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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 3-4 (1875) · p. Seite 302

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
3-4 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 302 (sequence 142)
Language
German
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302 DerenLurg Geiger beschäftigte sich seitdem weniger mit dem Arabischen, welches ihn blos als die Sprache des orientalischen und spanischen Judenthums interessirte. Die Bibelübersetzungen des Saadia, die philosophischen Schriften des Maimonides, Grammatiker wie Hajjudsch und Jbe Djannah nahmen ihn in den verschiedensten Epochen seines Lebens in Anspruch. In seinen nach allen Seiten hin zerstreuten Bemerkungen und Arbeiten über diese verschiedenen Zweige der jüdischen Literatur liegen Samenkörner eingesenkt, die noch bestimmt sind, bei guter Benutzung eine reichliche Ernte zu geben. Aber mit richtigem Takte wandte er seine volle Aufmerksamkeit Vorzugsweise den aramäischen Dialekten zu. Im West- und Ostaramäischen, wie im Samaritanischen fand er die ältesten, auf traditionelle Kenntniß des Hebräischen basirten Versionen, weit geeigneter als die griechische Uebersetzung der Siebzig, für die Controlle und jeweilige Berichtigung und Herstellung des Urtextes; jedenfalls erschienen sie ihm als die vollgiltigen Zeugen der Erklärungsweise ihrer Zeit in den Gegenden, wo das Judenthum einheimisch auf eigenem Boden naturgemäß fortwuchs, und nicht, wie in Alexandrien, als ein fremdes Element mit ganz heterogenen Bildungsstoffen sich amalgamiren und zersetzen mußte. Die nämliche Schätzung ließ er den auf palästinischen Boden entstandenen hellenischen Uebersetzungen des Aquila, Theodotion und Symmachus angedeihen, und hier war ihm wieder das Syrische, in welchem die Hexapla des Origines zum großen Theil allein sich erhalten, von größtem Nutzen. Des sogenannten Chaldäischen war er von der frühesten Jugend an durch die Sprache der Targumim mächtig; sein feines Sprachgefühl ließ ihn frühe den Einfluß dieser Sprache auf die späteren Schriften der Bibel und der Mischnah empfinden. Die Vulgärsprachen und Volksidiomen eigenthümlichen und in ihren Verderbnissen so interessanten Erscheinungen im Leben des Aramäischen nahm er in den beiden Thalmuden wahr. Seine tiefe Kenntniß aller dieser Dialekte und Sprachverzweigungen hat Geiger viel weniger grammatisch als exegetisch und dogmatisch verwerthet, um der speciell sich in diesen Ueberresten der ersten Jahr- Hunderte der gewöhnlichen Zeitrechnung kundgebenden Sinnesart historisch nachzugehen. Seine in der ״Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesellschaft", wie in seinen eigenen Zeitschriften niedergelegten Abhandlungen, die sich auf babylonische und jerusalemische Targumim, auf die Peschito, auf den samaritanischen Penta-

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