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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1871-01-01 · 4 (1871) · p. Seite 243

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
9 (1871)
Issue
4 (1871)
Date
1871-01-01
Page
Seite 243 (sequence 3)
Language
German
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I. Die jüdische Gemeinde Berlin. 243 wie das Bürgerthum und die deutsche Literatur, so auch die Juden leer ausgehn,' und nur die Regierung Friedrich Wilhelms des Zweilen, der sonst in der Geschichte Preußens nicht von Hellem Strahle beleuchtet ist, zeichnet sich durch den ernsten Willen aus, der von oben her zur Verbesserung der Lage der Juden hervortritt, wenn er auch nicht zur That verwirklicht werden konnte. Verkennen wir es jedoch auch andererseits nicht, daß dennoch die Anregungen, welche die Entwickelung Preußens so mächtig förderten, veranlaßten, daß auch Erfolge für die Juden erzielt wurden. Wie Friedrichs Geist, ohne Ahnung von der gediegenen Kraft eines freien ebenbürtigen Bürgerthums, ohne Erkenntniß der tief waltenden Innerlichkeit des deutschen Volkscharakters, der deutschen Sprache und Literatur, durch die Schnellkraft, welche er seinem Volke beibrachte, dennoch dessen Gesammtheit erhob und mittelbar die Blüthe der deutschen Literatur zeitigte: so ist auch seme Zeit der vielverheißende Frühling für die Juden geworden, die er verachtete und deren Verminderung er in pharaonischem Geiste ebenso systematisch wie erfolglos betrieb. Nicht ohne Zusammen- Hang mit ihm, wenn auch nicht übereinstimmend mit seinen Ansichten, sind Männer schriftstellerisch aufgetreten, mit der vollen Gerechtigkeit gegen Juden und Judenthum, und die Namen von Lessing und Dohm werden auch nach dieser Richtung hin unvergänglich bleiben. Aber auch höhere Beamte gaben dem Geiste, den er sonst nährte, aber in Beziehung auf die Juden verdrängte, den vollen Ausdruck, und die Männer wie ihre Gesinnungsäußerung verdienen dem dauernden Andenken eingeprägt zu werden. ״Der Finanzrath Manitius erörterte (3. Dec. 1745), und seiner Erörterung traten mehrere Mitglieder des Generaldirectoriums (Hoppe, Viereck, Blumenthal) bei, wodurch die früheren beschränkenden Bestimmungen gegen die Juden entstanden seien, nnd nannte als hauptsächliche Duelle ״״das 6x papatu originirende odium religiosum, welches der Ursprung alles Unglückes und des Verfolgungsgeistes in der Welt ist."" Aber dieser Haß gehöre, seiner Meinung nach, einer vergangenen Zeit an. ״Bey jetziger täglich mehr und mehr sich aufklärenden Einsicht in allen taeullaelen wird nicht leicht jemand noch so einfältig sein, daß er prop- 16r dissensum in conceptibus und der differenten Gedanken und Meynungen in Religionsbegriffen das inveteratum odium religionis annoch billigen und einer gantzen nation deshalb die toleranz, den 16*

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