Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 4 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 267 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Ein theologischer Briefwechsel. 267 der Bibel." Sollte da nicht ein Kapitel vorhergehen mit der Ueberschrift ״der Ursprung der Bibel und besonders des Pentateuchs"? Freilich ist dieser Gegenstand nicht in Einem Kapitel zu behandeln; er würde ein Buch, ja Bücher erfordern. Was nun das Kapitel ״der Ueberarbeitung" betrifft, so komme ich vielleicht in einem nächsten Briefe darauf zurück. 4. Antwort, Berlin, 3. November 1871. Wie sehr Deine Antwort vom 31. v. Mts. mich erfreut hat, beweise Dir der Umstand, daß ich alsbald zur Beantwortung schreite, sollte ich auch — wie wahrscheinlich — damit heute nicht zum Ende kommen. Diese herzliche gegenseitige Annäherung auf der Höhe des reifen Lebensalters, anknüpfend an freundschaftliches und dennoch nur vorübergehendes Begegnen in der Zeit der Jugend, dieses Gefühl einander anzugehören und immer angehört zu haben, wenn auch ein schweigsames Vierteljahrhundert unter dem mannichfachsten Lebenswechsel, unter räumlich wie dem Zwecke nach auseinanderliegenden Bestrebungen, ohne alle persönliche Berührung sich in die Mitte hineingelegt — das hat etwas Geist und Herz ungemein Erfrischendes. Das find mir Bürgschaften selbstständigen, Zeit und Raum überwindenden geistigen Seins und Wirkens, die mich über allen materialistischen Plunder, der sich in der Gegenwart — neben den tiefsten und fruchtbarsten Bestrebungen — in seiner Verflachung so breit macht, mit Zuversicht erheben. Habe daher Dank für Deine verhältnißmäßig rasche Antwort nach meiner unverantwörtlich langen Zögerung, die jedoch lediglich in der Ueberfülle des zu verhandelnden von Dir aufgeregten Gedankenstoffes ihre Ursache hatte, indem ich mir nicht zutraute, ihn innerhalb des engen Briefrahmens zu bewältigen. Zu meiner Freude sehe ich nun, daß wir bereits in der Verständigung einander sehr viel näher gerückt, daß wir im tiefsten Grunde einig sind und wir eigentlich dieselben Gedanken nur verschieden nüaneiren, und das wird bei selbstständig Denkenden immer der Fall sein und bleiben. Während der Eine mehr die eine Seite in den geschichtlichen Factoren, in den Strömungen der fluctuirenden Bewegung hervorhebt, tritt dem Andern die andere Seite mehr in den Vordergrund der Betrachtung, und das ist nothwendig und heilsam, damit eine jede Richtung in der Ent- Wickelung, eine jede leitende Kraft zu ihrer Berechtigung und An-