monat zu Monat grösser geworden. Frankreich hat daher den bereiu fertiggestellten französiachsyrischen Vertrag vorn Parlament nicht ratifizieren la«*en. Auch den Bemühungen des einmaligen syrischen Ministerpräsidenten Djemal Mnrdam Key, der (-ich zu diesem Zwecke monatelang in Pari!» aufhielt, Dt es nicht gelungen, die jeuige Regierung Dakidierrennet zur Aufgabe ihrer Zurückhaltung gegenüber den syrischen UnnbhänglgkeUflbßHtrebungen zu veranlassen. Für diese veränderte Haltung der fran- *ö*i*tben Regierung .sind vor allem drei Gründe bestimmend geweu.*!?: 1. die aggressive Haltung der syrischen Nationalisten. Frankreich erkannte, dass es nach der Erfüllung der syrischen Forderungen mit dem Sturz der gemässigten Regierung Merdam Hey rechnen mussto und ..dass dann der neue syrische Staat eine feindltrho Haltung gegenüber Frankreich einnehmen konnte; das Minderheitonproblcm. Die nicht, der •rabisch-mohammcdnnischcn Majorität angehangen Minoritäten: die syrischen Christen, die Drusen, die Aluiten sandten dringende Appelle nach Paris, und beschworen die franziis-teche Regierung, sie nicht ihren unerbittlichen I^einden auszuliefern; 3. am wichtigsten war aber die außenpolitische Lage. Die Zuspitzung des Konflikte» »wischen Frankreich und Italien Im Mittelmeer und die Unterstützung, die die deutsche und Italienische Propaganda den arabischen Nationalisten zuteil werden lies«, legten dor französischen Regierung die Rcfürolv tung nahe, dass in den von Frankreich aufgegebenen Platz in Syrien sofort Italien einrücken würde. Auch die anlässlich der Alexandrette-Affaire deutlich gewordene Gefahr de.s türkischen Imperialismus hat bei dem französischen Entsehluss, der Behauptung der .syrischen Position eine Rolle gespielt. Über den französischen Besorgnissen, die die Klärung des französisch-syrischen Verhii.ltnis.ses immer weiter aufschoben, Ist die — im ganzen Frankreich freundliche --- Regierung McrJam Bey gefallen. Die Nachrichten, die jetzt au: Syrien in Paris vorliegen, sind recht bedenklich. Unter der arabischen Majorität, besonders in Damaskus, ist der Ein flusa des nationalistischen Fanatikers Dr. Schuhbandar im, Steigen begriffen und diese radikale Propaganda hat bereits In einigen Städten wie Damaskus, Hanta, Horns zu blutigen Zwischenfällen geführt. Der eisige und feindliche Empfang, den der neue Hochkommissar Punux und der Delegierte für Damaskus de Hnuteclocque bei ihrem Eintrcffen in Syrien gefunden haben die Streikbewegungen und sonstigen Zwischenfälle, die die Fortsetzung der französisch-syrischen Verhandlungen begleitet haben, haben in Pari» den Eindruck hervorgerufen, dass nach dem Stadium eitler\2Clivrung des syrischen Problems auf dem Wege der Verhandlungen wieder zur Politik der starken II a n d übergegangen werden muss. Der erste Ausdruck dieser neuen Schwenkung der französischen Syrienpolitik ist daher die militärische Besetzung von Damaskus gewesen. Die französische Regierung ist «ich nber völlig darüber klar, dass dieser Zustand der Spannung, der die französischsyrischen Beziehungen zurzeit kennzeichnet, nur vorübergehend sein kann. In Paris arbeitet man daher neue Vorsehläge aus, die den syrischen Unabhängigkeitsbestrebungen entgegenkommen und zugleich die imperialen Interessen Frankreichs Im Vorderen Orient wahren sollen. Frankreich ist entschlossen, die^e endgültige Regelung nicht su überstürzen, um im Fälle einer Zuspitzung der Lage in Europa auch in dieser Region freie Hand zu behalten. Der französische Kommissar Punux hat seinen Aufenthalt in Syrien benutzt, um dort mit allen Gruppen — insbesondere auch mit den Minderheiten — persönlich Fühlung zu nehmen. Er wird