Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 4 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 309 (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
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Haschachar. 309 druck aus einer späteren Zeit vorliegt; Rapoport, den das auch anmuthete, verwahrt sich dennoch dagegen, hat eine andere Deutung, die er S. bereits früher mitgetheilt hatte, die er sehr gern durch den Druck veröffentlicht sehn möchte, von der wir jedoch hier Nichts erfahren. — Bei dieser Gelegenheit führt Rap. das vielbesprochene Ereigniß an, welches die Pharisäer bei Johann Hhrkan am Ende seines Lebens in Ungunst brachte und das von Josephus (Alterth. XIII, 10 Ende) und einer alten Baraitha im babylonischen Thalmud (Kidduschin 66 a) ziemlich übereinstimmend berichtet wird. Rap. erkennt sehr richtig, daß die Unzufriedenheit, welche die Pharisäer gegen Johann in sich trugen und die einer ihrer Wortführer unbesonnen aussprach, in der Verbindung der zwei Würden, der des Hohenpriesters und der des Regenten, wurzelte. Der Kampf gegen das Uebergewicht der Priester, welches von eben dieser Vereinigung die reichste Nahrung zog, verschärfte sich immer mehr. Es war daher gewiß der Wunsch aller Pharisäer, daß Johann sich der Hohenpriesterwürde entkleide und damit den nothwendigen engen Zusammenhang mit der Priesterpartei lockere. Was sie jedoch nicht auszusprechen wagten, das enthüllte ein Unbedachter, vom Parteieifer ergriffen, und da ein Vorwand für ein solches Ansinnen gesucht werden mußte, so wurde derselbe noch verletzender für Johann als das Ansinnen selbst, indem die Reinheit seiner Absta! mung in Zweifel gezogen wurde. Diese Baraitha verdient übrigens sicherlich als das älteste nachbiblische, hebräisch sprachliche und historische Denkmal die vollste Beachtung. Ihr Alter bezeugt nämlich der ganze Sprachcharakter, der, wenn er auch einerseits die späthebräischen Worte und Wendüngen, wie sie aus dem Aramaismus eingedrungen, nicht abweist, doch andererseits sehr viel Althebräisches in sich bewahrt in Worten und Satzbildungen, das der späteren Zeit, wie schon der Mischnaspräche, ganz fremd geworden. Die Verbindung durch das Waw conversivum ist z. B. dem späteren Sprachbewußtsein völlig entschwunden, während sie hier sehr geläufig ist. Unter den verschiedenen Ausdrücken, welche dem älteren Sprachgebrauche angehören, hebe ich besonders den Satz hervor: ו/יבדלו חכמי ישראל בזעם die Weisen Israels wurden mit Unwillen entfernt, wie נבדל nicht in der nachbibl. Literatur gebraucht wird, sondern nur Esra 10, 8, und es scheint hier mit den beiden einander entgegenstehenden Bedeutungen des Wortes gespielt zu sein: die Männer, welche sich ״Nibdalim" im guten Sinne als von aller Unreinheit und Mischung