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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1871-01-01 · 4 (1871) · p. Seite 303

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
9 (1871)
Issue
4 (1871)
Date
1871-01-01
Page
Seite 303 (sequence 63)
Language
German
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Haschachär. 303 von Selbstständigkeit, von Kühnheit des Denkens zu erkennen geglaubt; ich will dieses Urtheil auch nicht zurücknehmen. Allein sein Commentar zu den ״Sprüchen", der hier (S. 65 ff. und weiter) abgedruckt, ist durch und durch ungesund und fern von allem nüchternen Verständnisse. Serachiah hat keine Ahnung von dem Charakter der Spruchweisheit, er kann sich nicht darin hineindenken, daß der ״weise" Salomo solche einfache Lehren gebe; die Reihe schöner sittlicher Mahnungen und Klugheitsregeln, die uns das Spruchbuch vorführt, wird von ihm in dem Schmelztigel angeblich philosophischer Läuterung so lange zubereitet, bis daraus in eintönigster Wiederholung die dürftigsten metaphysischen Formeln werden, uns überall die hohlen Abstractionen von Form und Stoff entgegengrinsen, welch letzterer als das verführerische Weib erscheint, vor dessen Verlockungen die Sprüche so oft die Warnung wiederholen. Wir, ״die Schüler der Deutschen", können daher den vornehm geringschätzigen Blick, welchen er uns wegen unserer Vorliebe für den Wortsinn und wegen unserer Unempfänglichkeit für die Symbolik zuwirft (S. 209), recht gleichmüthig ertragen. Erwacht er selbst einmal aus seinem scholastischen Taumel, giebt er im Allgemeinen zu, daß von Cap. 10 an der Sinn in einfacher Weise aufgefaßt werden müsse, so fällt er im Einzelnen doch nur zu oft wieder in seine Unmanieren zurück, und so ist weder für die Auffassung des Buches, dem der Commentar gewidmet ist, noch für die Erkenntniß der Zeit irgend etwas gewonnen^) Es darf nunmehr das Verlangen gestellt werden, daß man den zu bedruckenden Raum schone, 0 Einiges Vereinzelte möge hier noch Erwähnung finden. Der Commentar wurde abgefaßt im Jahre 1299 (wenn es einmal in der Nachschrift ד heißt, so ist dies, entsprechend dem vorangegangenen תשעה, in ט zu corrigiren) in Rom für die dortige Gemeinde, die ״denselben in Abschriften verbreitet, ihn stndirt, seinen Inhalt gelobt und seinen Werth erkannt hat." Dieselbe Gemeinde hat ein halbes Jahrhundert später sich ähnliche Commentare von Schemaria Jkriti anfertigen lassen. Serachiah hat sich der Hülse früherer Erklärer geradezu entschlagen, wie er selbst zu 11, 7 sagt, da er bei ihnen etwas nach seinem Sinne Brauchbares zu finden nicht erwartete; wir finden bei ihm auch keine Anführungen. Zu 14, 14 spricht ec von der Erklärung ״eines der Großen" sehr geringschätzig; wenn in Klammern dabei auf ״Aben Esra" hingewiesen wird, so ist dies wohl Zusatz des Herausgebers. Denn abgesehen davon, daß Ser. offenbar den Namen nicht nenneu will, so gehört ja der unter dem Namen A. E.'s vorliegende Comm. zu den Sprüchen, aus den Ser. wirklich anspielt, bekanntlich dem Moses

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