Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 4 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 302 (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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302 Recensionen. Bungen, Beurtheilung neuer hebräischer Werke; Exegetisches zu Bibel, Thalmud, Midrasch und Aggadah; Mittheilung neuer Ereignisse innerhalb der Judenheit, bibliographische Nachrichten; Briefe berühmter Männer — enthalten, und endlich soll sie auch vollständige ältere Handschriften zum Abdrucke bringen. Die Zeitschrift erfüllt im Allgemeinen die von ihr gegebenen Verheißungen. Ich gehe über den ästhetischen Theil, der in No- Vellen und Gedichten besteht, rasch hinweg; welchen Werth sie für jene Gegenden haben, denen sie zunächst bestimmt sind, vermag ich nicht zu beurtheilen, ein Urtheil von unserm Standpunkte aus über deren dichterische Bedeutung würde daher vielleicht ein ungerechtes sein. Genug, der Herausgeber und sein Publikum finden darin Anregung und Befriedigung, und wir wollen - hoffen, daß sie auch dort allgemein fördernd seien. Ergreifend ist (S. 364 ff.) der Bericht über den Tod einer hebräischen Schriftstellerin. Die junge Frau — sie starb im Alter von 22 Jahren, — Bertha Rabbinowicz (Kreidmann) hatte in der That eine wunderbare Fertigkeit im Gebrauche des neuhebräischen Idioms erlangt. Ein letzter Brief an ihren Vater offenbart ebenso einen idealen Schwung wie häusliche Einfachheit und eine rührende zärtliche Familieninnigfeit; es ist eine acht weibliche Anmuth über die Aeußerungen diefer Frühverblichenen ergossen. Rasch können wir auch über eine zweite Rubrik hinweggehn, ohne jedoch ein ernstes Wort dabei unterdrücken zu müssen; ich meine: die Veröffentlichung alter Handschriften. Man thut des Guten darin in erdrückendem Uebermaße zu viel. Die Herausgabe älterer handschriftlich gebliebener Werke kann nur dann auf Anerkennung Anspruch machen, wenn dieselben wirklich, wenigstens geschichtlich, belehrend sind; allein was sollen sie uns, wenn sie nur unselbstständige Reproduetionen längst überwundener Anschauungen sind, blos wiederholen, was wir aus ähnlichen gedruckten Werken zur Genüge, besser wissen und — als werthlos zur Seite gelegt haben? Wozu uns die unklaren kabbalistischen Philosopheme eines Isaak Latef (Schaar ha-schamajim S. 81 ff. u. sonst) in wörtlicher Ausführlichkeit vortragen, die uns nur ermüden, ohne irgendwie eine neue Gedankenmodification darzulegen? Ich habe früher (vgl. diese Zeitschrift Bd. VII. S. 117 ff.) von Serachiah Ben Isaak Schealthiel nach dem von ihm veröffentlichten Commentar zu Hiob eine verhältnißmäßig günstige Meinung gefaßt, ihn als einen Mann