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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1871-01-01 · 3 (1871) · p. Seite 202

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
9 (1871)
Issue
3 (1871)
Date
1871-01-01
Page
Seite 202 (sequence 42)
Language
German
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202 Umschau. halten wir nun auch über Men achem ben Chelbo von Hn. Dr. A. Wolfs. In der hebräischen Zeitschrift Haschachar nämlich, welche in Wien erscheint, und zwar im 7. Hefte des zweiten Bandes (S. 289—299) giebt derselbe noch Erklärungen Menachem's nach dem Kirchheim'schen Kara-Codex, der zwsir schon von Dukes und von mir benützt worden, aber, wie es scheint, noch immer genügende Nachlese darbietet. Die Freunde dieser Literatur werden auch diesen Beitrag mit Dank entgegennehmen. 16. Mai. 9. NeuereSchriften aus Polen. Die literarische Bewegung in Deutschland geht an unfern polnisch-russischen Glaubensbrüdern nicht spurlos vorüber, und besonders fesselnd für sie sind die kritischen Operationen, welche die Entwickelung des Thalmudismus zu enthüllen versuchen. Bei der reichen Kenntniß, welche sie auf diesem Gebiete besitzen, unterlassen sie es nicht, die empfangenen Anregungen selbstständig anzuwenden, und wir begrüßen diese Versuche sicher mit vieler Theilnahme. Freilich ist der dortige Geistesboden noch mit so vielem Schutte, mit so reichen Ueberresten einer üppigen der Verwesung verfallenden Pflanzencultur überzogen, daß ein gedeihlicher Anbau sehr erschwert ist. Noch liebt man es zu sehr, sich an scharfsinnigen Deutungen zu ergötzen, wenn auch nunmehr etwa die kritische Forschung die Voraussetzungen dazu hergeben soll, man legt noch Werth auf sinnige Umdeutung der Haggadah's, welche bei uns die Wissenschaft längst an die Homiletik abgegeben hat; den Detailreichthum zu mehren, eine weitere Stelle beizubringen, die Andere übersehen haben, gilt als Triumph der Gelehrsamkeit, mag auch die Sache dadurch nicht die geringste Aufklärung erhalten. Wir erfreuen uns an solchen Werken, weil sie, aus tiefem inneren Drange hervorgegangen, lebendig sind, hie und da auch auf eine Stelle Hinweisen, die der Benützung nicht unwerth ist, namentlich aber weil sich uns darin eine Hoffnungen erweckende Verheißung offenbart. Lebendige Theilnahme für Fortschritt paart sich in ihnen mit der Achtung für das überkommene geistige Erbe, der Kampf gegen Unwissenheit, Aberglauben und verhärtetes Vorurtheil erhält seine erfrischende Nahrung von dem tiefen Einblick in den geschichtlichen Gang, in die Lebensmächte, deren Einfluß durch die traurigen Zeiten erstarrend und verkrüppelnd geworden.

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