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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1871-01-01 · 4 (1871) · p. Seite 245

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
9 (1871)
Issue
4 (1871)
Date
1871-01-01
Page
Seite 245 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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245 I. Die jüdische Gemeinde Berlin. der gesetzlichen Normen, die ErkennLniß, daß die Rettung und Wiedererhebung des durch die erdrückende fremdländische Gewalt zur Ohnmacht herabgesunkenen Staates nur durch die Anspannung, daher auch nur durch die Befreiung aller Kräfte im Innern ermöglicht werde, zwang dazu, endlich auch in Rücksicht auf die Juden einer neuen Anschauung und Behandlung die Bahn zu eröffnen, und rang dem innerlichen Widerstreben die Gleichstellung der Juden mit dem Edicte vom 11. März 1812 ab. Daß das Widerstreben nicht besiegt, nur Zurückgedrängt war, beweist die später wieder erfolgende Beengung und kleinliche Bemäkelung der gewährten Freiheit; aber im Ganzen und Großen konnte doch die Thatsache der vollen Eingliederung der Juden in den Staat nicht mehr rückgängig gemacht werden. Dieses Ergebniß hat jedoch nicht die fortschreitende und aller Hebel bedürftige Zeit allein bewirkt, sondern die unverdrossene, in ihrer Zuversicht trotz allen Hemmnissen und Verschleppungen unerschütterliche Mühewaltung der Juden selbst hat wesentlich dazu mit beigetragen, und hier ragt die Berliner Gemeinde mit ihrer Vertretung sehr rühmlich hervor. Ein Menschenalter hindurch, von 1787 bis 1812, ermüdete sie nicht in Eingaben und Begutachtungen ihre Rechte wie die der sämmtlichen Juden des Staates zu fordern, allen Einwürfen zu begegnen, durch persönlichen Einfluß wie durch nachdrückliche Vorstellungen die leitenden Staatsmänner zu gewinnen. In dieser stillen, aber ebenso hingebenden als erfolgreichen Thätigkeit steht David Friedländer voran, und wer sich erdreistet, dessen ehrwürdige Gestalt anzutasten wegen mancher Aeußerungen der Ungeduld und des Mißmuths, der versündigt sich an den edelsten Bestrebungen innerhalb der Judenheit. *) Die Schritte, welche damals die Vertreter der Berliner Gemeinde in Forderungen und Bitten unternahmen, zeichnen sich durch den weiten und. umfassenden Blick aus, welchen sie bekunden. Ihr Verlangen war nun nicht mehr darauf gerichtet, einzelne drohende Verkümmerungen abzuwehren, die Aufhebung der bestehenden zu erlangen, sondern sie hatten immer das ganze volle Recht, die unbcschränkte Einbürgerung der Juden in den StaaLsorganismus im Auge. Sie fühlten sich eben nicht mehr als aus Palästina Vertriebene, die, die Rückkehr nach diesem von ihnen nicht aufgegebenen Heir) Vgl. die einzelnen Documente bei Ludwig Geiger II. S. 159 191״ u. S. 338 bis Ende.

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