Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 4 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 243 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Stille Gedanken. 243 und in welcher ihn eine unvollkommene Gesetzgebung erhält, der beurtheilt diese Dinge jedenfalls unbefangener und daher aller Wahrscheinlichkeit nach auch richtiger. Es führt mich dies zugleich auf die Stelle in Ihrem Briefe, wo Sie von der letzten Rabbiner- Versammlung sprechen. Sie find von derselben befriedigt zurückgekommen; ich jedoch kann nicht läugnen, daß diese Verhandlungen auf mich einen sehr niederschlagenden Eindruck gemacht haben. Wenn es die jüdische Theologie in ihren freiesten Vertretern noch zu keinem höheren Standpunkte gebracht hat, so ist sie hinter unserer Cultur noch gar sehr zurück. Am bedauerlichsten erschien mir der Syllabus über die Beschneidung. Ich kann es sehr Wohl begreifen, wenn der aufgeklärteste Rabbiner Anstand nimmt, sich gegen diese blutige Barbarei zu erklären und die Dinge ihren Gang gehen läßt. Dagegen ist es mir unbegreiflich, was euch veranlaßt haben kann unaufgefordert die Beschneidung, diesen Faustschlag in das Angesicht unserer modernen Bildung, für einen wesentlichen Bestandtheil des Judenthums zu erklären. Wie sich nun gar die Aufrechthaltung dieses Bundeszeichens mit dem Judenthume als Weltreligion reimt, geht gänzlich über meine Logik. Da seid ihr ungefähr wieder auf den Standpunkt angekommen, gegen welchen Paulus vor circa 1800 Jahren mit genialem Blick und Weltgeschichtlichem Erfolge ankämpfte. Die Sache in Betreff der Rabbineranstellung zu . . . ist noch immer in der Schwebe. Wir haben bis jetzt auf unsere gegen die Fortdauer des Landrabbinats gerichtete Eingabe bei dem Ober- Präsidium noch keine Antwort erhalten, ob in Folge des gewöhnlichen Beamtenschlendrians oder weil man die Sache wirklich ernstlich prüfen will, weiß ich nicht. Die Gemeinde P. speit Feuer, glücklicher Weise ist es jüdisches und kein griechisches. In einer Eingabe an das Oberpräsidium hat man nicht vergessen, die gewöhnlichen Insinuationen über Jndifferentismus u. s. w. reichlich einfließen zu lassen. Inzwischen befinden wir uns in dem Zustande unserer Vorfahren, da kein König in Israel war und wenn wir auch nicht unter Feigenbäumen und Weinstöcken sitzen, so fühlen wir uns bei dem Interim doch ganz Wohl. Antwort vom 1/7. Juli. . . . Natürlich gereichte mir Ihr anerkennendes Urtheil über den Anhang zum dritten Theile meiner Vorlesungen zu großer 16*