Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 301 (sequence 141)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nachruf. 301 Semesters, kehrte Geiger in seine Heimath zurück. Die Hochschule hatte für den jüdischen Theologen fast den einzigen Zweck, ihm den akademischen Doktorgrad zu erwerben, welchen in den dreißiger Jahren die Gemeinden als das Kennzeichen eines gebildeten Rabbiners zu betrachten anfingen. Der jüdische Theologe hörte die philosophischen Vorlesungen, besuchte Collegien über Philologie und orientalische Sprachen, und entnahm so aus dem vielfachen auf der Universität Gebotenen, nach seinem Geschmack und seiner eigenen Einsicht, das ihm Zusagende: ״Er findet dort fast gar nichts, was sein eigenes Fach berührt/' klagt Geiger bereits im Jahre 1836?) ״Er sieht es mit Bedauern, wie ein jeder Zweig des menschlichen Wissens in der Hochschule angebaut wird, und wie die einem jedem Berufe sich Hingebenden mit der nöthigen Einsicht in denselben ausgerüstet werden. Der jüdische Theologe allein steht verwaist da, ohne andern Führer als die eigene schwache Kraft, ohne Vorarbeit, ohne daß er zur genauen Erkenutniß seines Berufes, zur Erfassung seiner einzelnen Fächer, zur Würdigung der verschiedenen Theile und zu dem Gesammtüberblick hingeleitet werde." Geiger's Kraft war stark genug, daß er sein eigener Führer zu werden vermochte. Er hatte in Bonn mit großem Fleiße arabisch getrieben und bei seinem Abgänge von der Universität eine Arbeit dort zurückgelassen, die am 3. August des nämlichen Jahres gekrönt wurde. Die philosophische Fakultät hatte die Frage gestellt: Inquiratur in fontes Alcorani seu legis Mohamediese eos? qui ex Iudaismo derivandi sunt. Geiger faßte sie schärfer und schrieb seine Ab- Handlung: Was hat Muhamed aus dem Judenthum ausgenommen, ein Titel, unter welchem ein Jahr später (1833) sein erstes Werk erschien. Vor 40 Jahren flössen die Quellenschriften de rarabischen Literatur noch spärlich; der treffliche Eommentar des Engländers Sale und einige von Professor Freylag während seines Aufenthaltes in Paris gemachte Auszüge aus Beidhavi's Eommentar standen dem Verfasser allein zu Gebote. Aber um so mehr vertiefte er sich in den Koran selbst, und diese Jugendarbeit ist, trotz einiger damals fast unvermeidlichen Mängel, noch heute ein klassisches Werk. Anlage, Vertheilung des Stoffes, Resultat zeugen bereits von dem kritisch gliedernden Geist und dem scharfen Urtheile, welche wir in seinen spätern Schriften bewundern. 1j Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie, Land 11, S. 14.