Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 4 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 280 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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280 Umschau. halten wir uns an den Vertrauensmann selbst. Ich denke, er müsse es als seine Pflicht erachten, wo es das ihm mitanvertraute Wohl der Stadt oder des Staates gilt, muthig und überzeugungstreu alle klugen Bedenken zu beseitigen und miteinzutreten, um schädliche Personen oder Maßregeln fernzuhalten. Darf es ihm wirklich gleichgültig sein, ob ein zelotischer Pastor gewählt wird, der anmaßend in alle Bildungsanstalten täppisch hineingreift, den Frieden der Bevölkerung durch Nährung des Confessionshaders stört, gleichgültig sein, ob veraltete Einrichtungen gehegt oder gar neu begründet werden sollen? Und sollte der Jude nicht auch der Pflicht eingedenk sein dürfen, müssen, daß er, soweit der Einfluß ihm eingeräumt wird, einer jeden Beeinträchtigung der bürgerlichen und religiösen Gleichberechtigung seines eigenen Glaubens sich entgegenstemme? Man spreche uns doch nicht von der schwächlichen Klugheit, die es gebiete, ja den Juden an dem Bürger nicht hervortreten zu lassen; wo religiöse Fragen vorliegen, muß ein Jeder auch der eignen Fahne treu bleiben, und man wird Das an ihm achten. Der Mißbrauch der Gewalt, der Uebermuth in der Rücksichtslosigkeit gegen fremde Ueberzeugungen erweckt Widerwillen, aber bängliche Scheu, ängstliches Verhüllen der eigenen Meinung bringt nur Mißachtung ein. Rechtmäßiger Gebrauch der Macht, tapferer Muth in Verfechtung der eignen Ueberzeugung verschafft Achtung. Sollte Hr. W. wirklich als Jude der Abstimmung sich enthalten haben, so wissen wir ihm dafür keinen Dank. Klar liegen vor uns wieder die Motive der Herren Bamberg er und Laster. Sie haben bei der Combination von widerstreitenden Gesinnungen, welche ihre Parteirichtung auf ihr Banner geschrieben, für diese Frage dem liberalen Principe, der Achtung für die persönliche Freiheit, das Uebergewicht eingeräumt vor der sonst so gewaltig in den Vordergrund sich drängenden Rücksicht auf nationale Macht und Einheit. Es ist nicht meines Berufes, ein Urtheil zu fällen von Politischen Erwägungen aus. Wohl aber glaube ich die Vermuthung nicht zurückhalten zu dürfen, daß beide Abgeordnete, welche überall sich ihrer Beweggründe ebenso bestimmt und klar bewußt sind, wie sie dieselben geistvoll und schlagend darzulegen wissen, daß sie nicht minder als ihre andern zwei Genossen in dem gegebenen Falle vielleicht von einer innern Mahnung geleitet worden sind, der sie