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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1871-01-01 · 3 (1871) · p. Seite 170

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
9 (1871)
Issue
3 (1871)
Date
1871-01-01
Page
Seite 170 (sequence 10)
Language
German
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170 II. Grünebaum. schaft nicht entgegentrat, und sogar durch die Erbauung eines Palastes, von welchem aus alle Vorgänge im Tempel beobachtet werden konnten, nicht nur gegen die herkömmliche Sitte gehandelt, sondern auch den Juden große Verwirrung bereitet hat, so daß seine Trauer bei dem Lesen der berührten Stelle ebenso, wie der schmeichelhafte, jedenfalls von innerer Anhänglichkeit zeugende Zuruf der Gelehrten, bei ihm wenig wahrscheinlich ist. Indessen auch hier sehen wir, wie bei dem Beisaßfremden, einen Rückschritt stufenweise eintreten. Es wird im Thalmud das Benehmen der ״Weisen" (in der Mischna) Agrippa gegenüber als eine so strafbare Schmeichelei getadelt, daß sie den Untergang des Reiches verschuldet habe^. Es ist daher nicht nöthig, zur Erklärung dieses Tadels zu einer den feststehenden historischen Thatsachen gegenüber offenbar fabelhaften Legende, wornach von dem hasmonäischen Hause nach der Erhebung des Herodes zum Könige kein einziger Sprößling übrig geblieben fei1 2 3 4 5), seine Zuflucht zu nehmen. Man ging .aber noch weiter: es sollte kein Proselyte zu irgend einem Amte zugelassen werden. Auch dieses suchte man durch einen Ausdruck im Königsgesetze des Deuteronomiums zu begründen, ״Du sollst keinen Fremden über Dich setzen" u. s. w. Alle Einsetzungen zu irgend einer obrigkeitlichen Function, demonstrirte man, sollen nur durch einen aus der ״Mitte" Deiner Brüder gestattet sein 3). Nur einzelne Rabbinen gaben ihnen, und, wie es scheint, nur untergeordnete Stellen, und auch dieses nur, wenn sie mütterlicherseits von jüdischer Abstammung waren^). Im Allgemeinen hielt man sie sogar von diesen fern, sowohl in Palästina, und besonders da, wie in Babylon^). So sehen wir auch hier einen bedeutenden, stufenweise sich entwickelnden Rückschritt, der um so auffallender erscheinen muß, wenn man, wie nachgewiesen, die volle Gleichberechtigung der Prose- 1) 80ta 41, a. 2) Fos. Jeb. ]. 1. 3) Jeb. u. Kid. 1. 1. Besonders stark Th. Jer. Kid. IV Hai. 5 hervorgehoben. 4) B. Mez. i. 1. 5) Kid. 1. 1.

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