Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 4 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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246 I. Stille Aedanken. daß man sich nicht aus der" Geschichte in das Nichts, das mit größerem Rechte ein ״Zufall" genannt werden kann, weil es ohne den nothwendigen -geistigen Zusammenhang ist, Hineinstürzen darf, und deßhalb bleibt ein Jeder innerhalb der Gemeinschaft, in welche ihn Geburt, d. h. der Zusammenhang der Geschichte versetzt hat. Aber freilich ist damit einem Jeden auch die Aufgabe geworden, die ״Zwangsjacke", die ihn drückt, ja die Andere noch umsomehr drückt, je weniger sie sie als solche fühlen, indem sie dadurch verkrüppelt werden, Körper und Geist unter ihr verschrumpfen, — diese Zwangsjacke zum kleidsamen Gewände umzugestalten. Das ist der Jammer der Gegenwart, daß die sogen. Gebildeten so wenig von der geistigen Noch sich ergreifen lassen, weil sie meist für ihre Person sich von deren nachtheiligen Einwirkungen befreien können oder doch sich davon frei dünken. Ja, das ist ״Jndifferentismus", Gleichgültigkeit gegen die bestehenden geistigen Zustände oder Mißstände, Mangel an Theilnahme für deren, wenn auch allmälige und langsame Besserung, Mangel an bereitwilliger Mitwirkung daran, indem man sich für seine Person hoch darüber erhält. Die Misere kommt aber dann doch riesengroh, und man ist in Verlegenheit, wie abgeholfen werden kann. Das ist das Gebrechen in Men Confessionen. Man hat mit vornehmem Achselzucken die Blindgläubigen aufs Tollste wirthschaften lassen, hat deren Machtkofigkeit gegen die eigenen hohen Ideen — denen blos die muthigM, kampf- und opferbereiten Träger fehlen — verspottet, hat dveo ehrlichen Streiter, welche die geschichtliche Entwickelung im religiösen Leben vertreten, die, ohne das Band der Continuität zu zdrveißen, aus einer abgelebten Vergangenheit in eine frischere Zufünft überzuleiten alle Kraft einsetzten, mit mitleidigem Lächeln betwUchtet, vielleicht gar sie mißtrauisch angeblickt, weil sie nicht mit aPenniAlten gebrochen und doch die anmaßliche Prätention haben VrrMnftig zu sein, worauf man doch allein den Anspruch habe. S8 tpisstn Wohl oder können sich denken, was ich von der alt- WhsHchen Bewegung halte, die, wenn sie nur des alten Mannes iyü<Mm Unfehlbarkeit betrifft, eine recht klägliche Halbheit ist, MHÄ daß ich Döllinger, einen Mann, der ergraut ist in eifriger Apologetik des Papstthums und heftiger Polemik gegen den freien Individualismus, wie er doch zum Theile im Protestantismus seine BöttWtüng findet, nicht für den rechten Reformator halte. Aber Mm-ÄchdKatholik, so würde es mir doch eine Freude sein, jenes