Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 4 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 269 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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TL Ein theologischer Briefwechsel. 269 gekommen). Von Engeln wird schon vor der persischen Zeit gesprochen, sie nehmen einen breiteren Raum ein von dieser Zeit an, es werden einzelne Namen ausgenommen, doch vollständig hebraisirt. Aber welche Folge hat Dies für das ganze religiöse Leben, für die religiöse Uebung? So gut wie keine. Die Klassen und Zeiten, welche dem Aberglauben, der phantastischen Schwärmerei die Herzen öffneten, haben auch die Engel mit in ihre abenteuerlichen Ausgebürten ausgenommen; die nüchterne, dauernd herrschende Richtung hat sie ruhig dahingestellt sein lassen und ihnen nur soweit einen Zugang gestattet, als ein Anhalt dafür in der ältesten Zeit schon vorhanden war, ohne daß die Institutionen davon berührt wurden. Man blieb sich dessen bewußt, daß ein altes heimisches Gut mit fremder Zuthat ausgestattet worden und hielt die Erinnerung fest, daß ״die Namen der Engel von Babel gekommen^, und die Saddueäer verwarfen daher auch den Glauben an sie. Wenn die Pharisäer, wundersüchtiger, sich der breiteren Entwickelung der Engellehre nicht verschlossen, so haben sie dennoch bei dieser Differenz nicht, wie bei anderen, eine demonstrative Ausprägung und Feststellung den Sadducäern gegenüber vollzogen. Von weit größerer Bedeutung ist die Herübernahme des Glaubens an die leibliche Auferstehung, תחית הבלתים, aus dem Parsismus. Auch hier Verhalten sich die Saddueäer abwehrend, während die Pharisäer diesen Glauben mit aller Entschiedenheit betonen und ihn zum Glaubensschiboleth erheben. Ich will nicht besonderes Gewicht darauf legen, daß, soweit mir bekannt, dieser Glaube dennoch keinen Satzungswuchs hervortrieb, daß keine Institution zu seiner Ausprägung und in Veranlassung von ihm festgestellt worden; ich will auch nicht untersuchen, ob die mannigfachen einzelnen Wiederbelebungen, von denen frühere Wundergeschichten berichten, die genügende Handhabe waren, um diesen Glauben als aus vorhandenen Annahmen entwickelt zu begreifen. Allein hervorzuheben ist, daß die ganze Anschauung innerhalb des Judenthums ihren Halt lediglich in der Messiaslehre hatte, d. h. in der Sehnsucht nach einer Erlösung aus dem bürgerlichen Drucke der Gegenwart, nach der Selbstständigkeit und der Herrlichkeit des jüdischen Volkes. Diese Sehnsucht steigerte sich zur Hoffnung und zur Zuversicht. Diese Zuversicht begründete die Ueberzeugung, daß eine neue Welt erstehen werde, in welcher die Gedanken des Judenthums und die Träger dieser Gedanken zur allgemeinen und anerkannten Herrschaft