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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1871-01-01 · 4 (1871) · p. Seite 244

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
9 (1871)
Issue
4 (1871)
Date
1871-01-01
Page
Seite 244 (sequence 4)
Language
German
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244 I. Die jüdische Gemeinde Berlin. Schutz und officia humanitatis zu versagen, vor recht und billig halten feilte."" ״Zwanzig Jahre später (1765) beabsichtigte man eine Er- Höhung der Judenschutzgelder. Einer der höchsten Beamten des Staats, der General-Fiscal d'Asniöres wurde über seine Meinung über diesen Plan befragt. Er bemerkte (23. März 1765)׳ ״Wenn ich mir die Frage aufwerfe, worauf denn die Bestimmung der Juden-pra68tanä0rum gegründet werden soll, so antworte ich: ich könnte es nicht sagen, und in der That, es ist auch niemahls ein billiges und in der Vernunft gegründetes principium in dieser materie ausfündig zu machen. Der Ursprung der Juden-Schutz- Gelder ist durch gantz Europa in den Verfolgungen, die die Juden erlitten, in deren Verbannung aus verschiedenen Ländern, in dem Haß eines abergläubischen und ungerechten Volkes zu suchen. Dazu kam, daß die Fürsten ihre Aufnahme als ein Mittel betrachteten, ihre Cassa anzufüllen, und sich wenig daraus machten, ob die Juden . . . fertig werden konnten oder nicht." Die Verfolgungen haben aufgehört, die Frage nach der Schädlichkeit der Juden könne man mit Nein beantworten, und wenn sie Schaden bringen, so könne dieser durch eine Summe Geldes nicht wieder gut gemacht werden. ״Daraus erhellet, daß die Erhöhung, wo nicht die Beybehaltung der Juden-pra68tanä0rum mit dem gesunden principio nicht harmoniret, weil man findet, wenn man auf den Ursprung dieses iu8Ututi zurückgeht, daß es sich auf Leidenschaften und Mangel der Einsicht gründet." "*) Man gewinnt den veralteten Kanzleistyl lieb, wenn er sich in solchen Aeußerungen ergeht. Diese einsichtsvolle, mit dem ganzen Entwickelungsgange der Zeit im engsten Zusammenhänge stehenoe Betrachtungsweise konnte nun allerdings bei dem überwiegenden Theile der Verwaltungsorgane nicht durchdringen, so daß sie selbst dem entschiedenen Verlangen Friedrich Wilhelm's II. unüberwindliche Hindernisse in den Weg legten. Allein die Macht der Verhältnisse, die nothwendig gewordene Umgestaltung des ganzen Verwaltungsverfahrens und 1j Ludwig Geiger: Geschichte der Juden in Berlin. I. Als Festjchrift zur zweiten Säcularfe׳.er (Berlin, Gutientag 1871. VII u. 207 Seiten) S. 59 f. vgl. desselben II. Anmerkungen, Aussührungen und urkundliche Beilagen ^VL u. 357 Seiten) S. 87 f. und 97 ss.

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