Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 4 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 251 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Geld oder Geist. 251 der zu legen und so die Kraft des Körpers zu erhöhen, dieser als ein seelenloser keine Dauer verheißt, Unwetter und Stürmen nicht Trotz zu bieten vermag. Man kann kein einheitliches Volk herstellen, wenn man blos äußerlich eine bunte Mischung einzelner Körper mit der Kette militärischer Subordination zusammenfaßt und nicht eine Volksseele weckt, die in freier Entfaltung alle Glieder belebt und sie zu einem wahren Ganzen gestaltet. Man kann nicht von der herrlichen Macht eines deutschen Volkes reden, wenn man mit verrotteten Zuständen eines Mecklenburg oder Lippe in brüderlicher Vereinigung gehen will und so den Volksgeist in Dumpfheit zurückschleudert. Das Streben einmüthig und kraftvoll einem Ziele entgegenzugehn, erweist sich als vergeblich, solange man die geistige Knechtschaft durch Begünstigung eines überlebten Feudalismus und Kirchenthums nährt oder auch sie erstarken läßt, weil man ihnen den freien siegreichen Gedanken nicht entgegenstellt, diesen in seiner Aeußerung hemmt, ihn unterbindet. Ueberall zeigt sich das Gedränge, überall das widerwärtigste Hemmniß, überall Zerklüftung und offene Spaltung; nur der Geist eint, ihn im Kampfe Wider die Geistlosigkeit, Wider abgelebte Traditionen, wider faules Herkommen nähren, ist die einzige wahrhaft reale Politik. Zu dieser Einsicht wird unsere Zeit gedrängt, so widerwillig sie ihr folgen mag; die Nothgesetze, die kleinlichen Hülfsmittelchen werden einem großartigen freien Verfahren Weichen, Weichen müssen. Man wird, man muß mit dem Veralteten brechen, das Liebäugeln mit ihm aufgeben, um ernst und entschieden den neuen Gedanken die freie Bahn zu eröffnen. Was sich nun auf dem mehr äußern Boden des Staatslebens so unzweideutig herausstellt, das hat seine Geltung noch in erhöhtem Grade auf dem Felde der innersten Ueberzeugungen, auf dem religiösen Gebiete. Man hat in neuerer Zeit innerhalb des Judenthums vielfach die besondere Aufmerksamkeit auf die Erhaltung des äußeren Zusammenhanges gerichtet mit Jgnorirung, ja mit Hintansetzung, mit Aufopferung aller wahrhaft geistigen Bestrebungen; die Erhaltung des Leichnams erschien als die erste zu verfolgende Aufgabe und man dachte, die Seele werde schon Nachkommen. Aber die Seele flieht unwiederbringlich den immer mehr der Verwesung preisgegebenen Leichnam. Nur wenn der Geist gestärkt wird, erhält er den Körper, strömt er ihm Gesundheit zu, erzeugt er neue Theile, welche die abgestorbenen ersetzen. — Man läßt die Lüge