Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 4 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 259 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Ein theologischer Briefwechsel. 259 » denken könne? Ich weiß nicht, wie und nicht wann es kommen wird, aber ich weiß, daß es kommen muß, wenn es in Zukunft noch ein Judenthum oder eine Religion überhaupt geben soll. Viel muß auch noch geschehen, bis es kommen kann, viel hinweggeschafft werden, um für das Neue Raum zu gewinnen. Die geschichtlichen Momente, welche die nachexilische Fortbildung des Judenthums veranlaßt haben, sind noch lange nicht genug erforscht. Darum hätte ich gewünscht, daß Deine Muse, mit Virgil zu reden, etwas höher gestiegen wäre, nicht in der Begeisterung, sondern in der Zeit, daß Du nämlich statt des jüd. Mittelalters die Periode vom Exil bis zur Entstehung der Schulen zum Gegenstand Deiner Forschung gemacht hättest. Aus dem Exil stammt die s. g. Tradition, und wie der Aufenthalt in Babylon wesentlich zum Siege des Monotheismus beigetragen, so datiren von dort her eine Masse Institutionen. Der Talmud giebt zu, daß man die Namen der Monate und der Engel von Babylon nach Palästina mitgenommen habe. Man hat noch viel mehr mitgenommen. Ich will hier nur auf einige Kleinigkeiten (vielleicht Splitter für Deine Zeitschrift) aufmerksam machen. Lange wußte ich nicht, woher der Gebrauch rührt, die Nägel nicht nach der Reihe der Finger, sondern sprungweise zu beschneiden. Ich weiß nicht, ob der Talmud^) oder der Schulchan-Aruch diesen Gebrauch erwähnt. Vorhanden und von den orthodoxen Juden beobachtet wird er und Albudraham am Ende führt ihn an mit der aus Wortanfängen gebildeten Regel: ק׳וטוא בלא תירוץ. Da lese ich in Zend-AvestaJescht-SadesH.VII: ״Wenn man sich die Nägel beschneidet, wohin kommt der Abgang? Man nimmt zuerst den Goldfinger, alsdann den vierten, sodann den kleinsten, längsten, Daumen. Dazu wird ein besonderes Messer gebraucht. Die abgeschnittenen Nägel werden in ein Papier gewickelt und in ein Loch geworfen." Vor dem Essen betet der Parse: ״Gelobt sei Ormuzd, der reine Heerden geschaffen hat, Wasser und reine Bäume, Licht, Erde und Güter aller Art. Idiä. XLII." Beim Wasserlassen spricht der Parse: ״Das ist Ormuzd's Willen", indem er sich 3 Gams von dem Orte entfernt hält, und sich dann mit trockener Erde reinigt. Beim Anblick der Gebirge, Meere, LII, beim Einschlafen und beim Waschen, beim Thiereschlachten sind die Benedictionen der Parsen mit den jüdi- [*) Vgl. Niddah 17a, Moedkaton 18a, ha-Chaluz VII S. 42 X. 13. G.s 17*