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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1871-01-01 · 4 (1871) · p. Seite 274

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
9 (1871)
Issue
4 (1871)
Date
1871-01-01
Page
Seite 274 (sequence 34)
Language
German
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274 XL Ein theologischer Briefwechsel. Ausprägung in's Auge fassen. Allein ist es schon sehr mühsam, den richtigen geschichtlichen Einblick in die nachbiblische Zeit zu gewinnen, zumal in die weiter zurückliegende, schon in die thalmudische, besonders in die Zeit der Periode des zweiten Tempels: so ist die Geschichte der biblischen Zeit, meiner Auffassung nach, die der Deinigen ganz conform ist, noch vollständig ein versiegeltes Buch, und so sehr ich die Forschungen der christlichen Gelehrten in diesem Gebiete achte, so sind sie blos Anbahnungen, die oft auch völlig ausschreitend sind, nimmermehr aber es zu wirklichen Resultaten gebracht haben, nicht blos nicht zu positiven, sondern auch nicht zu den richtigen negativen. Sie Verhalten sich zu ihnen äußerlich, dringen nicht in den innern Lebensgang, in den eigentlichen Gehalt, die geschichtlichen treibenden Kräfte, die geistigen Motive ein. Deine Aufforderung nun, daß ich mich diesen Forschungen zuwenden solle, und Dein Vertrauen, das Du mir dabei aussprichst, sind mir sehr schmeichelhaft, und ich hoffe, im Laufe der Zeit etwas bieten zu können, was vielleicht Deinen Anforderungen in etwas entspricht. Seit den Studien nämlich, die meine ״Urschrift" vorbereitet haben, bin ich, wie natürlich, in diese Materien immer weiter vorgedrungen, ich glaube in das Innere mancher dunkeln Partiren eine klarere Einsicht gewonnen zu haben, ich habe auch vielfach in Aufsätzen darüber Andeutungen gegeben, aber ich habe mich noch immer vor einer umfassenden Behandlung gescheut wegen des Umfanges und der Schwierigkeit der Forschungen. Nun aber bin ich von selbst in den Gegenstand hineingekommen und darf hoffen, mit Muße meine Vorarbeiten zu machen, dann sie reifen zu lassen und an ihnen zu feilen .... Daß diese umfassende Forschung, abgesehen davon, daß sie, als ich meine ״Urschrift" ausarbeitete, noch kaum von mir begonnen, geschweige abgeschlossen war, nicht in einem Capitel dieses Buches, das sich überhaupt mit der Geschichte der vollendeten Bibel und nicht mit der von deren Entstehung befaßte, abgemacht werden konnte, hast Du Wohl selbst bemerkt, und es wird sich Dies noch mehr Herausstellen, wenn es mir gelingen wird, meine Ansichten über letzteren Gegenstand im Zusammenhänge darzulegen. Allerdings hängt Entstehungsgeschichte mit Traditionsgestaltung und noch späterer Ueberarbeitung eng zusammen; dieselben Anschauungen und Tendenzen liegen allen diesen Thätigkeiten zu Grunde,

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