nach seiner Rückkehr nach Paris dort ausführlich über den gesamten Fragenkomplex berichten und dieser Bericht wird bei der französischen Entscheidung eine wichtige Rolle spielen. Es ist daher noch verfrüht, \-jetzt bereits über den künftigen französisch-syrischen .Vertrag urteilen zu wollen ,doch kann man mit Sicherheit annehmen, dass der vor zwei Jahren unterzeichnete, aber bisher nicht ratifizierte Vertrag bedeutsame Abänderungen erfahren wird. Die wichtigsten dieser Abänderungen werden vor allem In zwei Richtungen liegen: 1. weitgehender Minderheitenschutz, der diesen eine praktische Autonomie ausichern und sie vor Übergriffen der Zentralregierung In Damaskus schützen wird; 2. wesentliche Verstärkung »er militärischen Positionen Frankreich» In Syrien. Diese Positionen werden jetzt nicht nur auf die ^Vahrung der imperialen Interessen Frankreichs gegenüber dem syrischen Nationalismus; sondern auch auf die Verteidigung der französischen Levanteposition gegen einen auswärtigen, insbesondere Italienischen, Angriff xugeschnitten »ein. Die Klärung der französisch-syrischen Boxiehungen wird aller .Wahrscheinlichkeit nach mit der Klärung der gespannten Situation im Mittelmeer zusammenfallen oder ihr folgen. Da« Dvmttch* Memorandum *~ Lord Winterte» n. der Vorsitzende des Evian-Kömitees. (ab in einer Versammlung tum ersten Mal Einzelheiten über da* Memorandum, da» die deutsche Regierung Mr. Rübke übergeben hat. Lord Winterton beseichnete das Memorandum als ein hoffnungsvolle» Dokument und erklärt, die deutsche Regierung plane eine geordnete Auswanderung von ISO 000 arbeitsfähigen Erwachsenen und 250 000 Angehörigen in einer Periode von 5 Jahren. In Deutschland soll aus 10% des jüdischen Vermögens ein Fonds gebildet werden, der die Auswandcrungskosten und Ausstattung der Auswanderer deckt, während im Ausland eine Stelle geschaffen werden soll, die das Geld für die jüdische Absiedlung in Pbersee aufbringt. Spider hat Lord Wintertou nichts Näheres darüber gesagt, welche Summen erfordern oh sind und wie man sieh das Funktionieren -es finanziellen Mechanismus vorstellt. Der objektive Hörer wird den Optimismus von Lord Winterton keineswegs teilen. Zur Losung der Auswanderungsfrage Bind wahrscheinlich viel tiefer greifende Massnahmen erforderlich als die hier angedeuteten. DER RUF AMERIKAS Die amerikanische Monatsschrift ..Survey Graphic" hat ein Sonderheft von etwa 200 Seiten hereingegeben, in dem die gegenwärtige Weltlage geistig, moralisch und politisch beleuchtet wird. Das ganze Heft ist in Aufruf 8 t die Demokratie zur Selb3lb.esfnni.tng. Als eines der entscheidenden Probleme erscheint dabei die Not der vielen lausenden Flüchtlinge, vor n!!'»m der Juden aus Deutschland. Die grosse Mehrheit der Mitarbeiter sind Nichtjuden; unter den jüdischen Mitarbeitern nennen wir Marwin Loewenthil, der einen allgemeinen Überblick über die Judcnfrage Europas gibt, und Abraham Rnvusky, den bekannten Poala Zionislcn, der vor paar Jahren ein Buch über Palästina geschrieben hat. Revusky steuert einen mit schönen Paläetlna-Blldern versehenen Artikel über Palästina bei. Nach einer ausführlichen Darstellung der Resultate der jüdischen Aufbauarbeit nimmt er zu der Frage Stellung, ob die arabischen Ansprüche gemäss den vom Präsidenten Wilson erwähnten Prinzip der Selbstbestimmung erhoben werden können. Selbstbestimmung, so sagt Revusky, rechtfertigt nicht das VcrsehHessen von unentwickelten und dünn bevölkerten Ländern vor dem Zustrom von Emigranten, die aus bitterer Not hingetrieben werden und sich zum Wohl auch der bisherigen Einwohner entwickeln wollen. Wenn, so sagt der Verfasser, das Prinzip der Selbstbestimmung