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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1875-01-01 · 3-4 (1875) · p. Seite 287

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
11 (1875)
Issue
3-4 (1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 287 (sequence 127)
Language
German
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Aus Briefen. 287 Antwort vom 8. Juli. Meine Herrn! Gestatten Sie mir die Antwort an Sie beide zu richten. Ihr werthes Schreiben vom 6. d. trägt ganz die Haltung an sich, als von beiden ausgegangen, wenn es auch blos die Unterschrift des einen der mit einander Discutirenden enthält, wie mir der Familiennamen des andern auch unbekannt geblieben ist. Blos wenn beide Theile meinem Urtheile mit Vertrauen entgegenkommen, kann ich es wagen, ein Urtheil, soweit überhaupt ein solches zuläßig ist, abzugeben; sonst müßte ich Scheu tragen, einer einseitigen Aufforderung, die für eine unparteiische Darstellung der entgegenstehenden Ansichten keine Bürgschaft gäbe, nachzukommen. Doch nun zur Sache׳! Erfreulich ist der Ernst, mit dem die abweichenden Standpunkte in ihrer Folgerichtigkeit sich geltend machen, und doppelt erfreulich ist es, in einer Zeit, die sehr geneigt ist, in oberflächlicher Aeußerlichkeit den geistigen Anforderungen ihre Geltung abzusprechen und Alles zum Materialismus abzublassen, das tiefe religiöse Interesse überhaupt und an dem Judenthume insbesondere wahrzunehmen. Ihr Streit ist wiederum ein Zeugniß für die Lebensfülle des Judenhums, die sich in geistesregen Zeiten immer nach mannichfaltigen Richtungen hin offenbart. Denn das, m. H., dürfte Ihnen doch Wohl nicht unbekannt sein, daß die Verschiedenheit, welche sich zwischen Ihnen in Ihren Glaubensüberzeugungen herausstellt, eine solche ist, die zu allen Zeiten, in denen der Geist nicht völlig verdumpft war oder sein wird, bei denkenden Menschen innerhalb des Judenthums wiederkehrt und wiederkehren wird. In dunkeln Zeiten freilich ist die Vernunft so umdüstert oder so zum Schweigen gebracht, daß der Gedanke, es bestehe ein Widerspruch zwischen ihr und manchem Herkommen, nicht zum Bewußtsein und noch weniger zum Ausdruck kommt. Gerade aber die scharfe Abwehr, mit welcher ״Oskar" gegen eine jede Prüfung sich verschließen möchte, ist ein Beweis, daß er der Berechtigung des Denkens Raum giebt, daß er jedoch von einer Prüfung erwartet, sie werde die Gültigkeit manches Herkömmlichen in nicht leicht zu widerlegender Weise in Zweifel stellen Hier aber liegt offenbar ein innerer Widerspruch in der Gedankenrichtung, gerade sowie der Lösungsversuch eine Auflehnung gegen die ganze Geschichte des Judenthums enthält.

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