Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 4 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 301 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Haschachar. 301 richtung angeleitet. Er ist auf sich, der noch ungeübt, angewiesen, er tastet umher, lauscht gierig nach den Offenbarungen des deutschjüdischen Geistes und ist doch nicht vermögend, sie sich ganz zu assimiliren. Weil ihm aber eine eigene Landessprache und eine eigene Volksliteratur fehlt, glaubt er sich umsomehr an das Hebräische anklammern zu müssen, wiegt er sich in dem Wahne, daß sie an seiner Liebesgluth wieder erwärme und zu neuem Leben erwache. Werfen wir einen flüchtigen Blick auf die ganze dortige jüdische Literatur und namentlich auf die hebräischen Zeitschriften, so treffen wir auf eine immer mehr anschwellende Fluth belletristischer Versuche, denen ein ungemessener Werth beigelegt wird. Die heimischen Zeitschriften kranken besonders an den unfertigen staatlichen Zuständen. Es wallet in ihnen ein peinliches Herandrängen an die Staatsmacht, eine unterthänige Schmiegsamkeit, ein Schönthun mit den herrschenden Gewalten, — Bestrebungen, die wir begreifen, die aber nimmermehr in dieser Form zu einer geistigen Belebung führen können. Weit gesunder, anregender und wirksamer sind daher die außerhalb erscheinenden, aber vorzugsweise für jene Gegenden berechneten hebräischen Zeitschriften, welche, trotz den großen Schwierigkeiten, denen ihr Eindringen unterliegt, dort dennoch mit besonderm Wohlgefallen gelesen werden und eine weite Verbreitung finden. Einer solchen erfreut sich besonders das in Lyck erscheinende Wochenblatt ״Hammagid". Nur ist zu bedauern, daß, soweit ich das Blatt kenne und über es zu urtheilen vermag, dasselbe mehr als geschäftliches denn als literarisches Unternehmen behandelt wird, daß es sich weniger die Aufgabe zu stellen scheint zu erziehen und zu erheben als vielmehr sich anzuschmiegen und herabzusteigen. Einer größeren Beachtung Werth erscheint uns ein junges Unternehmen, eine Monatsschrift, von der uns ein zweiter Band vorliegt. In Wien, von Peter Smolensky erscheinend, trägt sie den Titel: Haschachar, die Morgenröthe. Der kurzen Angäbe auf dem deutschen Titelblatte, daß sie ein ״hebräisches Organ" sein wolle ״für Wissenschaft, Bildung und Leben", geht eine weitere Ausführung der literarischen Vorwürfe zur Seite, welche das hebräische Titelblatt enthält. Sie soll wissenschaftliche Ab- Handlungen, geschichtliche Aufsätze, Biographieen, Geschichte der hebräischen Dicht- und Redekunst; Erzählungen Gedichte, Reisebeschrei-