Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 4 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 264 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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264 II. Ein theologischer Briefwechsel. staltung unseres Gottesdienstes hin nehmen, erörtert, daß ich weiter mich darüber auszulassen für überflüssig halten darf. Das ist nun eben der wnpn לוח (der heilige Geist), den sich nach Deinem Verlangen die heutigen Lehrer des Judenthums viadieiren sollen; es ist der in dem Judenthum fortwirkende lebendige göttliche Geist. Wäre er nicht in ihm, sie könnten ihn nicht hineintragen. Wäre er völlig in der nachbiblischen Zeit erstickt worden, der abgerissene Faden ließe sich nicht wieder anknüpfen, und es ließe sich nimmermehr beginnen, wo ein Jesaias und Jeremias aufgehört haben. Die geschichtliche Continuität läßt sich nun einmal nicht aufheben. Aber, Gott Lob, es ist auch nicht nöthig, und die Thalsachen beweisen, daß, wenn auch die Entwickelung nicht mit jener Raschheit vor sich geht, welche die Erleuchteteren wünschen, wenn^auch selbst nach einem tüchtigen Rucke die Schwere des ererbten Stoffes, der mit der Zähigkeit der Gewohnheit sich festhält, gewaltige Hemmungen anlegt, zuweilen gar scheinbare Rückschritte bewirkt, doch unmerklich allmälig das Ganze mit fortbewegt wird. Du gehst schließlich auf Entlehnungen aus dem Parsismus ein, und ich kann Dich dafür nur auf die reiche Zusammenstellung bei Schorr in He-Chaluz VII. und VIII. verweisen, wo sich auch die von Dir angemerkten Einzelheiten finden . . \ . 3. Von M. in S., 31. Oct. . . . Ich muß nun, schon zu meiner eigenen Rechtfertigung, an die frühere Mittheilung anknüpfen und die dort ausgesprochene Ansicht näher erläutern. Wenn ich dabei Dein jüngstes Werk ״Vorlesungen über Judenthum und seine Geschichte" zum Gegenstand nahm, so hat dieses nicht darin seinen Grund, weil es eben das jüngste ist, oder, wie Du zu glauben scheinst, daß mir Deine frühern bedeutenden Arbeiten, wie ״die Urschrift, das Lehr- und Lesebuch zur Sprache der Mischnah" unbekannt geblieben seien. In diesem Falle wäre es eine nicht zu rechtfertigende Anmaßung meinerseits, über so hochwichtige Fragen mit dir in Discussion zu treten. Es hatte dieses einen ganz andern Grund. Weil Du nämlich in diesem Deinem letzten umfangreichen Werke, so zu sagen das Resultat Deiner Forschungen über Judenthum und seine Ge-