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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1871-01-01 · 4 (1871) · p. Seite 256

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
9 (1871)
Issue
4 (1871)
Date
1871-01-01
Page
Seite 256 (sequence 16)
Language
German
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256 II. Ein theologischer Briefwechsel. natürlich mit der Uebernahme eines schweren Amtes aufhören. Ich bin aber darum in der Wissenschaft des Judenthums nicht stehen geblieben, bin der Entwickelung derselben gefolgt und habe namentlich Dich auf Deinem rühmlichen Gange auf Schritt und Tritt begleitet. Es ist mir, meines Wissens, nichts entgangen von Allem, was von Dir öffentlich erschienen ist. Ich gestehe Dir aber offen und ehrlich, daß mir nicht Alles gefallen hat. Es hat mich der erste Theil Deines ״Judenthum und seine Geschichte" gar nicht, und der zweite (mit der Lektüre des dritten bin ich eben beschäftigt) nur zum Theil befriedigt. Wenn Du in der fünften Vorlesung sagst: ״Blutige Opfer und Priester-seien nicht der Wurzel des Judenthums entsprossen, seien blos geduldet worden" u. s. w.,-so ist dies (nimm mir den Ausdruck nicht übel) Schönfärberei. Das Opfer hat bei den Juden denselben Ursprung, wie bei allen anderen Völkern auf der ersten Stufe religiöser Bildung. Es war die erste, naive, kindliche Bethätigung des gottesdienstlichen Gedankens und der gottesdienstlichen Empfindung. Es wurde auch nicht, wie Du sagst, ״blos dargebracht, um den Zorn des Allmächtigen abzuwenden, sondern auch, um ihm seine Liebe und seinen Dank thatsächlich auszudrücken (Beispiel: das Opfer der Eltern Samuels), und wurde allmälig auch ein Hebel der Sittlichkeit dadurch, daß alle Vergehungen, die nicht Gegenstand öffentlicher Untersuchung sein konnten, sondern Sache des ׳Gewissens sind, symbolisch gerügt und gesühnt wurden durch Schuld- und Sündopfer. Ov Xvaiv ä{1aQrr1{1dT0)V alX i710[AV1]Gtv avagy^fiaTOiV. Philo de vita Mosis p. 689. Eben so wenig stimmt die Behauptung, daß das Opfer nach der Rückkehr aus dem baühl. Exil seine Bedeutung verloren habe, mit der Geschichte überein, da es erst um diese Zeit so recht seine Bedeutung gewonnen. Wissen ja die Propheten, die damals gelebt haben, nichts anderes als Priesterpflichten und Opfergesetze einzuschärfen, und die Bücher der Chronik den Tempelcultus nicht laut genug zu Preisen. Auch damit kann ich nicht übereinstimmen, daß mit der Zerstörung des Tempels die Opferidee sich völlig erschöpft gehabt habe. Wurden ja eine Menge Institute, die selbst nach der Ansicht des Talmuds ihre Bedeutung verloren hatten, blos deswegen beibehalten, נלדדד! יבכה בית דמק־דעג (der Tempel könnte bald wieder erbaut werden). Werden doch alle aus früherer Zeit stammenden Gebete mit Wünschen um Wiederherstellung des Tempels versetzt! Ertönt doch noch zur Stunde das ״Bringt

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