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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1872-01-01 · 4 (1872) · p. Seite 248

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
10 (1872)
Issue
4 (1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 248 (sequence 8)
Language
German
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248 I. Stille Gedanken. läßt, es der Verwahrlosung preisgiebt, wenn es sich nicht aus eigner Kraft emporarbeitet. Dafür können wir freilich nicht dankbar sein, auch keine rechte Freude daran haben. Abgesehen davon, fühlen sich die Hochgebildeten sehr behaglich bei solchem Zustande, nicht etwa weil nun die Entwickelung ohne hemmende Einflüsse, deren man sich etwa von Seiten des Staates zu versehen hätte, frei vor sich gehen kann, sondern weil ״ein Jeder nun thun kann Was wohlgefällig in seinen Augen ', weil keine Ordnung und kein Zusammenhang und man die weniger ״hochgebildeten" Brüder ruhig fortstoßen kann. Allein wenn die gesetzlose Anarchie waltet, dann drängen sich die schlechten Elemente hervor, und nach Mord und Plünderung muß blutige Abwehr wieder erträgliche Zustände schaffen, die jedoch mit Jammer und Elend erkauft werden. So arg geht es nun bei der religiösen Ordnungslosigkeit nicht zu, aber die finstern Mächte erlangen dann volle Gewalt über die Schwächern im Geiste, die Verdumpfung wächst bis zum Ersticken alles gesunden Denkens, allein die Hochgebildeten fühlen sich davon nicht genirt. Ist das wirklich ein so hoher Standpunkt, dessen man sich zu rühmen hat? Ist da nicht ein gut Stück Ueberhebung, Kaltsinn, Selbstsucht, Trägheit, die hier wirksam sind? Daß diejenigen, welche das Gesetz der Entwickelung in einer, meiner Ansicht nach, übertriebenen Weise statuiren, gar nicht an die Pflege der Mittelstufen denken, ist mir unbegreiflich. Ein schlichter Jude wird nun einmal nicht über Nacht Spinozist und Darwinianer, sowenig das Darwinsche Schlammthier ein Mensch, gar ein gebil- 5deter Mensch der Jetztzeit wird. Sie sollten sich also doch freuen und Mitwirken, wenn der gegenwärtig im Schlamme Befindliche sich, ich weiß nicht zu welchem unvollendeten Organismus entwickeln will, sie sollten nicht so grausam sein ihn weiter im Schlamme waten zu lassen und ihm jede Hülfe zu versagen! Inwiefern die Beibehaltung oder die Aufhebung des Landrabbinats zu P. zweckmäßig ist, darüber läßt sich ohne genaue Kenntniß der Verhältnisse nicht urtheilen. Ich achte die Selbstständigkeit jeder einzelnen Gemeinde, wenn sie in sich ausreichend ist eine solche wahrhaft darzustellen, finde aber die Zersplitterung in die kleinsten Atome nicht für heilsam. Wenn ich nun die Besprechung dieser praktischen Frage als meiner Beurtheilung unzugänglich übergehe, kann ich doch meine Verwunderung darüber nicht unterdrücken, daß Sie so ganz veral-

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