Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 4 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 283 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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IV. Meir Ha-Levi. 283 mußte er verstimmt und schroff werden, sich hart und bitter auslassen, und das ist es Wohl, was ihm von den Gegnern, zumal von den enthusiastischen Verehrern des von ihm bekämpften Maimonides den Vorwurf des Stolzes, hochmüthiger Selbstüberhebung zuzog. Eine unparteiische Geschichtsbetrachtung wird in ihm einen Mann zu würdigen wissen, der mit nicht genügender Kraft der Strömung der Zeit sich widersetzen wollte und bei mancher richtigen Einsicht nach zwei Seiten hin sich in Unklarheit bewegte. Meir Ha-Levi hatte nüchternen Blick genug, um die künstlichen Deutungen, mit denen man so mancher Aggadah ihren seltsamen Inhalt nehmen und ihr einm andern Sinn aufnöthigsn wollte als erzwungen und unwahr zu erkennen und abzuweisen. Wenn z. B. 1) einige babylonische Thalmudisten sich darin gefallen, dem Urvater Adam die ärgsten Frevel anzudichten, Einige ihn für einen Ketzer, einen Erzabtrünnigen ausgeben, ein anderer ihn zum Epispasten macht und Alle zur Begründung ihres Ausspruches Bibelstellen heranziehen (Sanhedrin 38 d), so wollte Chananel dies nicht gelten lassen, meinte vielmehr, die thalm. Lehrer hätten hier Ansichten von gegnerischen Ketzern wiedergegeben, zu deren Widerlegung sie aufgefordert. Meir will nun zugeben, daß CH. es recht gut gemeint, aber der einfache Sinn der Gemara widerstrebe seiner Deutung, die angeführten Bibelstellen seien zwar keine vollgültigen Belege, enthielten jedoch genügende Andeutungen, und wenn CH. es unerträglich finde, daß die Thalmudisten dem Adam solche Frevel beilegten, so habe dies für ihn kein Bedenken; habe es sich so Verhalten, so durfte es auch ausgesprochen werden. — Das. 65 b wird berichtet, Raba (oder wie Meir liest: Rabbah bar Nachmani) habe einen Menschen geschaffen; da stimmt M. keineswegs dem Versuche bei, jene Ungeheuerlichkeit zu beseitigen durch die Erklärung, das sei nur ein Blendwerk gewesen, er nimmt es vielmehr buchstäblich weder, daß diese Geschichten von Epiphanius herrühren, noch daß der Knabe der spätere Prophet Jonah gewesen, eine Annahme, welcher ich auch dann nicht zustimmen würde, wenn sie von Epiphanius vorgetragen wäre." Er versetzt nämlich Jonah in die Zeilen des Pekach b. Remaliah und des Iotham, bis dahin aber seien vom Anfänge der Regierung Ahabs gegen 170 Jahre. *) Die folgenden Beispiele sind dem Commentare Meir's zu Sanhedrin entlehnt, welcher in Salonichi 1798 unter dem Titel יד רנ7ה erschienen ist.