Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 4 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 290 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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290 IV. Meir Ha-Levi. gründete Entscheidungen in jenem Werke beziehen. Unter ihnen nehmen eine hervorragende Stellung ein die Anfragen, welche glühende Verehrer aus Lünel, an ihrer Spitze Jonath an Kohen und Aaron ben Meschullam, in hingebendem Vertrauen an ihn richteten. Anfragen und Antworten haben frühzeitig weite Verbreitung gefunden. Sie find in der gedruckten Sammlung unter N. 17—41 enthalten (wo jedoch irrthümlich über zwei verschiedene Gutachten die Zahl 25 gesetzt worden, so daß eine Nummer mehr zu zählen ist; in der Handschrift richtig, und zwar N. 185—210). Gegen 1195ג) haben diese warmen Verehrer des Maimonides nebst ihrer aufrichtigen Bewunderung vor der Großartigkeit des Mischneh Thorah ihre Bedenken gegen einzelne Entscheidungen ausgesprochen, und es ist ihrer Versicherung voller Glaube zu scheuken, daß sie zu diesem Schritte nicht aus kritisirender Lust veranlaßt worden, sondern aus dem Verlangen Belehrung zu empfangen und daß sie von dem hingebendsten Vertrauen durchdrungen waren, der Angefragte werde auch die ihnen auffallenden Feststellungen vollkommen zu rechtfertigen wissen. Sie scheinen zu ihren Anfragen besonders durch das Vorgehen des Abraham ben David aus Posquieres gedrängt worden zu sein, der mit weniger rücksichtsvollem Wohlwollen eine reiche Anzahl von polemischen Glossen zu dem Werke des Maim. veröffentlichte. Aus diesen scheinen sie einige, gegen welche sie nicht selbst irgendwie eine Rechtfertigung der maimonidischen Behauptungen aufzufinden vermochten, ausgewählt zu haben, um über sie sich bei dem Verfasser selbst Raths zu erholen, und sie thaten dies zuweilen genau mit den Worten A. b. D.'s; nur wenige Anfragen fügten sie hinzu, welche wir jetzt nicht bei A. b. D. lesen. Maim. ließ seine Verehrer ziemlich lange warten, woran außer einer schweren Krankheit und der davon zurückgebliebenen Schwäche auch die Unlust, auf Abgethanes zurückzukommen, die Schuld trug. Er läßt die Unlust in dem artigen Begleitschreiben, das den Antworten auf die Anfragen sich anschließt, ziemlich deutlich durchblicken. ״Ihr wißt es — sagt er, wenn wir seine Worte etwas frei, der dichterischen Umhüllung entkleidet wiedergeben — daß ich von früh der Thorah geweiht worden, sie war mein geliebtes Jugendgemahl; dann aber wurden andere Frauen ihre Nebenbuhlerinnen, die zwar Anfangs nur als *) Vgl. mein: Moses ben Maimon. Studien, Heft 1 S. 66 ff.