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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1871-01-01 · 4 (1871) · p. Seite 285

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
9 (1871)
Issue
4 (1871)
Date
1871-01-01
Page
Seite 285 (sequence 45)
Language
German
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IV. Meir Ha-Levl 285 Man wird unferm M. nun die Zustimmung nicht versagen können zu seiner Behauptung, daß die Thalmudisten es mit allen diesen Aussprüchenund Erzählungen ernst gemeint haben, so seltsam sie auch uns klingen mögen. Aber überrascht sind wir, daß ein denkender Mann an diesen Dingen keinen Anstoß nahm, vielmehr auf die Autorität der Thalmudisten hin auch für seine Person daran festhielt. Und ein denkender Mann war Meir Ha-Levi, so daß er sich bei andern Stellen doch dem naiven Glauben, den die Nordfranzosen bewahrten, entwand und zu Umdeutungen seine Zuflucht nahm, wodurch er denn den Vortheil der Consequenz einbüßte. Ja, Meir konnte als gebildeter Spanier den Einfluß seiner Zeit nicht ganz von sich abwehren und mußte sich dazu bequemen, für manche Aussagen die wörtliche Auffassung abzulehnen. Das gilt besonders, wo von Gott in körperlicher Weise gesprochen wird. So weist er zu 38d den Gedanken ab, als habe Gott einen Stuhl, auf dem er fitze, und sucht die sinnliche Vorstellung zu vergeifügen; ebenso verfährt er mit dem Ausspruche (99a), Gott habe die Zeit der Herankunft des Messias seinem Herzen, aber nicht seineu Gliedern offenbart; wenn gesagt wird (102a), Gott habe den Jerobeam am Kleide erfaßt und ihm versprochen, mit ihm und David zusammen im Paradiese zu lustwandeln, so hält er dies blos für ein Traumgesicht. — Wenn Gott dem Sanherib als alter Mann erschienen sein und gar Seltsames mit ihm vorgenommen haben soll (95 V), sagt M., das heiße, Gott habe ihm einen alten Mann zugesandt. Auch sonst, wenn die Vollkommenheit Gottes in seinen Eigenschäften gefährdet erscheint, nimmt er keinen Anstand Umdeutungen vorzunehmen. Gegen die wörtliche Erklärung der Stelle 98a, die z. B. Raschi festhält, erhebt er sehr energischen Protest. Dort deutet ein Thalmudist die Worte des Jeremias (30, 6): ich sah jeden Mann (כל ,נבר) die Hände auf den Hüften wie eine Gebärenn, dahin, damit sei der gemeint, bei dem alle Macht (כל גבודד) ist, und er meint sicherlich darunter Niemanden anders als Gott selbst. Für eine solche Erklärung aber, sagt M., werde man einst Rechenschaft zu geben haben, vielmehr sei darunter nur selbst der tapferste Mensch zu verstehn. Wenn daselbst fortgefahren wird, daß es Gott schmerze, die andern Völker vor Israel zu verdrängen, ״sind ja auch sie meiner Hände Werk^, so will damit M. in Gott nicht ein Bedenken und Zweifeln zugeben und sucht er den

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