in Einklang gebracht wird mit dem noch grösseren Prinzip menschlicher Brüderlichkeit, dann könnte eine Ea:;is jüdisch-arabischer Verständigung gefunden werden, Ein anderer jüdischer Mitarbeiter des Heftes Ist Felix Frankfurter, Mitglied des Obersten Bundcsgeriehts. In einem kurzen Aufsatz schildert er die Bedeutung des Einwanderers innerhalb der Vereinigten Staaten. Amerika ist von Einwanderern aufgebaut worden und auch heute hat es den Einwanderern viel zu danken. „Wir sollicn den Einwandererstrom von heute, der sich in seiner Not nach Amerika wendet, so begrüssen, wie unsere Vorväter die Piluer des Jahres 1JW8 (nach der mißglückten europäischen Revolution) begrüsst haben". — Dass aber die Lage In Amerika auch problematisch ist, entnehmen wir dem Artikel von Alv i n Johnson 'der als Präsident der „New school for social Research" und der „Univcrsity in Exilc" viel für geflohene Akademiker aus Deutschland getan hat). Johnson schreibt ausführlich über die steigende Welle der antis e m i t i s c h e n B cw e g u n g in Amerika. Nach Darstellung der Gefahr, die Amerika von der unterirdischen Wühlarbeit der Antisemiten droht, kommt Johnson zu dem I'^rgebnis, dass die Amerikaner mehr tun müssen als nur „die Hände ringen". Die heute vorherrschende Meinung, der grossen Menge der Juden in Amerika die parmanenten Merkmale einer Minorität aufzudrücken, sei eine Gefahr für die Zukunft, besonders im Falle einer neuen ökonomischen Depression. Der Verfasser tritt daher dafür ein, eine FSrücke des gegenseitigen Verständnisses zwischen Juden und Christen zu erbauen, und zwar müsse dies, ic bei jeder Brücke, von beiden Seiten hu^) geschehen. Zu diesem Zweck soll eine Organisation gegründet werden, die rückhaltlos die Judenfrage .diskutiert und die Arbeit der Vers! -idigimg vor unten beginnt. Dies sei eine Pflicht, die sich aus der demokratischen Zivilisation ergibt. Eine ganze Reihe von Beiträgen In dem Heft Ist de:* rfBrhtlffiiwfrafi frrwirfmer. DarTOer Schreibt * B. < VekAnnfe Schriftstellerin Dorothy Thompson, die in der. letzten Monaten in der amerikanischen F'resse sich zur Vorkämpferin der Menschlichkeit gemacht hat. Die Verfasserin betont, dass es sich nicht um ein ..jüdische»" Problem handelt. Sie zitiert Briefe, die »ic aus Deutschland von Christen erhalten hat, die sich mit allem Nachdruck von den Judenverfolgungen distanzieren. Zum Schluss behandelt Dorothy Thompson die Frage, v/m die Welt zur Linderung dieser Not tun könne und was vor allem Amerika tun könne. Sie tritt ein für eine viel weitherzigere Zulassung von Flüchtlingen nach Amerika. Sie betont, dass die Einwanderung (und zwar sowohl Unternehmer als auch Arbeiter) grosse Industrien In Amerika aufbauen könnte, die es dort noch nicht gibt, dass sie auch das geistige Lehen Amerikas bereichern könnte. Vor allem müsse man in großzügiger Weise Kinder aufnehmen. Zwar, so beschüesst sie ihren Artikel, können wir da* Flüchtlingsproblem nich» vollständig lö:<en, bevor wir das Problem der ökonomische: Organisation der Welt nicht mit revolutionärer Phantasie bewältigt haben; aber wir können auch jetzt schon die Lage der Flüchtlinge weit wirksamer mildern als wir es in Wahrheit tun. — Andere Mitarbeiter des Heftes schildern Einzelfälle der Flüchtlingsnot, aber auch der tatsächlichen oder möglichen Leis<.ungen neuer Einwanderer für ihr neues Wohnland. Ein anderer Teil der Artikel stellt die Frage der Flüchtlinge und die Judenfrage ein in das grössere Problem der Minoritäten überhaupt. So z.B. schreibt der Präsident von Smith College W. A. Neilson über die Minoritäten in Amerika. Neben der wichtigster» Minorität, den Negern, kommen die Juden hier