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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1871-01-01 · 4 (1871) · p. Seite 242

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
9 (1871)
Issue
4 (1871)
Date
1871-01-01
Page
Seite 242 (sequence 2)
Language
German
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242 I. Die jüdische Gemeinde Berlin. War die rasch wachsende Erhöhung doch zugleich innerlich bedingt und vorbereitet. Nicht so die jüdische Gemeinde! Ihre früheren schwachen Anfänge, die unter den üblichen Anklagen, Hinrichtungen und Bedrückungen verliefen, endeten mit der völligenVertreibung (1573), die Gemeinde war vernichtet, der Keim ward erst ein Jahrhundert später mit neuen Ansiedlern, die, aus Wien Vertrieben, hier eine Zufluchtsstätte fanden, wiederum gelegt. Vielleicht waren es günstige Sterne, die über die neue Gründüng der Gemeinde walteten. Sie erfolgte mit der Zeit, da ein neuer Geist in den brandenburgisch - preußischen Staat einzog und ihn von da ab nicht verließ, so daß er zu einer Erstarkung gelangte, die ihn innerlich festigte und ihm eine immer zunehmende einflußreiche Stellung errang. Dieses kräftig pulsirende Leben kam daher auch der Gemeinde zu gut sowohl in der Behandlung, die sie!erfuhr, als auch in der inneren Anregung, die sie selbst durchströmte. Dennoch find jedenfalls die Aeußerungen dieses die verknöcherten Formen des Mittelalters zersprengenden Geistes noch lange, ein ganzes Jahrhundert, ganz unwahrnehmbar; selbst indem letzten, so tief bewegten, an,Erfolgen auch für die Juden so fruchtbaren Jahrhundert ist bis in die neueste Zeit hinein der Widerstand von Seiten der maßgebenden Kreise, von den die eigentliche Volksindividualität repräsentirenden Körperschaften ein so zäher und nachbaltiger gewesen, daß nur das ganze Zeitbewußtsein mit aller Kraftanstrengung ihm einen?jeden Fortschritt, eine jede Befreiung und wohlwollende Beachtung entringen mußte. Wir wollen über diese Eigenthümlichkeit, die kaum zu den berechtigten zu zählen sein dürfte, keine unnützen Betrachtungen anstellen, auch nicht den ,,unsäglichen Schmerz erneuen" durch Vertiefung in die unheimlichen Quälereien, welchen die Juden in diesen zwei Jahrhunderten ausgesetzt waren, nicht demfrohenBewußsein unserer engen Zusammengehörigkeit zum Vaterlande, unserer eingewachsenen Mitgliedschaft tiefe Wunden schlagen durch die Beschreibung der Engherzigkeit, welche die Verwaltung gegenüber den Bekennern des Judenthums an den Tag legte und — legt. Doch bleibt es unleugbare Thatsache, daß gerade die tüchtigsten Regemen Preußens ererbte Vorurtheile nicht überwinden konnten; die Juden blieben ihnen ein Gegenstand zur Verwerthung, um den Staatssäckel anzufüllen, und Einzelne dienten ihnen zu Vermittlern von Finanzspeeulationen. Auch vom Throne Friedrichs des Zweiten mußten

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