Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 307 (sequence 147)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nachruf. 307 räumte; darüber, daß man die sabbatlichen Perikopen, ursprünglich zur Belehrung des Volkes eingesetzt und jetzt kaum angehört, weil man sie nicht begriff, hie und da abkürzte; darüber, daß man es für unzulässig, ja für unwürdig hielt, Gott um eine Rückkehr nach Zion und um Wiederherstellung des Opferdienstes anzurufen, während man fest entschlossen war, in seiner Heimath zu bleiben und mit Herz und Seele ans einem Vaterlande hing, — sowar dies, um mich glimpflich auszudrücken, knabenhaft und lächerlich. Gewissenlos war es, wenn sie, .um solcher Lappalien willen, die Gemeinden zerklüfteten, und in zwei feindliche Lager spalteten. Doch lassen wir diese falschen Eiferer; würden doch selbst die Strengsten unter ihnen vor dem Richterstuhle ihrer Väter und Großväter nicht bestehen. Seit 1838, seit Geiger zum Rabbiner in Breslau erwählt war, wurden keine Waffen, wären es auch die unehrlichsten gewesen, verschmäht, um ihn zum Falle zu bringen. Er ließ sich nicht entmuthigen, sondern ertrug mit jugendlicher Lust, mit der Zuversicht, welche der Kampf und die Wahrheit gibt, ihre Angriffe, und wankte nicht. Und so haben sie, die Frommen, seinen Tod mit einem Freudenruf begrüßt! Ein Großer in Israel war gefallen, und sie schlugen in die Hände und versuchten den Todten zu beschimpfen, während sie dem Lebenden nicht in's strenge Antlitz zu schauen gewagt hatten. Wir wenden uns mit Ekel von diesem entwürdigenden Schauspiele, und mit der Verachtung, die er selbst solchen Bachanalien entgegengesetzt hätte. Rüstig und wacker schritt er durch's Leben, seine ungehemmte Arbeitskraft nach den verschiedensten Seiten hin entfaltend. Ein Wunsch blieb ihm lange unerfüllt. Schon im Jahre 1836 hatte er den zweiten Band seiner Zeitschrift mit einem Artikel eröffnet: Die Gründung einer jüdisch-theologischen Fakultät, ein dringendes Bedürfniß unserer Zeit. Diesem war 1838 eine eigene Broschüre gefolgt: ״Ueber die Errichtung einer jüdisch-theologischen Fakultät^. Die Ueberzeugung, daß eine solche am besten in einer Univerfitätsstadt gedeihen könne, war ein Hauptgrund seiner, im selben Jahre geplanten, 1840 vollzogenen Ueberfiedelung von Wiesbaden nach Breslau, sowie eine gleiche Hoffnung ihn später nach Berlin führte. In Breslau hatte er in der Thai die Mittel kür eme jüdisch-theologische Fakultät gefunden, aber als dieselbe in s Leben trat, kam die Direktion derselben in andere Hände. Erst m den cm letzten Jahren seines Lebens in Berlin war es ihm vergönnt, eine jüdische Hochschule erstehen zu sehen und in derselben zu lehren. Dieser 20*