Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 4 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 288 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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288 IV. Meir Ha-Levi. mudischen Kämpen insgesammt nämlich, unter ihnen auch Meir, waren mit der reinlichen Zusammenstellung der Resultate, mit dem ein für alle Mal vollzogenen Abschlüsse der grübelnden Discussion, wie sie Maimonides mit jenem Werke beabsichtigte, keineswegs zufrieden; sie fanden gerade in der fortdauernden Verhandlung über die aufgeworfenen gesetzlichen Fragen ihren Lebensinhalt. Nun hatte aber noch dazu Maimonides sehr aufgeklärte dogmatische Ansichten eingestreut und sie mit dem thalmudischen Ansehn bekleidet. Dies steigerte die Unzufriedenheit, so daß sie in harten Ausbrüchen sich kund gab. Maimonides wollte allerdings, indem er die zerstreuten Bestimmungen in ein logisch gefügtes Ganzes ordnete, aus den abweichenden Meinungen und verschlungenen Discusfionen ein endgültiges Resultat aufstellt, daß von nun an keine weitern Untersuchungen angestellt werden, datz man sich mit dem so Festgestellten als thalmudischer Quintessenz begnügen möge und weiter nicht danach frage, wer die Urheber der oder jener Meinung, der hin und her sich windenden Begründung seien. Er wollte jener Aufzehrung von Geist und Zeit, die doch nur insofern einen Werth haben könne, als man ein praktisches Ergebniß für das gesetzliche Verhakten daraus gewinnen wolle, ein Ende machen, indem er das praktische Ergebniß in seiner Ablösung von aller unnöthigen Zuthat darbot. Er ließ daher auch die Namen der alten Autoren zurück und gab die Quellen nicht an als Belege für seine Entscheidungen; man sollte eben nicht auf sie zurückkommen. Auch für sich selbst dachte er mit diesem Studium abgeschlossen zu haben, um sich höheren philosophischen Fragen ausschließlich zuzuwenden. Allein er hatte dabei übersehen, daß die zahlreiche Menge der gelehrten Kenner des Thalmuds sich keineswegs bei seinem Abschlüsse befriedigen, vielmehr immer weiter nach wie vor sich mit den Quellen beschäftigen werde, daß man werde wissen wollen, worauf sich dieser oder jener von ihm gethane, nicht von selbst einleuchtende Ausspruch stütze, oder gegen seine Entscheidungen Einwendungen erheben werde, welche in einem so verwickelten Complexe von Diseussionen nur zu oft ihre Anhaltspunkte zu finden vermochten. Maimonides kam dadurch in manche Unannehmlichkeit. Er hatte sich, wie gesagt, dem Gebiete etwas abgewendet und konnte daher nicht immer alsbald auf die Anfrage nach der Quelle Bescheid geben, wenn dieselbe, wie dies nicht selten der Fall, an einem entlegenen Orte sich befand,