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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1872-01-01 · 4 (1872) · p. Seite 252

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
10 (1872)
Issue
4 (1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 252 (sequence 12)
Language
German
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252 II. Geld oder Geist. im Gebete, die Unwahrheit im Religionsunterrichte, die Erstarrung in den Gemeinde-Institutionen, um nur den seelenlosen Gemeindekörper in seiner Einheit zu erhalten; unterdessen entschwindet dann der Geist und die Theilnahme immer mehr, die faulen Säfte instciren ihn, die Mißgestalungen gewinnen an Breite. Einheit für den ganzen Körper der Judenheit ist das Feldgeschrei in Allianzen und Gemeindebünden, ein goldener Ring umspanne alle die derrenkten Glieder, und Geldsammlungen sollen alle Schäden heilen. Man hält die Gedanken zurück; alle Richtungen sollen ihre Mittel hergeben, um nur Vergängliches, für den Augenblick Entstehendes und im folgenden wieder Entschwindendes aufzurichten. Ein einheitlicher Bund soll die großen und die kleinen Gemeinden, die den Fortschritt begünstigenden und die starr an veralteten Satzungen festhaltenden umschließen, und welche Zwecke sollen damit erreicht werden? Wird der Geist geweckt, wird der Leib geheilt? Nein, der Bettel soll etwas anders organisirt werden. Wohl, es mag zweckmäßig sein ein Einverständniß zu erzielen zur gedeihlicheren Verwendung wohlthätiger Spenden; aber darum dieses ganze Aufheben? darum diese Verdrängung aller Geisteskraft, alles Gedankenlebens, aller regenerirenden Ueberzeugung, darum ein Nivelliren aller Richtungen, darum die Einimpfung krankhafter Abwendung von allem ideellen Streben, darum das Hätscheln der Bornirtheit, die Scheu vor jedem offenen kühnen Worte? Natürlich muß solche Gesinnungslosigkeit faule Früchte tragen. In der einen Gemeinde läßt man ruhig eine trügerische Schein-׳ gelehrsamkeit und -Frömmigkeit walten; was thut's? wenn nur die Einheit gewahrt wird. Doch nein! man rafft sich auf, man muß ja guter Staatsbürger sein, man kann ja nicht einerseits auf dem kurulischen Stuhle sitzen, im Reichstage mit an der Gesetzgebung arbeiten, als Jude seine volle Eingelebtheit in das Volks- und Staatsganze betonen, auf der andern Seite in der Gemeindeverwaltung die Aeußerungen der Absonderung, Bitte um Wiederherstellung eines palästinischen Staates hegen. Man rafft sich auf; mögen andere Lügen immerhin bleiben, Gegensätze gegen das Staatsbürgerthum müssen schwinden. Aber die Geister, die man großgezogen, lassen sich nun nicht bändigen; sie ließen sich Wohl bändigen, aber es fehlt die Widerstandskraft, man hat diese ja selbst gebrochen. Doch es wird eine Auskunft schon gefunden werden, die Leichnamseinheit wird erhalten werden; beruhigt euch, ihr Männer

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