in Betracht. Auch in Amerika seien den Juden verschiedene Beschränkungen auferlegt. Eine Vernünftig* Begründungdafür gibt es nicht. NciisOn meint daher, man müsse die Minoritäten-Frage in Amerika mit allef Offenheit in Angriff nehmen. Wenn das liberale Prinzip aufgegeben wird, dann ist kein einziges Individuum mehr seiner zu einer Minderheit, sei ewirtschaftlich, kulturell, religiös oder sonst wie. Von einer bestimmten Seite behandelt das Minoritäten-I'roblem William E. Rappard. der zionistischen Oeffentlichkeit bekannt als führendes Mitglied der Mandatskommission de.s Völkerbundes. Rappard weist darauf hin, das« das Mandutsnytem nach dem ursprünglichen Gedanken seines Initiators General Smuts nicht für Westasien bestimmt war, sondern auch für Mitteleuropa nach cm Zerfall Oesterreich-Ungarns. Nicht die Existenz von Minoritäten war das Neue in der Nachkriegszeit, sondern ihre Anerkennung als ein konstitutionelles F'roblctu. D Lösung d rah Proklamierung der Minoritätenrechte und des Minoritätenschutzes •seitens des Völkerbundes hat sich in de ■ Praxis als unzureichend und illusorisch erwiesen. Rappa. .1 weist demgegenüber auf das Beispiel der Schweiz hin, wo ein befriedigende« System der Eingliederung von Minderheiten gefunden worden ist. Das sehr Interessante Heft, aus dem wir nu~ einig« wenige Beiträge erwä'mten, gibt ein Bild von der iltung der amerikanischen Oeffentlichkeit in dieser Zeit. ,, v.crika ruft" — so heisst das Heft. Man möchte so gern glauben, das» der Ruf Widerhall findet. Mrs. Calvin C o o 11 d g e, die Gattin des ehemaligen USA- Fräsidentcn, gehört einer Frauengiujpp«. au, die 3ö FluehllUigsluudeiin Obhut ueUmea will Martin Buber in Polen Hede über „nationalen Humanismus" (Von unseren! Berichterstatter) L. W.-s. W ar schau, im März. Auf »einer Europarcise kam Martin Bubcr in der zweiten Märzwoche nach Polen und wunde in allen grösseren Städten »ehr gefeiert. In der jüdischen Presse Polens erschienen au» Anläse seines Besuche» Begrüasungsartikel. Bei seiner Ankunft in Warschau wurde Prof, Bubcr von den Leitern der Verwaltung der „Gesellschaft der Freunde der Universität Jerusalem", Ing. K e r n e r, Rechtsanwalt Stawsk i. Prof. Lachman n u. a. am Bahnhof begrüsst und nach dem Hotel Bristol geleitet, wo gleich am ersten Tage seines Aufenthaltes eine Verwaltungssitzung der „Gesellschaft" stattfand, In der sich Buber über den Stand der Propagandaarbeit für die Universität Jerusalem informieren liess. Ausser einem grossen öffentlichen Vortrag im grossen Saal der Hygienischen Gesellschaft in Warschau über „Erziehung und Volk" hielt Buber eine Vorlesung für die Mitglieder der xionistinehen Jugendorganisationen und einen weiteten Vortrag vor den Studenten des judaistischen Instituts in Warschau. Zu Buber» öffentlicher Vorlesung über „Erziehung und Volk" war die Elite der jüdischen Intelligenz Warschaus erschienen, der grosse Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Vorlesung nahm über eine Stunde in Anspruch uud stellt» an die Aufnahmefähigkeit der Zuhörer grosse Ansprüche. Seine Ausführungen wurden mit grösster Spannung verfolgt, aumal er seine gedankentiefen Formulierungen in einer wunderbaren dichterischen Sprache tum Ausdruck brachte. Atigemein hatte man erwartet, dass Buber Deutsch sprechen würde; sur allgemeinen Überraschung aber ging Buber nach einem hebräischen Beginn bald xur polnischen Sprache über, und die Gepflegtheit seiner Diktion war direkt verblüffend — such in Polnisch. Buber stellte zunächst die Erziehungsmethoden bei den verschiedenen Völkern unter besonderer Berücksi. tigung der Juden dar. Die nationale Befreiung müsse ve. uunden »ein mit