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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1872-01-01 · 4 (1872) · p. Seite 242

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
10 (1872)
Issue
4 (1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 242 (sequence 2)
Language
German
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242 I. Stille Gedanken. stehen theilnahmlos daneben und wenden sich von beiden Lagern ab. Sie haben ihre stillen Gedanken, die sie laut zu derkünden keine Aufforderung fühlen, die sie daher auch nicht voll durcharbeiten, die aber doch fest in ihnen wurzeln und die für sie, wo sie zu einer Betheiligung veranlaßt werden, sehr bestimmend sind. Diesen stillen Gedanken müssen wir lauschen, wenn sie uns kündbar werden; wir müssen wissen, wie wir zu den Männern redlicher Geistesarbeit stehen, wir müssen mit ihnen eine Verständigung anbahnen, jedenfalls uns mit ihnen auseinandersetzen. Von besonderer Wichtigkeit aber bleibt es, daß wir diese stillen und doch so weit verbreiteten Ansichten kennen lernen und an ihnen die eigene Ueberzeugung und deren Haltbarkeit prüfen. Zu diesem Zwecke lege ich dem Leser den folgenden Briefwechsel vor. X., 5. April 1872. Was das dritte Heft Ihrer Vorlesungen betrifft, so muß ich mich auf das Allgemeine beschränken, und da muß ich die Schrift in zwei Theile zerlegen. Der Anhang hat mir ganz außerordentlich gefallen, was ich nicht besser auszudrücken weiß, als wenn ich sage, daß seit den besten Tagen Rießers nichts Aehnliches geschrieben worden ist. Was dagegen den eigentlichen Kern der Schrift betrifft, so trennt uns hier eine tiefe Kluft, über die wir Wohl keine Brücke finden werden. Während Sie in dem Christenthume Nichts als Negation sehen und das Judenthum zu einer Weltreligion hinauf schrauben wollen, ist nach meiner Ueberzeugung das Judenthum nie etwas anderes gewesen und hat auch nie etwas anderes sein wollen als die Religion eines bestimmten Volkes, unter allen anderen auserwählt, während das Christenthum, über dessen Jrrthümer wir einig sind, das große Verdienst hat zuerst den Gedanken einer alle Menschen gleichmäßig umfassenden Religion in das menschliche Bewußtsein eingeführt und den auch heute noch unter den Juden nicht ausgestorberän Dünkel einer besonderen Bevorzugung gebrochen zu haben. Hierüber weiter zu streiten wird Wohl zu Nichts führen. Wer sich einbildet aus innerer Anregung Jude oder Christ zu sein, muß natürlich Judenthum oder Christenthum für das höchste halten. Wer aber in der bestimmten Religionsforrn, als deren Bekenner er betrachtet wird, nichts sieht als die Zwangsjacke, in welche ihn der Zufall dex Geburt gesteckt hat

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