Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 11 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 280 (sequence 120)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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280 Aus Briefen. ein Zeichen der ursprünglichen Vocalisation des Conson. vorher. Ich habe das vor einigen Tagen in der großen Grammatik des Barhebr. gelesen. Antwort vom 25. Dec. . . . Sie können sich denken, wie angenehm mir die Schilderung von dem Eindrücke war, welchen mein jüngstes Heft auf Sie gemacht shat, wie lebhaft mich Ihr Urtheil über Delitzsch interessirte. — Nicht unerwartet kam mir auch, daß Sie auf der Seite des Hrn. X., meines Correspondenten, stehn, obgleich ich mich doch wundere, daß Sie dabei sehr Wichtiges raschweg beseitigen. Daß ״das Judenthum einmal die Religion eines Volkes gewesen", wird natürlich kein Mensch bestreiten, aber er wird das auch natürlich finden, da es im Alterthume gar nicht anders möglich war; ja er wird darin einen Vorzug erkennen, indem dadurch eine ganze geistige Volkskraft im Dienste der Religion stand, diese die edelste und allseitigste Nahrung von dort aufnahm, nicht einseitig und das Leben ignorirend zu krankhafter Ausbildung gelangte. Aber ebensowenig ist zu leugnen, daß das Judenthum, und gerade es allein, den lebendigsten Trieb zur Verallgemeinerung und Erweiterung über die Menschheit hatte und demselben, so oft die Umstände es nicht verhinderten, Ausdruck gab. Die Aufnahme einzelner Proselyten erscheint gegenwärtig als etwas ganz Untergeordnetes und durchaus nicht als etwas Charakteristisches. Doch war das nicht so im Alterthume. Daß der Eintritt eines Jndividuums aus einem fremden Volke lediglich durch die Annahme der religiösen Verpflichtung möglich sei, lag der Anschauungsweise des ganzen Alterthums durchaus fern, so daß die alten alexandrinischgriechischen Uebersetzer, die sich sonst für ״Ger" des Ausdrucks nqog^Xvxog, d. h. ein Eingewanderter, ein im Lande wohnender Fremdling, bedienen, da, wo es gilt, dem Worte die prägnante Bedeutung eines zum Religionsbekenntnisse Uebergetretenen beizulegen — was wir jetzt unter Proselyt verstehen, aber damals noch nicht mit dem Worte verbunden war, — dafür kein bezeichnendes griech. Wort fanden und das Originalwort in chaldäischer Form געורא, yawqag, beibehalten mußten (Exod. 12, 19. Jes. 14, 1). Und jene ״einigen" Prophetenstellen, ״welche die Aussicht auf Ausdchnung der messianischen Herrlichkeit auf alle Völker eröffnen", haben eine Tragweite, die zu unterschätzen ungerecht ist. Das ist