Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 4 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 292 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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292 IV. Meir Ha-Levi. theils mit Anlehnung an schwache ihalmudische Stützen, entfernt sich von dem herkömmlichen naiven Glauben, der die sinnliche Umhüllung nicht abstreifte, zu sehr, als daß A. b. D. ihm seinen Beifall schenken konnte. Offenbar aber hatten gerade daran die Gelehrten Lünel's, die Freunde der Thibboniden, die diese schon früher zur Uebersetzung älterer arabisch geschriebener jüdischer religionsphilosophischer Schriften ermuntert hätten, ihr ganzes Wohlgefallen, wie sie denn auch ihr Verlangen nach dem Moreh, in dessen Besitze sie noch nicht waren, zugleich mit den Anfragen ausdrücken. — Ein zweites dogmatisches Bedenken glaubten sie gleichfalls unberücksichtigt lassen zu dürfen. M. hatte nämlich die Lehre von der leiblichen Auferstehung sehr in den Hintergrund geschoben gegen die von der Unsterblichkeit der Seele; er hat die erstere Lehre, die offenbar allein thalmudisch ist, Wohl als Glaubenssatz hingestellt, sich aber weiter nicht mit ihr befaßt, hingegen mit aller Vorliebe die Unsterblichkeit behandelt und die Zustände der ״künftigen Welt" mit allem Nachdrucke dahin geschildert, daß ein körperliches Dasein und körperliche Vorgänge in ihr nicht Statt haben. M. vermied allezeit das Eingeständniß, daß er an die leibliche Auferstehung nicht glaube, erklärte vielmehr, Angriffen gegenüber, die er über diesen Punkt vielfach erfuhr, einen solchen Glauben, der von dem frühen Alterthum her in Israel herrschend gewesen, als selbstverständlich und unverbrüchlich, und schlüpfte doch wieder bald darüber hinweg. A. b. D. ließ sich diese Vertuschung nicht gefallen, während die Gelehrten Lünel's sehr Wohl damit einverstanden waren, die Frage in der Schwebe zu lassen. — Die Verhandlungen, wie sie von der Provence nach Aegypten und wieder zurück geführt wurden, fanden, wie bereits gesagt, ihre rasche Verbreitung, und mit Begierde griff auch unser Meir Ha-Levi, zu dem wir wieder zurückkehren, danach. Mit Begierde, aber nicht mit dem Wohlwollen, das die Provenzalen beseelte. Er stand mit diesen in freundschaftlichem Verkehre; er hatte vielleicht selbst früher die dortigen thalmudischen Hochschulen besucht und zu den Füßen der Lehrer in Lünel gesessen. Jetzt, am Anfänge des dreizehnten Jahrhunderts, stand er als Mann in frischer Jugendkraft, im Verhältnisse voller Selbstständigkeit, wenn auch in geziemender Ehrerbietung zu den dortigen ergrauten Lehrern. Abraham ben David war schon 1199 gestorben, und die greisen Jonathan Kohen (von dem man jedoch Nichts weiter erfährt und der vielleicht während des ein-