Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 305 (sequence 145)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nachruf. 305 fähige Kämpfer für die Sache des Volkes waren, dieser Rehabilitation, welche die Rehabilitation des Judenthums selbst in sich schließt, widmete Geiger sein großes epochemachendes Werk: ״Urschrift und Uebersetzungen der Bibel" (1857), dem die , Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie" (5 Bände und 3 kleine Hefte des 6. Bandes (1835—1847) zum Theile als Vorbereitung und später die ״Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben" (11 Bände 1862—1874) als theilweise Fortsetzung und Entwickelung diente. Hatte das Judenthum sich zuerst zeitgemäß entfaltet, war es dann blos in Folge der Verschmelzung des Hellenenthums mit einer auf Mißdeutung beruhenden Richtung desselben durch die nothwendige Abwehr nach außen auf seiner Bahn aufgehalten und in seinem natürlichen Fortschritte gehemmt worden, so hat es eben dadurch den Beruf, aufs Neue seine Lehre mit den gesunden Prinzipien der Zeit zu durchdringen; es hat zu zeigen, daß seine Widerstandskraft nicht blos zu dulden wußte, sondern auch innerlich zu schaffen weiß. Diesen begeisternden Gedanken legte Geiger besonders den Gebildeten unter seinen Glaubensgenossen in seinen ersten Vorlesungen über ״das Judenthum und seine Geschichte" (Zweite Aufläge 1865) vor. Wie oft sich selbst in den düstersten Jahrhunderten der Einfluß der Geistesbewegungen innerhalb des Judenthums auch nach außen geltend gemacht hat, zeigten zwei andere Abtheilungen (1865—1871) dieser Vorlesungen, welche die Geschichte bis in's sechszehnte Jahrhundert fortführten. Große Persönlichkeiten wie Moses ben Maimon, Juda Halevi, Salomon ben Gabirol, Joseph *I Medigo, erhielten außerdem Monographien, worin die Philosophien mit der ausgedehntesten Sachkenntniß und mit Scharfsinn gewür- ׳igt, die Dichter in eleganter metrischer Uebersetzung dem größeren Publikum mitgetheilt wurden. — Wir haben bis jetzt blos Geiger, den Gelehrten, besprochen, ^s ist Zeit, in Geiger den Rabbiner kennen zu lernen. Es wird mir Niemand aufbürden, daß ich absichtlich mit seiner Thätigkeit in der Wissenschaft seine Wirksamkeit im Leben habe verdecken wollen. Bei ihm waren beide innig verknüpft. ״Was die Wissenschaft", sagt er in seiner Vorrede zu feiner Urschrift, ״als eine geschichtliche Wahrheit für die Vergangenheit aufnimmt, das muß sie dann auch als einen neuen Fruchtkeim ausstreuen für die Fortentwickelung des Judenthums. Wenn der Boden der Geschichte aufgelockert wird, und die Mächte nachgewiesen werden, die unablässig an ihr ge- Vierteljahresschrift XI. 3. 4. 20