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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1871-01-01 · 3 (1871) · p. Seite 169

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
9 (1871)
Issue
3 (1871)
Date
1871-01-01
Page
Seite 169 (sequence 9)
Language
German
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Der Fremde nach rabbinischen Begriffen. 169 obgleich der Ausdruck: ״aus der Mitte deiner Brüder" an sich um so weniger die Ausschließung der vollkommenen Proselyten begründet, als der Gegensatz: ״Du sollst keinen Fremden über Dich (zum Könige) setzen", mit der Bezeichnung Nochri nur den fremdländischen Heiden ausschließen zu wollen scheint. Indessen dürfte doch Wohl unter dem Ausdruck ״Jsch Nochri" jeder Mann aus fremdem Volke, also auch der vollkommene heidnische Proselyte ausgeschlossen sein*). Diese Bestimmung stand jedenfalls auch traditionell fest und war immer in praktischer Geltung. Dies war auch ein wesentlicher Grund, weshalb Herodes, obgleich sich die Jdumäer der Beschneidung und allen Ritualgesetzen unterworfen hatten, also vollkommene Proselyten waren, nicht als rechtmäßiger israel. König angesehen.ward^). Dagegen wurde Agrippa als rechtmäßiger König anerkannt. Es wird nämlich erzählt^), er habe Thränen vergossen, als er bei der Vorlesung der Thora an die Stelle kam: ״Du sollst keinen Fremden über dich (zum Könige) setzen, der nicht dein Bruder ist". Da hätten ihm die Weisen zugerufen: ״Laß Dir nicht bange sein, Agrippa, Du bist unser Bruder"! Der Grund dieser Anerkennung liegt offenbar darin, daß Agrippa, der Enkel oder der Urenkel der Hasmonäerin Mariamne, von mütterlicher Seite von jüdischer Abstammung war. Es wäre also die sonst bei den Rabbinen vorkommende Bestimmung: ״daß die Mutter eine Israelitin sein müsse"^, wie hier, nicht wörtlich zu nehmen, sei es nun, daß, was uns wahrscheinlicher dünkt, Agrippa I., der sich vielfach um das Land verdient gemackt hatte, gemeint ist, oder, was uns weniger wahrscheinlich dünkt, Agrippa II., der zur Zeit der Tempelzerstörung König war, wie Raschi annimmt. Derselbe hat Wohl, ehe er König war, während seines römischen Aufenthaltes sich durch seine Verwendung bei dem Kaiser für Ueberlassung der hohenpriesterlichen Gewänder sich Zuneigung erworben, aber als König sich wenig würdig gezeigt, da er der schamlosen Procuratorenwirth- 1) Die im Königsgesetze vorausgesetzte Möglichkeit: daß man einen, der kein geborner Israelite war, zum Könige sollte wählen wollen, dürfte übrigens für die Kritik des Deut, nicht ohne Interesse sein, da sie aus dem Stand- Punkte des Mosaismus kaum denkbar ist. 2) cf. Jos. Ant. XIV, 15, 2. 3) Mischna Sota 7, 8. 4) Kid. 76, b. Job. 45, b.

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