Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 4 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 249 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Die jüdische Gemeinde Berlin. 249 treten mußte. Neben Rahel Levin, Henriette Herz, Dorothea Mendelssohn-Veit-Schlegel, stehn Caroline Michaelis-Böhmer-Schlegel-Schelling, Therese Hepne-Förster-Huber u. A. in feinfühlender Anempfindung wie in manchen geistigen Irrfahrten. Umsomehr nun gilt dies von jenen höchst ehrenhaften und fördernden Bestrebungen, die im Schooße der Berliner Gemeinde genährt wurden. Eine den Anforderungen der Gegenwart entsprechende Erziehung der Jugend, Anleitung zu Handwerk und Ackerbau, Einführung in deutsche Cultur und Literatur, Erschließung der alten reichen Schätze im Judenthum, Pflege der hebräischen Grammatik, einfache Auffassung der biblischen Schriften* Weckung des Geschmackes für die künstlerische Schönheit im hebräischen Schriftthum, Ausgrabung der verschütteten werthvollen Schriften aus dem Mittelalter, der Denker wie der Dichter, der Werke Juda Ha-Levis, Aben Esra's, Maimonides', Jmmanuel's, Asariah de Rossi's u. A., die Pflege eines eorreeten und wohllautenden neuhebräischen Sthles als. Mittel zur Läuterung des Sprach- und Kunstsinnes — das sind Bestrebungen, welche mit Ausdauer und Aufgebot aller Kraft im Schooße der Berliner Gemeinde, trotz aller scheinbaren Erfolglosigkeit, mit voller Unermüdlichkeit und in Wahrheit mit dem glücklichsten und weithin sich ausdehenden Erfolge unterhalten wurden. Das sind wesenhafte Verdienste, die nie vergessen werden dürfen und der kleinen Schaar, welche sie errang, zu unvergänglichem Ruhme gereichen. Nach dieser höchst einflußreichen und fördernden, aber immer nur vorbereitenden Thätigkeit begann man gleichfalls in Berlin, nachdem die Bestrebungen für bürgerliche Gleichstellung zu einem definitiven Abschlüsse gelangt zu sein schienen, und zwar unter Anregung und Leitung theils der alten bewährten Führer, wiederum David Friedländer voran, theils eines unterdeß erstandenen jungen Geschlechts, tiefer die Aufgabe zu erfassen, die Wiedergeburt des Judenthums in seiner Erscheinung wie in seiner Wissenschaft zu erstreben. Hier aber stieß man auf Hindernisse, welche mehr die unterdessen dem Rückschritte dienstbar gewordenen Regierungsgrundsätze als mnerer Widerstand aufhäuften, daß die Anregungen nicht zur Ausführung kommen konnten, wenn sie auch der Fruchtkern für anderwärts aufgenommene Bestrebungen wurden, und daß endlich für einige Zeit die Thatkraft derBerliner Gemeinde erlahmte, sie aus dem Vordergründe, aus der Stellung eines Vorortes, den sie einzunehmen berufen war, verdrängt wurde.