einem »Umciiachllchen Ideal, so wie dies bei dem Melanismus des grossen polnischen Dichters Adam Miekiewicz der Fall sei. Der Chauvinismus ist etwas Äußerliches und trägt den Keim der Entartung in sich. Buber »prnch »ich für »ine jüdisch-nationale, aber gegen eine chauvinistische Erziehung und gegen den Geist engherzigen nationalen Egossniu*' aus, ä^r zum Untergang führen müsse. Die jüdischen Chauvinisten dienen nicht dem jüdischen Gott sondern de>m götzendienerischen Abgott „Baal", (Bei diesen Worten vcrliessen einige Revisionisten den Saal). Wir müssen zu einem nationalen Humanismus streben, zu jüdischer Menschlichkeit. AU Idealen Typ dieser Weltanschauung bezeichnet Bubcr die Chaluzluth, die de« einstigen wirklich jüdischen Naiionahemus darstelle, der auf ethischen und *o«ialen Grundlagen beruht. Es müsse ein CUaitti der Gaiuth onUtaher.. Tausend« jungsr Menschen, die nicht nach Erez Israel kommen können, gehen in die Welt; sie gehen nicht m&ssen- oder gruppenweise, und keiner führt sie. Viele gehen verzweifelt, und man rnüssa dafür sorgen, dass auch diese einzelnen Menschen, verstreut in der ganzen Welt, mit dem ganzen jüdischen Volk verwachsen bleiben. Lebhafter Applaus dankt© Martin Buber, und Prof. Schorr brachte in einer fichiu.winsipraehe diese Dankgefühlä zum Ausdruck. Auf seiner Vortragsreise durch Polen wird Martin Buber u. a. auch in Krakau sprechen. Die Karpatho Ukrair e Von unserem Budapcster Korret wndetiten Budapest, Ende iliiri* Das zu Ungarn mrückgekehrte Land der Ruthenen dürfta das von Juden am dichtesten bevölkerte Gebiet Europas da: | stellen. Es wohnen hier an 1*0 000 Juden, mehr als 15% der J Bevölkerung. Einen besonderen Charakter erhält diese, auf | Jahrhunderte aurückblickende Siedlung (laut Dokument i 148 der jüngst erschienenen ..Monumenta Hungariae Judaica", i Bd. II, S. 137 vom 1. Januar 168 1 verpachtete die Mutter des | berühmten Franz Raköei II. und spätere Gattin des Freiheita- 1 helden Thököly, Prinzessin Hona Zrinyl ihre Maut und Schenke an einen Juden Ephraim aus Munkäesi, dadurch, dass ein Grossteil derselben (ca. 25%) si i mit Land bau beschäftigt und auch sonst »einen kärglichen Lebensunterhalt; oft durch schwere körperliche Arbeit '10",;> verdient. Es finden »ich hier ganze Dörfer mit alteingesessenen Jüdischen > BauernfamiJien. die sich in ihren Lebensformen kaum von den! ruthenischen Nachbarn unterscheiden. In religiöser Beziehung i gehört fast die ganze Bevölkerung der itr. agorlhodoxen. chasi sidisehen Richtung an. im ganzen Lande gibt es nur ein» i einzige noologe (liberale) Gemeinde in Ungarn. Neben den schon im Herbste rückaiJfccgliederten zwei Hauptsentren <k \ Gebietes Munkace und Ungvär, »ind die bedeutendsten Städt« Ru-s-sinkos: Huszt mit berühmter Jeachiwa und Rabbinertraditio?:, (in Huszt wirkte zuleut der derzeitige agudistisch«! palästinensische Oberrabbtner R. I. D. D u s c hintk y ), sowie N a g y s % ö 11 ö s. Kulturell »teht die arme Bevölkerung ebenfalls auf recht niedrigem Stand, nur seit nach dem Kriegt; haben der Joint und andere internationale Wohlfahrtsgeseü- Schäften durch Errichtung von G«w«fU-»tätten und Kredit*; genossenschaften viel zur Hebung des wirtschaftlichen Niveau« i beigetragen Die zwei hebratschen Gymnasien in Murtkdcs und Ungvir stehen seit Oktober unter ungarische* I Leitung und Aufsicht. j In den leUten Tagen wurde eine Deputation des ungar-! ländischen Judentums vom Mini»terpras.identert Grafen Paul I Tele kl empfangen. Miegheder derselben weren die Vor- Uitsenden der beiden LandeskanxJeien: Hof rat S. Stern um!! S.. Kahan-Frankl. sowie die < berhau*mit*H«der: Gold« jberger voa ttudauna Laug. a, r.