Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 4 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 310 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
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310 Aus Briefen. Gang meiner jüdisch-historischen Darstellungen unabweislich forderte. Aber freilich wird der jüdische Gelehrte nur zu oft gemahnt und gezwungen, in der Pflicht der Abwehr hämischer Angriffe, in denen geringschätzige Gehässigkeit mit oberflächlicher Unwissenheit um die Palme ringt, polemische Streifzüge in das jenseitige Gebiet zu thun. Daß dagegen die christliche Gelehrsamkeit so ungemein empfindlich ist, ist mir wahrhaft unbegreiflich und erklärt sich etwa blos durch die maßlose Ueberhebung, mit der sie ein jedes Aufbäumen gekränkten Selbstgefühls durch Kolbenschläge niederdrücken möchte. Während die christliche Literatur jahraus jahrein das Judenthum und seine Bekenner in den mannichfachsten Wendungen bis zur Ekelhaftigkeit schmäht, während sie es sich als Verdienst anrechnet, durch das widerwärtigste Missionswesen in die Seelen unvorbereiteter Menschen einzudringen, Millionen verwendet, um das Judenthum zu vernichten, ist sie, die Starke, so reizbar, wenn die Schwächere ein Wort der Entgegnung wagt, und wägt und mißt es, ob es auch anständig genug ist, ihr Ohr nicht zu verletzen. Ich ehre ein jedes religiöse Gefühl, eine jede redlich erwordene Ueberzeugung, um so verhaßter ist mir ein jedes zudringliche Anstürmen dagegen, mag es ausgehn von welcher Seite es wolle, eine jede leichtfertige dünkelhaft auftretende Ignoranz, die Anderer Heiligthümer besudelt, weil sie sie nicht kennt. Und wenn s. g. christliche Gelehrte, die kein unpunktirtes hebräisches Wort lesen können, die sich blos der gebrechlichen Krücke früherer böswilliger oder halbwissender Scribenten zu bedienen wissen, mit souveräner Selbstsicherheit ihre albernen Urtheile auf den Markt bringen, so ist es Pflicht, ihnen das faule Handwerk zu legen. Pflicht wäre es zunächst derjenigen christlichen Gelehrten, denen bessere Einsicht zu Gebote steht; doch diese versäumen es und suchen lieber gleichfalls eine zweifelhafte Stelle auf, um Juden zu bekämpfen, als daß sie der muthwillig Gekränkten sich annähmen. So müssen denn die Angegriffenen selbst das Wort ergreifen. Wo das Recht und die Wahrheit sind, darüber maße ich mir, so tief durchdrungen ich bin von der Wahrheit meiner Ueberzeugung, kein endgültiges Urtheil an, ebenso wie ich von Ihnen ein solches bescheidenes Dahingestelltseinlassen zu erwarten berechtigt bin. Ich meinerseits überlasse es dem Gotte, der die Geschicke der Menschheit lenkt, der der Inhalt der Wahrheit ist, zur reinen Erkenntniß hinzuführen und es nach seiner Weisheit an den Tag zu