Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 4 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 275 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau. 275 zarten Sinn entspringt; man betrachtete die Mutter als noch dem Kinde, und somit auch als dem verstorbenen Manne angehörig, solange jenes die Nahrung von ihr zu ziehen hat. Die Aggadah wendet darauf sinnig den Vers (Spr. 23, 10) an: Verrücke nicht die Gränze der Säuglinge (ערלים), und dringe nicht ein in die Felder der Verwaisten. Sie erlaubt sich für diese Anwendung wie für noch andere sittliche Mahnungen, die sie an diesen Vers anlehnt, das Wort עולם in עולים zu verwandeln. Sie geht noch weiter vor, wie kürzlich die Herren Rabbiner Wiener und Brüll in der ״Neuzeit" aufmerksam machen. Wie Zarzah in Mekor Chajim zu Exod. 23, 19 bemerkt, gebrauchte man zu diesem Zwecke auch das Wort ובטווי, das man mit Schin las, so daß es hieß: dringe nicht ein in die Mutterbrust der Verwaisten. Ja, man scheute sich nicht, sogar den Vers in Exodus dahin zu deuten: לא תבעול ״das Junge, nämlich das Verwaiste, solange es an der Milch der Mutter," also bis es 24 Monate alt geworden. Dasselbe hat bereits Raschi im Pardes 21V, und zwar noch mit dem Zusatze, daß in תבטול die Zahl der verbotenen Tage angedeutet sei, nämlich 732, das sind zwei (volle Sonnen-) Jahre und noch außerdem zwei Tage, für deren Hinzufügung wir bei Raschi keine Begründüngen finden. Diese giebt uns Isaak Ha-Levi in Pa'neach rasa zu Ende, indem er meint, der Tag der Geburt und der der Entwöhnung sei noch außer den zwei Jahren mitgerechnet. Für den Vers in den Sprüchen, aus dem die zwei zuvor Genannten das Wort ובשדי anwenden, hält er sich wieder an עולם, das er jedoch nicht עולים, sondern עלם, Knäblein, gelesen wissen will. Auch dem Verse in Exodus giebt er eine etwas andere Wendung, er deutet: Du sollst das Kind nicht verzehren, verderben durch die Milch seiner Mutter, d. h. indem Du sie ihm entziehst. Diese Ergänzung früherer Bemerkungen schließt noch ein anderes wichtiges Moment ein, das hier nur angedeutet werden kann. Wir ersehen nämlich aus Zarzah, daß man, wenn auch aggadisch, die Deutung kannte: das Junge an der Milch seiner Mutter, d. h. so lange es an der Mutterbrust genährt wird. Das ist aber in der That die richtige Erklärung, wie in Ztschr. der D. m. G. Bd. XX S. 554 ff. erörtert worden, worauf wir zu verweisen uns hier begnügen müssen. 15. Juli. 18*