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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1871-01-01 · 4 (1871) · p. Seite 253

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
9 (1871)
Issue
4 (1871)
Date
1871-01-01
Page
Seite 253 (sequence 13)
Language
German
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IRI
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I. Die jüdische Gemeinde Berlin. 253 hier 1819 seine verdienstliche Thätigkeit als Verfasser der ״Geschichte der Israeliten" begann, so erstand um dieselbe Zeit der ״Verein für Cultur und Wissenschaft der Juden", sowie die ״Zeitschrift für Wissenschaft des Judenthums", letztere unter der Leitung und mit reicher gediegener Betheiligung von Leopold Zunz, den wir noch heute als hervorragenden Altmeister in unserer Mitte zu besitzen uns erfreuen. Eine neue Methode, frische Forschungen, tieferes Eingehen machte sich geltend, es wurde mächtig geweckt, gegraben und gesichtet, Schutt weggeräumt und die Massen geordnet. Wir verdanken diesen Versuchen, welche von jüngeren Kräften unternommen, von älteren, wie Friedländer und Bendavid, unterstützt wurden, sehr viel; die ganze spätere reiche und sich vertiefende Literatur und Wissenschaft reiht sich an diese Anfänge, wie sie von Zunz von vorn herein mit voller Klarheit und Beherrschung des schwierigen Stoffes unternommen wurden und später auch in seinen Arbeiten, zumal den ״gottesdienstlichen Vorträgen", ihre Fortsetzung fanden. Dennoch trat auch hier wieder, wenn auch nur mittelbar, hemmend die vom Staate festgehaltene veraltete Auffassung entgegen. Die Wissenschaft bedarf, wenn sie gedeihen soll, wie die Pflanze neben der Arbeit des Gärtners der wärmenden Sonne, so neben der eifrigen Pflege von Seiten ihrer Jünger noch der wohlwollenden Beachtung, der anerkennenden Gunst, sie will bei Hellem Tageslichte auf offenen Markt treten. Aber der preußische Staat wollte und — will nicht nur Nichts von einer Wissenschaft, die sich mit dem Judenthum, seinem innern Leben, seiner Geschichte und Literatur beschäftigt, wissen, — noch mehr, er drängte auch die Jünger der Wissenschaft, wenn sie sonst in anerkannten nichtjüdischen Fächern sich auszeichneten, von einer jeden amtlichen Laust bahn zurück, und noch ist er erst in der Umkehr von diesem Wege, der wahren ״Sünde Wider den heiligen Geist" in der Menschheit, begriffen, ohne festen Schrittes den rechten zu betreten. Ein Theil der jungen Männer konnte das brennende Verlangen, auf der öffentlichen Ringbahn der Wissenschaft aufzutreten, als Lehrer an Hochschulen und Gymnasien ihre Kenntnisse zu verwerthen, nicht widerstehen, — sie fielen ab; Andere ergriff Unlust bei der scheinbaren Erfolglosigkeit ihres Strebens, und sie zogen sich grollend zurück, wenn auch Manche treu ihre Liebe zur Wissenschaft weiter nährten und bethätigten. ״Verein" und ״Zeitschrift" erloschen fast gleichzeitig mit dem Edicte gegen ״Neuerungen im Gottesdienste";

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