Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 4 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 255 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Die jüdische Gemeinde Berlin. 255 Genossenschaft oder -Gemeinde, mag man über einzelne ihrer Maßnahmen noch so sehr abweichend urtheilen, jedenfalls ein Denkmal entschiedenen Geistesdranges, energischen Willens, beharrlicher Ausdauer. Aber gerade aus dieser Thatsache erfahren wir, wie wenig es der Gesammt-Gemeinde gelungen war, strebsame und edle Geister an sich zu fesselst, sie fest in sich einzugliedern. Sie hat einen Riß verschuldet, der erst dann völlig geheilt sein wird, wenn die Verschmelzung zur vollendeten Thatsache wird. — Auch diese Zeit der Halbheit, der Unsicherheit im Wollen, des Unvermögens im Können, ist verschwunden und überwunden. Die Gemeinde hat das Vollgefühl ihrer Kraft und ihrer Aufgabe wieder. gewonnen; sie ist dessen inne, daß sie das Versäumte nachholen, die edlen Güter, welche sie eine Zeit lang vernachlässigt, mit doppeltem Eifer pflegen, daß sie des reichen Vorrathes an geistigen und materiellen Mitteln sich würdig zeigen, die Stellung, die ihr in der Judenheil gebührt, die Führerschaft, welche ihr die neuen geschichtlichen Ereignisse in erhöhtem Maße zuweisen, erringen muß. Sie erringt sie aber, wie um dieselbe Zeit im vorigen Jahrhundert, nur wenn sie die Fahnenträgerin des Geistes ist, wenn Männer der Wissenschaft wie der Verwaltung, die Inhaber reichen Besitzes wie alle Glieder ein Band liebevollen Eifers zur Förderung des Geisteslebens, Zu dessen hochherziger Pflege, zur gesunden Ausprägung geläuterter Grundsätze in Lehre und Leben, im eigenen Hause, wie an der Stätte der Gottesverehrung, umschlingt. Unter diesem Zeichen tritt nunmehr, Gemeinde Berlin, den Gang an in Dein neues Jahrhundert; es wird ein Siegesgang sein! 10. December. II. Ein theologischer Briefwechsel. 1. Von M. in S., 14. August. Dein Brief aus Norderney muthete mich wie Frühlingslust an, denn er versetzte mich in meine Jugend zurück, wo ich mit gelehrten Freunden wissenschaftlich verkehrte, - Ideen und Meinungen austauschte und darin eine hohe Befriedigung fand. Das mußte