Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 4 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 261 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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n. Ein theologischer Briefwechsel. 261 in den sonstigen während eines langen Zeitraums erschienenen meist kleinen Schriften. Sie alle finde ich in Deinem Briefe nicht blos nicht erwähnt, sondern ich kann auch nicht die geringste Bekanntschaft mit dem Inhalte wahrnehmen. Selbst bei einer nur oberflächlichen Bekanntschaft mit den wichtigsten derselben hättest Du doch schwerlich den Satz niederschreiben können: ״Ich hätte gewünscht, daß Deine Muse etwas höher gestiegen wäre in der Zeit, daß Du nämlich statt des Mittelalters die Periode vom Exil bis zur Entstehung der Schulen zum Gegenstand Deiner Forschung gemacht hättest." Ich will nun nicht darauf Hinweisen, daß bereits meine ältere Zeitschrift die von der früheren ganz abweichende, jetzt fast so gut wie überall durchgedrungene Auffassung des Pharisäismus, d. h. des dem Thalmudismus innewohnenden, wenn auch oft latenten Princips der Fortbildung als einen Grundgedanken der neueren reformatorischen Bestrebungen, zugleich als Grundlage für deren Berechtigung von vorn herein aufgestellt hat, daß gleichfalls in ihr die Abhandlung über ״das Verhältniß des natürlichen Schristfinnes zur thalmudischen Schriftdeutung" in das alte Interpretationswesen tief eingeht, daß ferner mein ״Lehr- und Lesebuch zur Sprache der Mischnah" die Erkenntniß eröffnet — welche denn auch zur allgemeinen Geltung gekommen —, daß Mischnah und Gemara auf verschiedenen Standpunkten fich befinden, erstere daher einer selbstständigen Erklärung bedarf. Abgesehen von diesen und ähnlichen älteren Arbeiten habe ich in meiner ״Urschrift" und seitdem (1857) in vielen den Gegenstand weiterführenden Abhandlungen wie über Sadducäer und Pharisäer, über alte und neue Halachah, namentlich über Mechiltha und Sifre, über die Jerusalemische Gemara (wo besonders auch die Aufsätze in he-Chaluz und Ozar nechmad zu beachten), über den Zusammenhang der Samaritaner mit der älteren jüdischen Richtung (dies namentlich in der Ztschr. der D. m. G.), über Maleachi und den jüngeren Jesaias u. s. w. u. s. w. in längeren und kürzeren Arbeiten, wie sie in reicher Anzahl meine Zeitschrift enthält, Themata besprochen, die allesammt und eingehend jene ältere Periode behandeln, und nur nebenher habe ich seit 1857 hie und da der späteren mittelalterlichen Zeit meine Aufmerksamkeit Zugewendet. Jedenfalls wäre hiermit vollkommen Deinem Wunsche genügt in Beziehung auf den Kreis wissenschaftlicher Probleme, dem Du meine Thätigkeit gewidmet sehen möchtest, und es kann mir daher nur sehr auffallend sein,