Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 4 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 299 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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Haschachar. 299 unsere sympathische Beachtung; mehr aber noch muß die eigenthümliche Geistesgestaltung die aus ihrer besondcrn Begabung und aus der [in ihr vollzogenen geschichtlichen Entwickelung zu erwarten ist, unfern Blick auf sie lenken. Ein reiches, wenn auch einseitiges, jüdisches Wissen ist unter den Juden der slavischen Länder weit verbreitet, auch eigenartig vertieft, und bei dem nunmehrigen Zusammentreffen mit allgemeinen Bildungselementen, mit deutschen Forschungen und Ergebnissen muß sich hier eine mächtige Zersetzung und Mischung vorbereiten, die in Aussicht stellt, daß von dort aus neue Wege aufgefunden, neue Entdeckungen gemacht werden. Dazu kommt eine dem polnischen Charakter anhaftende schwärmerische Jdealrtät, die freilich oft über das Ziel hinausfliegt, den Boden der Wirklichkeit verlassend, sich in unfruchtbaren Träumereien ergeht, aber auch andererseits eine mächtige zähe Ausdauer verleiht und eine elegische Innigkeit erweckt, welche die Seele mit sanfter und doch so unwiderstehlicher Gewalt umfängt. Die neue Gährung, welche sich in den dort der Bildung nachstrebenden und für sie empfänglichen Bestandtheilen vollzieht, offenbart sich in den hebräischen Zeitschriften, welche aus diesen Kreisen und für sie entstehn. Der Vorgang erinnert ganz von selbst an die ähnlichen Anfänge der sich ausbreitenden jüdischen Geistesbewegung in Deutschland, und dennoch darf seine wesentliche Verschiedenheit nicht übersehen werden, wenn ein richtiges Urtheit ge- Wonnen werden soll. Deutschland war ein altes Culturland, :seine Sprache eine längst gebildete, nur waren die Juden von aller Betheiligung an den erworbenen Gütern geistigen Schaffens wie an der gemeinsamen geistigen Fortarbeit gewaltsam zurückgedrängt. Nun nahm das Volk einen erhöhten geistigen Aufschwung, der auch die Ferngehaltenen unwiderstehlich ergriff, Aussichten für eine günstigere Lage, für An- Näherung an die Gesammtheit des Volkes, für eine edlere Verwerthung des Lebens eröffnten sich und ein neuer Antrieb erwuchs für die möglichste Ausbildung der geistigen Kräfte, ein neuer Sporn sich würdig auszustatten, um voll in das Leben der Gesammtheit einzugehn. Dieses aber war auch ein volles Bildungsleben, das daher von den Höherbegabten unter den Juden ganz angeeignet werden konnte und angeeignet wurde. Sie nun erkannten es als ihre Aufgabe, die Masse mit emporzuheben, sie für die Gegenwart zu erziehen. Dieselbe für allgemeine Bildung, für