Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 3 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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198 Umschau. 6. Immanuel und Dante. Es ist in neuerer Zeit ein engeres Verhältniß zwischen dem jüdischen Dichter Immanuel und seinem berühmten Zeitgenossen und Landsmann Dante erkannt und dasselbe mehrfach besprochen worden. Abermals ist von Hrn. Dr. Theodor P aur, der schon früher Immanuel in einem Vortrage behandelt hattet, der jüdische Dichter selbst und namentlich sein Verhältniß zu Dante der Betrachtung unterworfen worden, in einer Abhandlung, welche die Ueberschrift trägt: Immanuel und Dante 1 2). Die mit Liebe zum Gegenstände abgefaßte Arbeit fördert freilich die Einsicht in Jmmanuel's Wesen und Stellung zu Dante nicht. Der Vfr. bekennt selbst am Schlüsse: ״Vorstehende Darlegung hat kein anderes Resultat zu bieten, als daß Jmmanuel's Vertrautheit mit Dante's Commedia bei Abfassung seiner Vision für constatirt zu erachten, außerdem mit einiger Wahr-- scheinlichkeit ein persönlich freundschaftliches Verhältniß zwischen beiden Dichtern anzunehmen ist. Mehr zu erreichen würde ein bedeutenderes Quellenmaterial erfordern, als bis jetzt zugänglich vorliegt." Zugänglich find nun Hn. Dr. P. eigentlich auch Jmmanuel's hebräische Dichtungen selbst nicht; er muß sich mit Uebersetzungen und Forschungen, wie sie von Andern dargeboten werden, behelfen. Es fehlt daher auch nicht an kleinen Mißverständnissen. So rühmt Jmm. nicht an einem Freunde, ״er sei ein unübertroffener Dichter in hebräischer, arabischer und deutscher Sprache", wie wir S. 445 lesen. ״Die Lösung des Räthsels dieser Persönlichkeit" kann daher durch ״die Angabe, daß der Ungenannte auch in deutscher Sprache gedichtet habe", durchaus nicht von so hohem Werthe sein, wie Hr. P. S. 446 meint. Denn Jmm. gedenkt durchaus nicht der ״deutschen" Sprache, sondern der ״nazarenischen", also christlichen, d. h. lateinischen oder italienischen. Wenn von demselben Freunde gesagt wird, daß er ״nach der Porvence hinzog, um beim Fürsten Magdiel das Heil des Volkes Israel zu vertreten", so weiß zwar Hr. Dr. P. aus Eisenmenger, daß unter Magdiel die commentirenden Rabbinen Rom oder die Christenheit verstanden, 1) Vgl. diese Zeitschrift Bd. V S. 301. 2) Vgl. Jahrbuch der deutschen Daute-Gesellschaft Bd. III S. 423--462.